Immobilien : Raus aus dem Rücken

Richtiges Umgraben mit dem Spaten will gelernt sein

Helga Panten/dpa

Wenn die Bäume kahl stehen, zieht es viele Gartenbesitzer noch einmal in den Garten: Sie graben um, bis der Boden sauber und schwarz daliegt. So findet das Gartenjahr seinen Abschluss. Aber nicht jeder liebt die Arbeit mit dem Spaten. Rückenschmerzen quälen viele noch Tage später. Fast immer liegt das am falschen Gerät, der falschen Haltung – oder beidem. Umgraben ist eine der ältesten gärtnerischen Tätigkeiten. Johann Sigismund Elßholtz, Hofmedicus und Gärtner des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, beschrieb 1684 die Bedeutung des Umgrabens folgendermaßen: „Der große Nutz dieser Gartenarbeit ist männiglich bekannt, sintemal dadurch nicht allein das Unkraut, welches sonst den guten Gewächsen die Nahrung entzeucht, außgeworfen, sondern auch das Erdreich lucker und mürbe gemachet wird“. Zusätzlich lassen sich beim Umgraben aber auch Bodenverbesserer einbringen, von Sand über Gesteinsmehl bis hin zum Langzeitdünger.

Grundsätzlich gilt inzwischen aber das Prinzip, so wenig zu graben wie möglich. Denn Umgraben befördert die am stärksten belebte Bodenschicht in die Tiefe. Das weniger belebte Erdreich kommt ans Tageslicht. Das Lockern mit dem Sauzahn oder dem mehrzinkigen Kultivator tritt daher häufig an die Stelle des Grabens. Bei Bodenverdichtungen, Flächen oder Rasen mit viel Unkraut, die zur Pflanzfläche werden soll, ist die Spatenarbeit aber nicht zu umgehen.

Damit sie nicht zur Qual wird, sollte der Spaten zur Körpergröße passen: Reicht der Stiel nicht bis zur untersten Rippe, sind Rückenschmerzen programmiert. Ist er länger, lässt sich die Kraft der Arme und Schultern nicht richtig übertragen. Arbeiten häufig unterschiedlich große Personen mit dem gleichen Spaten, lohnt sich die Anschaffung eines Geräts mit Teleskopstiel. Auch das Gewicht des Spatens und die Größe des Blattes sollten den Körperkräften angemessen sein. Ein Rodespaten aus Stahl, wie er im Profigartenbau benutzt wird, wiegt mehr als zwei Kilogramm, ein Aluminiumspaten weniger als die Hälfte. Auf einem Blatt von 28,5 mal 18,5 Zentimetern Fläche lastet mehr Gewicht als auf einem kleineren Blatt.

Bei sehr schweren Böden arbeitet es sich leichter mit der Grabegabel. Den vier Gabelzinken setzt der Boden weniger Widerstand entgegen als dem Blatt. „Raus aus dem Rücken“ ist die wichtigste Regel. Wer mit gebeugtem Rücken den vollen Spaten hebt und wendet, riskiert Rückenschmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall. Gearbeitet wird immer mit geradem Rücken und aus den Knien heraus. Der Spaten setzt senkrecht auf, ein Fuß tritt auf die Oberkante des Blattes. Die Kraft von Bein, Armen und Schultern treibt das Blatt in den Boden. Nun zieht man den Spaten nach hinten, um die Scholle vom Boden zu lösen, hebt kurz an und kippt den Erdklumpen mit einer kurzen Drehung zurück auf den Boden. Dabei hält eine Hand den Spatengriff, die andere fasst den Stiel ein Stück tiefer und dient als Drehpunkt beim Wenden. Durch einen kräftigen Schlag mit der Rückseite des Spatens auf den Aushub wird die Erde gelockert. Dunkel und krümelig sollte sie nun daliegen. Falls nicht, helfen ein paar Spatenstiche, den Klumpen zu zerteilen.

Spätestens jetzt werden eventuell vorhandene Wurzelunkräuter wie Quecke oder Giersch sichtbar. Sie sollten aufgesammelt werden, denn jeder Wurzelrest wächst zu einer neuen Pflanze heran. Andere Unkräuter und mit dem Spaten zerkleinerte Grassoden sterben ab, wenn sie von Erde bedeckt sind. Schädlinge wie Erdraupen und Dickmaulrüssler-Larven werden aufgesammelt und getötet.

Um den gegrabenen vom festen Boden zu trennen, ist es ratsam mit einem Graben zu arbeiten. Dieser entsteht beim Ausheben des ersten Streifens Erde. Der Boden, der dabei anfällt, wird am Ende der Fläche angehäuft. Nun sticht man Scholle um Scholle vom festen Boden ab und setzt sie gewendet dahinter wieder auf. Streifen für Streifen wandert der Graben so durch die Fläche, bis er zum Schluss mit der anfangs ausgehobenen Erde wieder gefüllt wird. Besonders wichtig ist dieses Vorgehen, wenn der Boden zwei Spaten tief gelockert werden soll, weil er verdichtet ist und Nässe staut. Damit der belebte Oberboden nicht ganz nach unten gerät, dürfen obere und untere Spatentiefe nicht vermengt werden.

„Die Zeit des jährlichen Umgrabens betreffend ist hierzu der Frühling und Herbst am bequemsten“, ist bei Elßholtz zu lesen. Wird im Spätherbst umgegraben, lockert der Frost den Boden zusätzlich. Nur zu nass oder zu trocken sollte er nie sein, das würde das Umgraben unnötig schwer machen. Und stark lehmigen Böden schadet Umgraben in nassem Zustand sogar.

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