Immobilien : "Reale Welt ist lebendiger"

NATALIE KÄNEL

ART+COM bannt die Stadt und ihre Immobilien in den PCVON NATALIE KÄNEL U nternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik wird eine rosige Zukunft vorausgesagt.Auch in der Berliner Wirtschaft ruhen Hoffnungen für neue Arbeitsplätze und Wachstum auf Unternehmen aus dieser Branche.Eines davon ist die ART+COM GmbH für Medientechnologie und Gestaltung, die unter anderem den Börsengang der deutschen Telecom mit dem Projekt Terra-Vision begleitet hat.Die ART+COM GmbH wird von zwei Geschäftsführern geleitet.Unsere Mitarbeiterin Natalie Känel sprach mit dem für Finanzen, Personal und Marketing zuständigen Geschäftsführer Rainer Thiem über Auftraggeber, Projekte und Motivationsanreize für Mitarbeiter der ART+COM GmbH. TAGESSPIEGEL: Die ART+COM startete 1988 als Verein.Warum haben Sie 1995 die Gesellschaft in eine GmbH verwandelt? THIEM: Vereine geniessen unter Kaufleuten einen ziemlich schlechten Ruf.Die Frage der Haftung gilt in einer GmbH, die in Regress genommen werden kann, als besser geregelt.Allerdings sind wir keine normale GmbH.Unsere Mitarbeiter sind beteiligt am Unternehmen, dessen Stammkapital von 100 000 DM von 16 Personen aufgebracht wurde. TAGESSPIEGEL: Hat dies einen Einfluß auf die Motivation der Mitarbeiter? THIEM: Ganz bestimmt.Duch die Beteiligung identifizieren sie sich stärker mit dem Unternehmen.Außerdem sichern wir dadurch unser Know-How, denn die bessere Bindung an die Gesellschaft wirkt einer möglichen Abwanderung von Mitarbeitern entgegen. TAGESSPIEGEL: Wer zählt zu Ihren Auftraggebern? THIEM: Unser Hauptauftraggeber ist die DeTeBerkom, eine Tochtergesellschaft der Telecom.Deren Auftrag macht 50 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus.Die andere Hälfte stammt aus Aufträgen von Industrieunternehmen wie Mercedes Benz, Siemens oder SNI.Hinzu kommen kleinere Projekte mit Volumina zwischen 30 000 DM und 300 000 DM. TAGESSPIEGEL: Was ist Terra-Vision? THIEM: Auf den ersten Blick ist Terra-Vision ein virtueller Globus, der erstellt wird durch hochauflösende 2D-Satellitenbilder und 3D-Höhenbilder.Doch auf den zweiten Blick ist Terra-Vision ein Wissensgenerator, der zukünftig alle ortsbezogenen Informationen, die in den weltweit verteilten Datenbanken vorliegen, über Breitbandnetze erreicht und sie auf dem Globus visualisiert.Das ehrgeizige Ziel besteht in einer möglichst umfassenden virtuellen Abbildung der realen Welt. TAGESSPIEGEL: Ließe sich Terra-Vision somit auch für die Darstellung von komplexen Immobilien einsetzen? THIEM: Im Prinzip ja.Doch dafür entwickeln wir für die Telecom einen speziellen, online gestützten Immobilien-Dienst. TAGESSPIEGEL: Welche Informationen sind erforderlich für die Präsentation von Immobilien in der virtuellen Welt? THIEM: Wichtige Daten über die Gebäude entnehmen wir den Plänen der Architekten.Zudem müssen wir die Umgebung der Objekte gestalten, dabei können wir Daten nutzen wie Stadtpläne oder U-Bahn-Netze. Im Prinzip gibt es keine Beschränkung bei der Verarbeitung von Information.Unser Ziel ist es deshalb, möglichst viele Aspekte der realen Welt wiederzugeben.Die virtuell geschaffene Welt sollte von ihrer Informationsdichte her der realen Welt entsprechen. TAGESSPIEGEL: Die Pläne, die sie von den Architekten erhalten, sind zweidimensional.Wie entstehen daraus dreidimensionale Gebäudeansichten? THIEME: Virtual reality bedeutet blickpunktabhängige Darstellung eines Körpers im Raum in Echtzeit.Die CAD-Daten, die wir von den Architekten erhalten, bestehen aus Punkten und Linien auf einem zweidimensionalen Plan.Für die dreidimensionale Welt müssen wir darüberhinaus das Volumen oder die Tiefe von Objekten darstellen.Sie werden erzeugt durch die Verortung von Punkten in einem Koordinatensystem mit drei Dimensionen. TAGESSPIEGEL: Als Betrachter können wir uns in dem virtuellen Raum bewegen.Im Raum selber aber bewegen sich keine Objekte.Außerdem wirken die Fassaden der Gebäude steril... THIEM: Bewegung von Objekten im virtuellen Raum ist machbar, war bisher aber nicht unser Thema in dieser Form.Vorstellbar sind Visualisierungen von Verkehrsströmen und anderen Umwelteinflüssen.Richtig ist auch, daß die virtuelle Darstellung in dieser Form eine Reduktion ist.Die reale Welt ist komplexer, lebendiger und nicht so clean.Trotzdem kann das Projekt gute Dienste als Entscheidungshilfe für Menschen leisten, die nicht täglich mit dem Städtebau befaßt sind, die aber über Entwürfe mitentscheiden müssen.In der virtuellen Welt können sie sich frühzeitig ein Bild über Projekte machen und deren Integration in den städtebaulichen Kontext.In dieser frühen Planungsphase steht das Volumen der Baukörper im Vordergrund. TAGESSPIEGEL: Wird es möglich sein, diese dreidimensionale Welt und ihre Gebäude auch im Internet zu betreten? THIEM: Dazu muß die Datenmenge drastisch reduziert werden, da es sonst zu lange dauert, um die Daten auf den Computer zu laden. TAGESSPIEGEL: An welchen anderen Projekten arbeiten Sie derzeit? THIEM: Sehr spannend ist für uns die langfristig angelegte Zusammenarbeit mit dem ORB im Bereich des Hörfunks. Wir erbauen für die Fritz-Redaktion ein akustisches Gebäude, das der Hörer über das Telefon und seine Tastatur betreten kann.In den Räumen des akustischen Gebäudes kommt es nicht nur zur Begegnung mit dem Moderator und den Redakteuren der gerade laufenden Sendung, es können auch Informationen aus anderen Redaktionsbereichen abgerufen und Spiele inszeniert werden. TAGESSPIEGEL: Welche Zukunftsperspektiven gibt es für ART+COM? THIEM: Im vergangenen Jahr betrug unser Ergebnis rund 4,5 Mill.DM.In den nächsten drei Jahren wird es in erster Linie darum gehen, Wachstumskapital zu organisieren.Mit dem genannten Ergebnis im Rücken sollten rund 10 Mill.DM aufzubringen sein.In einem zweiten Schritt wollen wir innerhalb der nächsten drei Jahre eine Börsennotierung erreichen.

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