Immobilien : Regen über Regen: Eigentümer kommen ins Schwimmen

Durch die häufigen Unwetter gibt es mehr Schäden im Keller – und Versicherungen zahlen nicht immer

Veronika Csizi

Überlaufende Gullys, unter Wasser stehende Keller: Starkregen und heftige Wolkenbrüche haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Hausbewohner und Mieter, glauben Klimaforscher, werden sich künftig gegen immer heftigere Regen- und Hagelgüsse wappnen müssen. Allein in Berlin musste die Feuerwehr in diesem Jahr schon zu 800 Wasserschäden ausrücken.

Aber was ist im Schadensfall zu beachten? Grundsätzlich gilt: Angesichts der Wetterkapriolen sollte jeder Haus- und Wohnungsbesitzer, aber auch jeder Mieter seinen Versicherungsschutz abklopfen und klären, inwieweit er gegen solche Schäden versichert ist. Denn in den meisten Fällen greifen die normalen Policen nicht. Dringt Wasser ein und zerstört dabei Möbel, dann springt die Hausratversicherung nur dann ein, wenn das Wasser aus einer defekten Leitung ausgetreten ist. Dringt es ein, weil das öffentliche Abwassersystem dem Regen nicht mehr Herr werden konnte, dann zahlt die Versicherung nichts.

Für Hausbesitzer noch gravierender ist, dass eindringendes Wasser das Haus selbst, etwa Wände oder Böden, beschädigen kann. Und auch hier drohen Versicherungslücken: Gebäudeversicherungen übernehmen im Normalfall Schäden durch Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel oder Leitungswasser oder Wasserschäden, die durch Sturm verursacht sind. Wer sein Haus gegen Wasserschäden aus Überschwemmung und Starkregen absichern möchte, benötigt eine sogenannte Elementarversicherung. Sie ist als Zusatzpolice zur Gebäudeversicherung erhältlich und kostet bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus zwischen 50 und 250 Euro im Jahr. In alten DDR-Policen für die Wohngebäudeversicherung, die heute die Allianz weiterführt, waren allerdings Überschwemmungsschäden eingeschlossen. In etwa 80 Prozent der Verträge werden solche Schäden nach Auskunft der Allianz auch heute noch übernommen. Auch in der Hausratversicherung können Schäden durch elementare Naturereignisse – neben Wasserschäden Schäden durch Erdrutsche und Ähnliches – gegen Aufpreis mitversichert werden. Da sich die Angebote stark unterscheiden, rät die Stiftung Warentest, Angebote verschiedener Anbieter einzuholen.

Für Mieter gilt: Sie haften bei Wasserschäden und Überschwemmungen am Gebäude meist nicht. Jurist und Versicherungsexperte Rüdiger Strichaus von der Verbraucherzentrale Berlin rät, im Schadensfall umgehend den Vermieter zu verständigen. Allerdings habe der Mieter eine Schadensminderungspflicht. Sei Gefahr im Verzug, könne folglich auch die Feuerwehr gerufen werden.

Nur in seltenen Fällen, weiß Strichau, könne bei überquellenden Abwasserleitungen, die die Keller fluten, die Kommune selbst haftbar gemacht werden. Zwar habe die Stadt eine Verkehrssicherungspflicht, müsse also dafür sorgen, dass die Abwassersysteme nicht verstopft und für stärkeren Regen gerüstet seien. Doch deren Verletzung müsse der Hausbesitzer nachweisen können. Bisweilen liegt der Grund für die Überflutung auch an fehlenden Rückklappen an der Nahtstelle zwischen hauseigenem Rohr und öffentlichem Abwassersystem. Sie verhindern, dass Wasser, etwa über den Waschmaschinenablauf oder die Toiletten, ins Haus eindringe, wenn Starkregen die Aufnahmekapazität der öffentlichen Abwasserrohre sprenge. Daher sollte jeder Hausbesitzer prüfen, ob das Haus mit solchen Sicherungen ausgerüstet ist. Ist das Wasser von außen eingedrungen oder hat der Hausbesitzer eine solche Klappe installieren lassen, dann kann der Mieter ihn für Schäden am Hausrat nicht haftbar machen.

Doch was ist zu tun, wenn der Keller erst einmal voller Wasser steht? Kleinere Überschwemmungen, so bittet die Berliner Feuerwehr, sollten erst einmal selbst beseitigt werden. Um Schimmelbildung zu verhindern, müssen die Räume ein paar Wochen lang gut gelüftet werden. Bautrockner, die man sich in Baumärkten ausleihen kann, unterstützen die Austrocknung. Ist das Schmutzwasser mit Fäkalien aus dem städtischen Abwassersystem verunreinigt, so rät das Robert-Koch-Institut zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen: Da der Unrat oft Krankheitskeime enthält, etwa Erreger von Durchfallerkrankungen oder Hepatitis, sollten die Aufräumarbeiten nur mit Gummistiefeln, wasserdichter Kleidung und wasserdichten Handschuhen erfolgen. Kinder sollte man von überschwemmten Räumen fernhalten.

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