Reichsforschungssiedlung in Berlin-Spandau : Kleine Wohnungen für Kleinverdiener

Die „Reichsforschungssiedlung“ war das größte Wohnungsbauprojekt der Weimarer Republik.

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Der Baublock 5 von Meber & Emmerich nach der Vollendung um 1931/32. Im Vordergrund kreuzt der Haselhorster Damm den Burscheider Weg.
Der Baublock 5 von Meber & Emmerich nach der Vollendung um 1931/32. Im Vordergrund kreuzt der Haselhorster Damm den Burscheider...Foto: Archiv Gewobag

Anfang 1929, also vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, waren rund 180 000 Berliner als wohnungssuchend gemeldet. Zehntausende hausten in Baracken und Lauben, 7000 Familien in abbruchreifen Altbauwohnungen und 36 000 Familien in Häusern, die nur noch wenige Jahre nutzbar waren. Der Druck auf den Wohnungsmarkt war durch Zuzügler und rund 40 000 junge Ehepaare jährlich immens.

Vor diesem Hintergrund wurde zwischen 1930 und 1935 die sogenannte Reichsforschungssiedlung als größtes Wohnungsbauprojekt der Weimarer Republik realisiert, allerdings in einer Abwandlung des ursprünglichen Entwurfs. Rund 400 Laubenkolonisten mussten ihre Kleingärten räumen, im Sommer 1930 begannen Arbeiter mit der Anlage neuer Straßen und Hausfundamente. Zeitweise waren bis zu 2000 Menschen auf der Baustelle beschäftigt, neuartige Maschinen wurden eingesetzt. Das Bauen von Wohnhäusern mit Stahlskelett war 1931 noch unüblich. In Haselhorst wurde mit der neuen Technik experimentiert. Neben Bauhausgründer Walter Gropius, dessen Entwurf höhere Bauten vorsah, waren Architekten wie Paul Mebes und Otto Bartning an dem Vorhaben beteiligt. Ziel der ehemaligen „Reichsforschungssiedlung“ war die Schaffung preiswerten Wohnraums mit möglichst hoher Lebensqualität. Realisiert hat das Großprojekt die gemeinnützige Heimstätten AG Groß-Berlin, die heutige Gewobag.

Balkone als Zugeständnisse des Denkmalschutzes.
Balkone als Zugeständnisse des Denkmalschutzes.Foto: Tina Merkau/Gewobag

Für Kleinverdiener waren Neubauwohnungen in der Regel zu jener Zeit in Berlin zu teuer. Das war in Haselhorst anders: Die Hälfte der Erstmieter, die zum Stichtag, dem 1. August 1931 einzogen, arbeitete in den nahen Industriebetrieben, vor allem in den Siemensfabriken. Ingenieure, Abteilungsleiter, Angestellte, aber auch einfache Arbeiter zahlten Mieten von 50 bis 60 Mark für eine Zwei- bis Zweieinhalbzimmerwohnung.

Zur „Reichsforschungssiedlung“ erscheint im Herbst der von der Gewobag in Auftrag gegebene Band von Michael Bienert: „Moderne Baukunst in Haselhorst. Geschichte, Bewohner und Sanierung der Reichsforschungssiedlung in Berlin-Spandau“ (Berlinstory-Verlag). Eine Lesung mit dem Autor und dem Gewobag-Vorstand Hendrik Jellema findet am 21. November um 18 Uhr in Haselhorst statt; der Raum wird noch bekannt gegeben. Anmeldungen sind schon jetzt möglich über diese E-Mailadresse: g.mittag@gewobag.de 

Weitere Informationen unter:  www.gewobag.de/veranstaltungen

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