Renovieren statt neu bauen : Aus der Reserve

Flächen besser nutzen und zusammenrücken – sind Neubauten für Flüchtlinge dann überflüssig?

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Daniel Fuhrhop ist gegen Neubauten für Flüchtlinge.
Daniel Fuhrhop ist gegen Neubauten für Flüchtlinge.Foto: Oekom Verlag

Daniel Fuhrhop (Oldenburg) studierte Architektur an der TU Berlin und arbeitete 15 Jahre lang als Architekturverleger. Heute plädiert er als Autor dafür, die Bauwut bei Bürotürmen, Wohnsiedlungen und Shoppingcentern zu beenden. Seine Streitschrift „Verbietet das Bauen“ erschien im August 2015. Jetzt ist sein nächstes Werk erschienen.

Herr Fuhrhop, in Ihrem neuen Buch „Willkommensstadt“ plädieren Sie weiter dafür, dass wir keinen Neubau für die Flüchtlinge brauchen. Dabei fragt man sich, ob das realistisch ist.

Ja, das war die meistgestellte Frage zu dem Buch „Verbietet das Bauen!“. Ob dessen Thesen noch gelten, wo so viele Flüchtlinge gekommen sind. Selbst bei Menschen, die grundsätzlich Sympathie dafür haben, die Reserven unserer alten Häuser besser zu nutzen, mehr zu sanieren, mehr umzubauen, mehr umzunutzen, kam immer wieder die Frage auf, ob das jetzt noch reicht oder ob man nicht doch auf Neubau setzen muss.

Und Sie sagen, es reicht immer noch?

Jetzt erst recht macht es Sinn, sich zu überlegen, wo man auf welche Weise Raum und Häuser besser nutzen kann. Aber mir ist bei dieser Arbeit noch eine andere Erkenntnis gekommen: Obendrein ist es für die Integration viel besser, wenn wir auf die Altbauten setzen. Denn ein Neubau einer großen Siedlung, in dem dann hunderte oder tausende Flüchtlinge an einem Ort leben – das sind wohl eher schlechte Bedingungen für Integration.

Was macht Sie so optimistisch, dass die Alteingesessenen teilen? Das wäre eine Grundvoraussetzung für die Altbaulösung.

Zum Teil schon, und es gibt dafür auch Bereitschaft, wie man überall sehen kann. Ich habe sogar den Eindruck, dass dieser Gedanke bei vielen Menschen, die lange Zeit überlegt haben, ob sie einen Raum untervermieten oder eine Einliegerwohnung abtrennen, aktuell in den Vordergrund rückt. Hierfür wäre es selbstverständlich hilfreich, wenn Politik und Verwaltung noch ein wenig nachhelfen würden.

Das andere ist, dass wir tatsächlich viele Raumreserven haben, dass wir leer stehende Wohnungen haben, dass Häuser nach wie vor abgerissen werden und dass wir das gerade jetzt besonders stark hinterfragen sollten. Und gerade den besonders verschwenderischen Umgang mit schon bereits vorhandenen Häusern ändern.

Das wäre auch im ökologischen Sinne sinnvoll. Wobei man ja auch neue, energiesparende Häuser bauen könnte.

In der Gesamtbilanz von Sanierung, Neubau oder dem Abriss eines vorhandenen Gebäudes mit anschließendem Neubau muss man berücksichtigen, dass es nicht nur um den Verbrauch von Heizenergie geht, der zweifellos bei einem modernen Haus niedriger liegt. Aber es gibt vorher eine enorme Menge an Energie, die erforderlich ist, um ein Haus überhaupt zu errichten. Wenn man das in die Gesamtbilanz einbezieht, steht die Sanierung plötzlich sehr viel besser da.

Außerdem sollte man berücksichtigen, wo ein solches Haus entsteht. Wenn am Stadtrand, wie jetzt zum Teil geplant, neue Wohnsiedlungen entstehen, sind die Wege zur Arbeit oder in die Innenstadt länger und dementsprechend wird mehr Energie verbraucht.

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