Immobilien : Rettungsversuch im sozialen Wohnungsbau Berlins

Zwei Unternehmer fordern einen runden Tisch und verlangen kostenfreie Umschuldungen, um Insolvenzen zu vermeiden

-

Die Immobilienunternehmer Wolfgang Görlich sowie Joachim Wilke haben in einem offenen Brief an die Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Finanzen und Stadtentwicklung sowie an die Investitions Bank Berlin einen runden Tisch zur Problematik der Anschlussförderung im sozialen Wohnungsbau gefordert. Ziel ist es, Insolvenzen bei Eigentümern subventionierter Sozialbauten, etwa Fonds und Wohnungsbaugesellschaften, zu verhindern. Wie berichtet, lehnt der Senat eine Verlängerung der Zuschüsse für Sozialbauten nach Ablauf der ersten, 15 Jahre dauernden „Grundförderung“ ab. Doch ohne Landeszuschüsse können viele Firmen die hohen Baukosten nicht finanzieren.

„Wir würden uns an einem runden Tisch beteiligen“, sagt Wolf Schulgen, Abteilungsleiter Wohnungswesen, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Ein „generelles Modell“, das wirtschaftliche Schwierigkeiten bei Sozialbauten abwenden könnte, erhoffe er sich davon jedoch nicht. Das Land habe betroffenen Grundeigentümern bereits „einen kräftigen Schluck aus der Pulle“ gegönnt, indem es diesen die Einsparungen durch Umschuldungen überlasse, obwohl in solchen Fällen von Rechts wegen die Förderung gekürzt werden müsste. Wenn die Eigentümer nun auch Entgegenkommen von ihren Hausbanken erwarteten, müssten sie selbst mit den Geldhäusern verhandeln.

Görlich und Wilke hoffen, ein runder Tisch könne die Banken zu einer weitflächigen Umschuldung der Sozialwohnungen veranlassen. Die Geldhäuser sollten dabei auf die bei Umschuldungen sonst übliche „Vorfälligkeitsentschädigung“ verzichten. Hintergrund: Baukredite laufen fünf oder zehn Jahre, und in dieser Zeit ist die Zinshöhe fest vereinbart. Wer einen Vertrag vorzeitig kündigt, weil die Zinsen gefallen sind, muss seine Bank entschädigen. Daher bringen vorzeitige Umschuldungen selten Einsparungen. Würden die Banken auf die ihnen zustehende Entschädigung verzichten, dann hätten viele Firmen wirtschaftlichen Spielraum. Denn sie müssten nur noch halb so viele Zinsen zahlen wie bisher und könnten das eingesparte Geld zur Schuldentilgung verwenden.

Konzepte für die wirtschaftliche Sanierung der Eigentümer von Sozialbauten werden deshalb fieberhaft gesucht, weil ohne Anschlussförderung eine große Lücke zwischen den Baukosten der Immobilien (bis zu 20 Euro je Quadratmeter Wohnfläche) und den durchschnittlichen Mieten (fünf Euro je Quadratmeter) besteht. Diese Differenz konnten die Hauseigentümer bisher durch die Subventionen des Landes ausgleichen. Fällt sie weg, können die Firmen zwar die Mieten erhöhen. Doch das deckt nicht die Finanzierungskosten solcher Immobilien.

Bei einer generellen Lösung wären Sozialbauten gerettet, wo die Grundförderung noch sechs Jahren läuft. Dadurch würden nach Auffassung von Görlich und Wilke auch alle Klagen auf Anschlussförderungen gegen das Land eingestellt. Und die Banken müssten nicht befürchten, dass sie Kredite wegen Insolvenzen abschreiben müssen.

Beim Landesverband freier Wohnungsunternehmen heißt es zu dem Vorstoß: „Das ist keine Lösung für Objekte, wo die Grundförderung in diesem Jahr oder in Kürze endet“, so Geschäftsführerin Hiltrud Sprungala. Zudem seien Rechtsform, Finanzierung und Art der Immobilie bei den vielen Fonds und anderen Eigentümern zu unterschiedlich für eine einheitliche Lösung. Auch bei der Senatsverwaltung für Finanzen ist man skeptisch: „Eine solche Entschuldung ist eigentlich kein Thema für einen runden Tisch“, so Sprecher Claus Guggenberger. ball

0 Kommentare

Neuester Kommentar