Immobilien : Rote Laterne bei der Förderung von Wohneigentum

Eine OECD-Studie belegt: In Deutschland wird die Bildung von Wohneigentum vom Staat kaum unterstützt. Dafür gibt es vergleichsweise viele Investitionen ins soziale Umfeld

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Das freistehende Eigenheim ist immer noch das Traumhaus vieler Deutscher - der Staat gibt aber wenig dazu.
Das freistehende Eigenheim ist immer noch das Traumhaus vieler Deutscher - der Staat gibt aber wenig dazu.Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Deutschland ist das OECD-Land, in dem selbst Haushalte mit geringem Einkommen den besten Zugang zu sanitären Einrichtungen haben. Nur rund ein Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen in Deutschland hat keine Toilette mit Wasserspülung im Haus. In Mexiko, dem Land mit dem größten Anteil, sind es 72 Prozent, in Ungarn, dem nächsten europäischen Land, immerhin noch knapp 25 Prozent. Das ergab eine Befragung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter ihren Mitgliedsländern.

Bekanntermaßen gering ist dagegen die Wohneigentumsquote in Deutschland. Mit rund 43 Prozent Eigentümern bildet die Bundesrepublik vor Schweden das Schlusslicht der Tabelle. Noch krasser fallen die Ergebnisse aus, wenn man die Haushalte mit geringem Einkommen betrachtet: Nur rund 25 Prozent der Deutschen mit geringem Einkommen leben in den eigenen vier Wänden – das ist der letzte Platz. Bei den Spitzenreitern Ungarn und der Slowakei sind es mehr als 80 Prozent.

Grund für die geringe Quote in Deutschland ist sicherlich auch die geringe staatliche Förderung: „Die Ausgaben zur Schaffung von Wohneigentum liegen in Deutschland bei weniger als 0,1 Prozent des Bruttosozialprodukts“, kritisiert Andreas Ibel, Präsident des Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Auch diese Zahl geht aus der Studie hervor.

"Fördermaßnahmen werden zugunsten des Mietwohnungsbaus vernachlässigt"

Zum Vergleich: Die Niederlande fördern die Schaffung von Wohneigentum mit 2,3 Prozent des Bruttosozialprodukts und sind damit international Spitzenreiter. Wie die USA, Japan und Irland, die ebenfalls nennenswert fördern, gewähren die Niederlande den Vorteil in Form von Steuererleichterungen. Australien und Großbritannien haben ebenfalls eine starke staatliche Unterstützung, gewähren aber direkte finanzielle Unterstützung zum Erwerb von Wohneigentum.

Grafik: TSP/Bartel

Fördermaßnahmen zum Neubau von Wohneigentum werden von der Bundesregierung zugunsten von Maßnahmen für den Mietwohnungsbau komplett vernachlässigt“, kommentiert Andreas Ibel die Ergebnisse. Seit der Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2006 gebe es keine diesbezüglichen Investitionsanreize mehr. „Wer den Wohnungsbau ankurbeln will, muss auch die Förderung von Wohneigentum wieder in den Fokus stellen“, fordert der BFW-Präsident.

Unterstützung für den Erwerb von Eigentum wie das Familienbaudarlehen der Investitionsbank Berlin kommt in Deutschland tatsächlich nur elf Prozent aller Käufer zugute, während es in Finnland und Frankreich mehr als 20 Prozent, in Polen 40, in Spanien 60 und in Ungarn und Portugal mehr als 80 Prozent sind.

Deutschland ist Spitze bei Beschwerden über die Nachbarn

Allerdings kann der Kauf einer Immobilie auch eine schwere Belastung sein: In einigen osteuropäischen Staaten müssen die Eigentümer einen sehr hohen Anteil ihres Einkommens für die Hypotheken aufbringen, während Mieter eher im OECD-Durchschnitt liegen, der rund 28 Prozent des Einkommens beträgt. In Deutschland sind es etwa 30 Prozent des Einkommens, wobei Mieter und Käufer etwa den gleichen Anteil fürs Wohnen ausgeben.

Der Anteil des sozialen Wohnungsbaus geht international zurück – außer in Dänemark und Frankreich. Eine deutsche Spezialität ist es, private Wohnungsbauunternehmen durch zeitlich begrenzte Subventionen zum Bau von Sozialwohnungen anzuregen, hebt der Bericht hervor. Als Bauherr tritt der Staat vor allem in Neuseeland auf, in den meisten anderen Ländern sind es regionale öffentliche Unternehmen.

Bemerkenswert finden die Autoren des Reports, wie in Deutschland die soziale Infrastruktur gefördert wird. Erst diese Woche beschloss das Kabinett, ab 2017 zusätzlich 200 Millionen Euro pro Jahr in die Sanierung von Schulen und den Ausbau von Stadtteilzentren zu stecken. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte dazu: „Mit diesen Investitionen können wir heute die sozialen Ghettos von morgen verhindern.“ Weitere 100 Millionen Euro wird das Bauministerium über Stadtumbauprogramme und das Programm Soziale Stadt investieren.

Deutschland ist im Übrigen noch in einem anderen Punkt spitze: Bei der Zahl der Beschwerden über Lärm von Nachbarn oder Verschmutzungen. 16 Prozent aller deutschen Haushalte erstatteten im Befragungszeitraum Anzeigen zu diesen Problemen. Am friedlichsten waren die Skandinavier mit drei bis vier Prozent Anzeigen.

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