Rückläufige Wohneigentumsquoten : Luftschloss Eigenheim

Auf angespannten Wohnungsmärkten sind die Eigentumsquoten rückläufig. Weniger als die Hälfte der Eigentümer sind Selbstnutzer.

von und Roland Losch
Das Leben in ländlichen Räumen ist attraktiv – und preiswerter als in den Großstädten. Doch die Verkehrsinfrastrukturen und die öffentlichen Nahverkehre lassen Pendler häufig fluchen. Foto: dpa
Das Leben in ländlichen Räumen ist attraktiv – und preiswerter als in den Großstädten. Doch die Verkehrsinfrastrukturen und die...Foto: dpa

Die meisten Niederländer haben sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt, ebenso die Polen, Italiener oder Briten: „My home is my castle.“ 70 Prozent der Europäer wohnen im eigenen Heim. Die Deutschen belegen in dieser Hinsicht mit Abstand den letzten Platz in der EU.

Steigende Mieten und Niedrigzinsen haben die Nachfrage nach Baukrediten in den vergangenen Jahren zwar angekurbelt – aber der Anteil der Eigentümer ist sogar gesunken auf 52 Prozent. In weiten Teilen Deutschlands ist in den letzten Jahren auch der Anteil derer, die in selbst genutztem Wohneigentum leben, zurückgegangen. Dies ergab eine aktuelle Kurzstudie des Pestel-Instituts („Eigentumsbildung 2.0 – Stand und Entwicklung der Wohneigentumsbildung auf der Ebene der Länder und der Kreise und kreisfreien Städte"). Sie wurde in Auftrag gegeben vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), dem Immobilienverband IVD und dem Verband Privater Bauherren (VPB). Sie haben sich im „Verbändebündnis Wohn-Perspektive Eigentum“ zusammengeschlossen.

Die Eigentumsquote wird allem Anschein nach bundesweit langfristig senken

Dem Gutachten zufolge haben zwar etwas mehr Menschen in Deutschland eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Zwischen 2011 und 2015 ist die Eigentumsquote einer am Montag vorgestellten Untersuchung des „Verbändebündnisses Wohnperspektive Eigentum“ zufolge bundesweit leicht gestiegen. Der Anteil derjenigen, die ihr Wohneigentum auch selbst nutzen, liege aber weiterhin bei rund 45 Prozent.

In Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen leisten sich demnach immer weniger Menschen ein Eigenheim. Das gelte auch für 30- bis 40-Jährige – die Generation der Häuslebauer. Es sei daher zu befürchten, dass bundesweit die Eigentumsquote langfristig sinkt.

Das Leben in ländlichen Räumen ist attraktiv – und preiswerter als in den Großstädten. Doch die Verkehrsinfrastrukturen und die öffentlichen Nahverkehre lassen Pendler häufig fluchen. Foto: dpa
Das Leben in ländlichen Räumen ist attraktiv – und preiswerter als in den Großstädten. Doch die Verkehrsinfrastrukturen und die...Foto: dpa

Warum ist das so? Experten nennen neun Gründe. Einer der wichtigsten liegt lange zurück: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Städte zerbombt, es wurde rasch Wohnraum gebraucht, auch für die Millionen Heimatvertriebenen. Staat, Unternehmen und Wohnbaugenossenschaften zogen in der jungen Bundesrepublik massenhaft Mietwohnungen hoch, wie Alexander Schürt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung erklärt. Deshalb ist der Bestand an Häusern aus den 1950er und 1960er Jahren hier so hoch.

Deutschland ist außerdem dicht besiedelt, doppelt so dicht wie die EU insgesamt. „In der Stadt gibt es eher Geschosswohnungsbau, und das geht oft einher mit Mietwohnungen“, sagt Schürt. Auch heute boomt vor allem der Bau großer Wohnhäuser in den Städten. „In Italien oder Spanien ist der Mietwohnungsmarkt nicht so gut“, sagt Ludwig Dorffmeister, Immobilienexperte des Münchner Ifo-Instituts. „Mietwohnungen haben auch einen schlechteren Ruf, zum Beispiel in Großbritannien.“ Der deutsche Baustandard ist dagegen hoch, auch „die Qualität der Mietwohnungen in Deutschland ist vergleichsweise gut, man muss nicht eigene vier Wände haben, um gut zu wohnen“, sagt Schürt.

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