Immobilien : "Runder Tisch für Bauprojekte"

RALF SCHÖNBALL

IZB schiebt zwei Modellvorhaben mit Bauteams anVON RALF SCHÖNBALL A us dem Aktionskreis Innovatives Bauen ging das Innovationszentrum Bau Berlin hervor.Deren zwei Mitarbeiter schreiben sich den Transfer der auf der "Baustelle Berlin" gesammelten Erfahrungen und Technologien an die zahlreichen mittelständischen Baubetriebe auf die Fahne.Ob sich das Zentrum in die Reihe zahlloser "Transferstellen" einreiht oder wie es ein eigenes Profil entwickeln will, darüber sprach Ralf Schönball mit Geschäftsführer Klaus Teichert. TAGESSPIEGEL: Ihre Unternehmung ging aus einer Initiative hervor, über deren Erfolge die Beobachter geteilter Meinung sind.Was wollen Sie konkret bewegen? TEICHERT: Zunächst gründete sich die Initiative Innovatives Bauen im Januar 1996 und kündigte bereits damals an, daß sie sich im Dezember 1996 wieder auflösen würde.Diese Ankündigung wurde auch wahrgemacht.Und in der Zeit ihres Bestehens hat sie eine Reihe von Maßnahmen angeschoben.Die Wichtigste davon ist die Erarbeitung des Konzeptes von Bauteams. TAGESSPIEGEL: Ob die Bauteams sehr innovativ sind, sei dahingestellt.In dieser Zeitung wurde bereits vor drei Jahren vom Bauen in den Niederlanden berichtet, wo Bauteams gang und gäbe sind... TEICHERT: In Berlin ist das allerdings noch nicht die Praxis, und wir beginnen mit zwei Projekten nun damit.Dabei handelt es sich um zwei Wohnungsbaugesellschaften, die je etwa 100 Wohnungen errichten.Hier werden Planer und Handwerker zusammen mit den Bauherren um einen Tisch sitzen, um die gesamte Bauphase durchzuplanen. TAGESSPIEGEL: Und die Vorteile eines solchen runden Tisches wäre die Dämpfung der Kosten? TEICHERT: Zumindest würde er der Ablaufplanung zugute kommen, weil die Abstimmung zwischen Planenden und Ausführunden verbessert wird.Genau genommen wird die Anlieferung mit der Lagerung und der Verarbeitung der Baustoffe koordiniert.Im Idealfall liefern die Firmen die Baustoffe gleich auf die Etage, wo sie eingesetzt werden.Das spart die Kostern für die Umsetzung des Materials, also Zeit und Geld.Vermieden wird durch die zeitgenaue Lieferung außerdem, daß die Baustoffe mehrere Wochen auf der Baustelle herumliegen und dabei beschädigt oder zerstört werden.Bei Großbaustellen wie dem Sony-Center oder der Commerzbank-Centrale in Frankfurt/Main ist eine solche Logistik selbstverständlich, bei kleinen oder mittelgroßen Baustellen aber keineswegs üblich. TAGESSPIEGEL: Und diesen kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen Sie auch andere Dienste feilbieten? TEICHERT: Ja, weil 90 Prozent aller Betriebe weniger als 100 Beschäftigte zählen, aber insgesamt 70 Prozent aller Arbeitsplätze der Branche auf sich vereinen.Allerdings erwirtschaften die großen Unternehmen 50 Prozent des Gesamtumsatzes.Die kleineren Unternehmen haben eine kurze Kapitaldeêke und kaum Möglichkeiten, die Innovationen aufzugreifen.Indem wir Bauteams bilden und außerdem ein Innovationsassistentenprogramm auflegen, können wir den Wissenstransfer fördern. TAGESSPIEGEL: Das sind hehre Absichten, aber an der europäischen Arbeitsteilung ändert das nichts, und die ist zumindest für kleinere Betrieb ein Dilemma... TEICHERT: Richtig ist, daß es ein Ungleichgewicht im Bauwesen gibt zwischen Leistungswettbewerb und Preiswettbewerb.Zumindest bei den Preisen sind wir nicht konkurrenzfähig mit osteuropäischen Unternehmen.Berliner Unternehmen können aber den Leistungswettbewerb in den Vordergrund stellen, und da sind sie konkurrenzfähig.In die Gesamtkostenrechnung von Immobilien fließen die Anfangsinvestitionen mit einem Viertel der Investitionskosten hinein; die Erhaltung, die Pflege und die Wartung machen dagegen drei Viertel der Kosten aus.Und in diesem Punkt entscheiden die besseren technischen Verfahren. TAGESSPIEGEL: Dazu wäre allerdings die Einführung banhbrechend neuer Verfahren erforderlich, und die sind zumindest bei den Hauptgewerken nicht unbedingt in Sicht... TEICHERT: Ein anderer Weg ist der Einsatz vorgefertigter Elemente, die Automatisierung und Rationalisierung.Außerdem werden neue Werkstoffe erforscht.Die Technischen Universität arbeitet an der Entwicklung eines Geozements, der mit Silikaten produziert wird.Die Ergebnisse sollen im Spätsommer vorgestellt werden.Außerdem gibt es ein fotogrametrisches Verfahren, das von der Landvermessungstechnik abgeleitet wurde.Dabei handelt es sich um eine Kamera, die die Räume genau ausmessen kann.Mit diesen Daten kann das erforderliche Material paßgenau bestellt werden.Das reduziert den Verschnitt auf ein Minimum.So könnten die Kacheln eines Badeszimmers numeriert und mit den Ausbuchtungen für Armaturen beim Hersteller bestellt werden. TAGESSPIEGEL: Solche Techniken dürften sich aber gerade kleine Unternehmen kaum leisten können... TEICHERT: Innungen könnten sich aber die Techniken anschaffen, und sie an ihre Mitglieder weitergeben.Wichtig ist es aber zunächst die Verbände auf solche Möglichkeiten aufmerksam zu machen.Deshalb wollen wir auch ein Infonet aufbauen, in dem die verschiedenen Baustoffe, die Produkte und ihre Einsatzmöglichkeiten enthalten sind.Das würde einen Vergleich der ansonsten aufwendig an verschiedenen Stellen zu suchenden Informationen etwa über Kalksandstein, Ziegelstein, Stahl-und-Glas sowie Beton erleichtern.Schließlich werden wir Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen durchführen, die sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen richtet.Wir wollen eine technisch-naturwissenschaftliche Einrichtung werden, die auch ein Vorläufer der Bauakademie werden könnte.Ich könnte mir gut vorstellen, daß das Innovations-Zentrum Bau in die Bauakademie eingehen würde, wenn sie entsteht.

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