Sanierung : Schwamm gibt’s nur noch an der Tafel

In Pankow lädt heute ein Musterbeispiel für umweltgerechte Altbausanierung zur Besichtigung. Aus dem über hundert Jahre alten Backsteinbau der Montessori-Grundschule wurde ein moderner Ort zum Lernen.

Kerstin Heidecke

Wenn am heutigen Samstag Pankower Erstklässler zum ersten Mal ihre Schule an der Hadlichstraße 2 betreten, dann ist das nicht nur für sie ein besonderer Tag. Auch Ulrich Zink und seine Mitstreiter sehen der Einschulung mit Spannung entgegen. Zink ist nicht nur Architekt, sondern auch Vorstandsvorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung (Baka). Kaum jemand – zumindest außerhalb der Branche – kennt den Verband mit dem sperrigen Namen, der seit knapp zehn Jahren in Berlin ansässig ist.

Dabei sind unter seiner Regie nicht nur Objekte wie die Montessori-Grundschule an der Hadlichstraße, sondern auch private Gebäude denkmalgerecht und nachhaltig saniert worden. Will heißen, mit möglichst viel nachwachsenden Rohstoffen, unter Berücksichtigung energiesparender Lösungen und mit modernen Methoden, die teils frisch von Baufachmessen weg angewandt wurden.

Die Montessori-Grundschule sanierte der Baka in Kooperation mit dem Träger, dem Verein Karuna. So wurde binnen eines halben Jahres aus dem vor gut 100 Jahren als Pfarrhaus gebauten, später als evangelische Schule genutzten Backsteinbau ein moderner Ort zum Lernen gemacht.

Was nach Routine klingt, war ein Kraftakt. An etlichen Stellen im Gebäude gab’s Hausschwamm, für die historischen Dachgauben mussten individuelle Dämmlösungen gefunden werden, und das Dachgeschoss sollte zu einem hellen Atelier für kleine Künstler umgebaut werden. Erst durch zahlreiche Sach- und Geldspenden, teils von Baka-Mitgliedern sowie durch den RTL-Spendenmarathon, wurde die Sanierung möglich.

Vorausgegangen ist dem Umbau eine spezielle Gebäudeanalyse, die der Baka gemeinsam mit dem Bundesbauministerium entwickelt hat und die auch für Einfamilienhäuser anwendbar ist. Wir werden in der kommenden Woche ausführlich auf diesen Seiten darüber berichten.

Das Ergebnis der Sanierung der Hadlichstraße 2 ist heute beim Tag der offenen Tür von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Ab 10 Uhr 35 informiert Ulrich Zink über die Historie des Modellprojektes „Klimaschutz pur“. Handwerker, Planer und Sachverständige werden einige Bauteile in geöffnetem Zustand zeigen wie zum Beispiel die extrem flache Fußbodenheizung, und sie werden Ideen zur Brandschutzverbesserung präsentieren.

Besonders interessant für die Fachkundigen: Experten der renommierten Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie von der Materialprüfanstalt für das Bauwesen werden nicht nur Rede und Antwort stehen, sondern auch zeigen, wie etwa per Ultraschallmessung in Holzbalken Schadstoffe und Schwamm gefunden werden können. Vorgeführt wird auch, wie die Vakuum- Isolations-Paneele als Innendämmung in den Gauben eingebaut werden. Eine Lösung für Sparfüchse, denn deren Dämmwirkung ist zehnmal höher als die klassischer Dämmstoffe.

In einem gemeinsam mit dem Bundesbauministerium entwickelten Verfahren erstellt der Baka auch für private Hauskäufer ein Stärken-Schwächen-Profil ihres Gebäudes, für das nach versteckten Schadstoffen und Bauschäden in Altbauten gesucht und voraussichtliche Kosten für eine energiesparende Sanierung abgeschätzt werden.

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