Sanierung und Neubau : Neu abgestempelt: "Postfuhramt West" wird erweitert

Dem denkmalgeschützten Ensemble in Schöneberg werden Neubauten an die Seite gestellt. Zwischen Tradition und Moderne entsteht ein neuer Wohn- und Gewerbekomplex.

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Mut zum Lückenschluss. Schon ab Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es Neubauplanungen für einen Lückenschlusses in der Hauptstraße und Belziger Straße.
Mut zum Lückenschluss. Schon ab Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es Neubauplanungen für einen Lückenschlusses...Foto: Lisa Ewersbach

Frau Grünert von der Trockland Management GmbH wartet derzeit auf Anrufe. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, laufen Umbau und Neuvermietung von Gewerbe- und Wohnflächen im alten Postfuhramt West zwischen Haupt- und Belziger Straße auf Hochtouren. Aktuell annonciert ist ein Café auf dem Areal mit 190 Quadratmetern Gesamtfläche: „Preis auf Anfrage, Qualität der Ausstattung: gehoben“. Das denkmalgeschützte Areal mit insgesamt 27.000 Quadratmetern Fläche wird Zug um Zug entwickelt – die künftigen Mieter sollen noch Einfluss auf Gestaltung und Zuschnitt ihrer Flächen nehmen können.

Parallel zum Café steht im alten Kesselhaus eine Restaurantfläche zur Vermietung an: 435 Quadratmetern für 10.875 Euro.

Seit Januar 2014 stehen mehrere Gebäude und die meisten Geschosse des Komplexes leer. Und so verkaufte die Deutsche Telekom AG die Immobilie zu einem unbekannten Preis.

Den Entwicklern und Käufern von Trockland schwebt an dieser Stelle unter dem Projektnamen „Bricks“ eine Kleinausgabe der Hackeschen Höfe vor. „Wir entwickeln ein faszinierendes Konzept aus Leben, Arbeiten, Wohnen, Gastronomie und Freizeit“, heißt es in der Objektbeschreibung. Dazu gehören eine öffentliche Durchwegung von der Hauptstraße bis zur Belziger Straße, Büros „mit Loft-Charakter und Industrie-Chic“ und „gemeinschaftliche Dachterrassen mit Clubraum“. Und dazu gehört natürlich auch Stadtgrün: Im ersten Hof sollen im Frühling frisch gepflanzte Spalierbuchen erblühen.

70 Prozent der Gewerbeflächen sind bereits vermietet

Dies alles in bester Lage: Die Post ist und bleibt im Hause, der öffentliche Nahverkehr lockt mit U- und S-Bahn sowie mit Bussen vor der Haustür. In unmittelbarer Nähe finden sich kleine Läden, Cafés, Bars, Restaurants und Clubs. „Das Objekt ist die Schnittstelle zwischen Kultur und Szene“ heißt es bei Trockland: „Kultur, Tradition und Moderne bestimmen das Areal und werden es zu einem attraktiven Anziehungspunkt machen.“

Insgesamt entstehen hier neben einem 700 Quadratmetern großen Biosupermarkt rund 145 Mietwohnungen mit Balkonen und Terrassen. Die Wohnflächen bewegen sich zwischen 35 und 150 Quadratmetern Wohnfläche, die Mietpreise werden frei verhandelt – der Projektentwickler sieht Luft nach oben, vor allem wenn das Internet am Poststandort noch etwas schneller wird. Im Wohnungsneubau Belziger Straße sind 20 Wohneinheiten geplant, im Neubau Hauptstraße 108 Wohneinheiten. Für die Mieter sind in der Bestandstiefgarage zirka 90 Parkplätze geplant.

Der aktuelle Vermietungsstand bei den Gewerbeflächen liegt nach Angaben von Trockland bei 70 Prozent – rund zwei Dutzend Gewerbeeinheiten gibt es im Bestand, im Neubau kommen noch einmal fünf bis zehn dazu. Neu geplant wird der Altbau vom Architekturbüro Graft Berlin, das für eine experimentierfreudige und futuristische Formensprache steht.

drei Abschnitte sind im neuen Altbau geplant

Zwei Jahre lang war Trockland im Gespräch mit dem Bezirk. Im Juni 2015 wurde der Bauantrag für die Umnutzung der Gewerbeflächen genehmigt und schon begann die Sanierung. „Wir haben die Gebäudeflächen von außen erst einmal reinigen lassen“, sagt Projektleiterin Gesine Lenz. Die Denkmalschutzbehörden seien ganz zufrieden mit den bisherigen Arbeiten. Auflagen gibt es auch für die Innenbereiche – zum Beispiel bei der Farbwahl der Treppenhäuser.

Die Neuausgabe des Altbaus ist in drei Abschnitten geplant. Zunächst werden die Gewerbeeinheiten im Bestand hergerichtet. Dies soll bis Ende 2016 bewältigt werden. In einem zweiten Schritt werden die historischen Spitzdächer wieder hergestellt. Damit soll im Februar oder im März begonnen werden. Schließlich geht es um die Neubauten mit sieben Stockwerken. Deren Fertigstellung ist für 2018 vorgesehen.

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