Immobilien : Schimmelpilze sind oft eine Gesundheitsgefahr

Die Krankheitsauslöser nisten sich gerne in schlecht gelüfteten Räumen ein und gedeihen besonders gut in Neubauten

Eva Kaspar

Zuerst ist es meist nur ein Schatten auf der Wand. Nach und nach wuchert er pelzig grün bis tief schwarz zu Wolken und Flecken: Und wenn der Schimmelpilz sich einnistet, dann steigen den Bewohnern modrige Ausdünstungen in die Nase und Kopfweh, Augentränen und Schniefen plagen sie.

Die eingeatmeten Sporen und andere Pilzbestandteile können Allergien verursachen, besonders bei Menschen, die bereits unter anderen Allergien leiden. Besonders gefährlich sind Schimmelpilze für Abwehrgeschwächte: nach einer Chemotherapie, einer Transplantation und bei Aids-Kranken können sie lebensbedrohliche Infektionen besonders in der Lunge hervorrufen.

All dies gebietet besondere Vorsicht bei der Sanierung: möglichst wenig Staub aufwirbeln, Schutzhandschuhe, -brille und Mundschutz tragen. Schimmelpilze, die sich über mehr als 0,4 Quadratmeter ausdehnen, sollten nur Fachfirmen entfernen. Ein Abtöten der Pilze allein genügt nicht, da sie auch abgestorben krank machen können.

In der Wohnung giftig, sind Schimmelpilze in der Natur wichtig zum Abbau von organischen Stoffen wie abgestorbenen Pflanzen, toten Insekten oder Holz. Sie wachsen als Geflecht, dem Myzel, und entlassen ihre Abkömmlinge, die Sporen, in großen Mengen in die Luft. Dort steigt ihre Konzentration in den warmen Monaten auf mehrere tausend Sporen im Kubikmeter. Im Winter sind es nur noch an die hundert.

Dennoch machen Schimmelpilze meist im Winter Probleme, denn dann finden sie in Häusern die zum Wachstum nötige Feuchtigkeit. Manchmal sind es nur einzelne Stellen an Wand und Decke, wo es kühl und feucht wird, den so genannten Wärmebrücken. Dazu zählen ungedämmte Stahlträger, die für Balkone oder Vordächer durch die Wand gehen und damit die Wärme aus dem Haus leiten. Aber auch Ecken zwischen Decke und Wand, sind solche Schwachstellen. Kühl werden die Innenflächen von Außenwänden auch, wenn Schränke, Bilder oder schwere Gardinen dicht daran stehen oder hängen, weil die Raumluft hier nicht gut zirkuliert.

Doch woher kommt die Raumluftfeuchte? Um die zehn Liter Wasserdampf gehen täglich in einem Drei-Personen-Haushalt in die Luft: Beim Kochen, Wäschetrocknen oder Duschen. Und ein Mensch schwitzt und atmet und gibt so einen Liter Feurchtigkeit an die Luft ab. Im herkömmlichen Altbau leiten schon kleinste Fugen und Ritzen einen Teil dieser Feuchtigkeit mit der Luft nach draußen. Doch bei den heute üblichen, energiesparenden Neubauten und sanierten Altbauten fehlt dieser Feuchtigkeitsausgleich. Die dichten Wände und Isolierglas-Fenster erhalten zwar die Wärme, doch die relative Raumluftfeuchtigkeit überschreitet schnell die kritischen 80 Prozent, wenn die Bewohner nicht regelmäßig lüften oder – wie bei Passivhäusern üblich – eine mechanische und damit stetige Lüftung arbeitet.

Probleme gibt es auch in neu errichteten Gebäuden: Die Restfeuchte von Beton und nass verbauten Materialien ist beim Einzug oft nicht vollständig getrocknet. Da hilft in der Regel nur aussitzen, sofern die Feuchtigkeit nicht auf Bauschäden zurückzuführen ist, die ausgebessert werden müssen.

Eine Besonderheit ist die Kellerfeuchtigkeit: Sie ist meist ein Problem im Sommer. Da strömt die warme Sommerluft hinein in die Gewölbe, kühlt dabei ab und dadurch steigt die relative Feuchtigkeit. Austrocknen kann man Keller am besten im Winter.

Ist der Schimmelpilz einmal da, müssen Fachleute den Schaden begutachten und die Ursache klären. Hierfür sind Kenntnisse in Bauphysik und Mykologie (Lehre von den Pilzen) unabdingbar. Erst danach entscheiden die Experten, ob und welche Messungen notwendig sind. Bei sichtbarem Befall sind sie meist überflüssig, dagen kommen bei verborgenen Schäden Material-, Luft- und Staubuntersuchungen in Frage. Dabei hat jede Methode Vor- und Nachteile und eigene Beurteilungskriterien: Sind die Arten besonders gesundheitsschädlich? Unterscheiden sich Außen- und Innenluft? Sind Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze, so genannte MVOC (Microbial Volatile Organic Compounds=Mikrobielle flüchtige organische Verbindungen) in der Luft?

„Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung und Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen“, Umweltbundesamt, Telefon: 8903-2400.

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