Immobilien : Schöne Bescherung

Brennende Christbäume, querschlagendes Feuerwerk: Heiligabend und Silvester häufen sich die Unfälle. In welchen Fällen zahlen die Versicherungen, in welchen nicht? Die Rechtslage ist oft vertrackt

Kai Althoetmar

Sicher, daran denkt niemand gerne. Aber doch brennen jedes Jahr Christbäume, gehen Silvesterböller nach hinten los. Allein in der Weihnachtszeit gab es im vergangenen Jahr bundesweit über 20 000 Wohnungs- und Gebäudebrände – mit Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Wann zahlt die Versicherung und wann nicht? Generell gilt: Christbäume und Adventskränze dürfen mit Wachskerzen geschmückt werden (OLG Schleswig-Holstein, Az.: 3 U 22/97). „Eine große Rolle spielt allerdings auch, wie Baum oder Gesteck beschaffen sind und ob der Versicherte nur das Zimmer oder die Wohnung verlässt“, erklärt Annette Stich vom Anwalt-Suchservice in Köln.

Brennt der Baum, zahlt in der Regel die Hausratversicherung für den Schaden. So sind Schäden an Möbeln, Haushaltsgeräten, Gardinen und Teppichen abgedeckt. „Ersetzt werden nicht nur Schäden, die direkt durch das Feuer verursacht werden, sondern auch solche, die bei Löschversuchen durch Wasser entstanden sind“ informiert der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM). Selbst für Weihnachtsgeschenke gibt es Wiedergutmachung von der Assekuranz.

Ehe der Schaden reguliert wird, prüft die Versicherung, ob der Baumbesitzer „grob fahrlässig“ gehandelt hat. Das sei bereits der Fall, wenn der den Baum auch nur 15 Minuten unbeaufsichtigt lässt, urteilte das Amtsgericht Neunkirchen (AZ 5 C 1280/95). Keine Schuld der Versicherten erkannte das Landgericht Hof, nachdem eine Frau eine Kerze auf einem gefliesten Tisch allein gelassen hatte, um auf Toilette zu gehen (AZ 13 O 471/99). Die Kerze war aus dem Ständer gerutscht, vom Tisch gefallen, die Wohnung stand in Flammen.

Die Hausratversicherung kommt nur für Schäden auf, die wegen einer offenen Flamme entstanden sind. Schmor- und Sengschäden, die zum Beispiel durch glimmende Zigaretten oder Streichhölzer entstehen, werden nicht ersetzt. Geht gleich das ganze Haus in Flammen auf, ist die Wohngebäudeversicherung am Zuge. Auch hier sind Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ausgenommen. Wer als Gast unter fremden Tannenbäumen versehentlich ein Malheur anrichtet, ist in den meisten Fällen über die private Haftpflicht abgesichert.

Mit Tipps zur Katastrophenabwehr geizen die Versicherer nicht: Bei Adventskränzen, Weihnachtsgestecken und -bäumen sind die Kerzen rechtzeitig zu wechseln. Die Unterlage sollte feuerfest sein. Feuerzeuge und Streichhölzer sind kindersicher aufzubewahren. Und leben kleine Kinder im Haus, sollte auf echte Kerzen am Weihnachtsbaum verzichtet werden.

Schon eine Woche nach Heiligabend werden die C-Schläuche der Feuerwehr und die Erste-Hilfe-Koffer der Notärzte erneut strapaziert: Auch Silvester häufen sich Brände und Unfälle. Verursacht ein Partygast zum Beispiel durch ungeschicktes Hantieren mit Feuerwerkskörpern einen Schaden, haftet dessen Privathaftpflicht. Von der Haftpflicht profitert auch, wer eine Rakete von durchschlagender Wirkung versehentlich auf das Nachbargrundstück abfeuert. Richten Feuerwerkskörper am eigenen Haus Schäden an, ohne dass der Verursacher feststeht, zahlt die Wohngebäudeversicherung.

Führt ein Silvesterunfall am eigenen Körper zur Invalidität, kommt eine private Unfallversicherung auf – entsprechend dem Grad der Invalidität und der vereinbarten Versicherungssumme. Ansonsten gilt: Wer sich beim Umgang mit Feuerwerk verletzt, erhält die anfallenden Heilbehandlungskosten von der Krankenversicherung ersetzt. Anders sieht die Rechtslage aus, wenn kleine Kinder Schäden verursachen. Ein Kind unter sieben Jahren haftet grundsätzlich nicht für Schäden, die es anrichtet. Nur wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, wird der Schaden von deren Familien-Haftpflicht übernommen. Beispiel: Die Eltern sorgen sich auf einer Silvesterparty nicht um die Kinderaufsicht, während der Dreijährige Böller in den Kamin wirft. Anders sieht es aus, wenn die Kleinkinder ohne ihre Eltern bei Oma und Opa sind und sich dort à la „Struwwelpeter“ aufführen. Die Eltern sind dann aus der Haftung. Zündelt Junior dann in Omas guter Stube, schauen die Großeltern finanziell in die Röhre. Für Schäden am eigenen Eigentum haftet die Privathaftpflicht nämlich nicht.

Beschädigt aus Versehen eine Rakete ein Auto, springt die Kaskoversicherung des Halters ein. Der Schadenfreiheitsrabatt bleibt unberührt. Im Nachteil sind Cabrio-Besitzer. Einen Kollateralschaden am Dach zahlt dann nicht die Teilkasko, sondern nur die Vollkasko. Steht der Verursacher fest, zahlt dessen Haftpflicht, es sei denn, der Täter hat vorsätzlich gehandelt. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft sieht aber keinen Grund zur Panik, schließlich sei die Karosserie von Pkw durch handelsübliche Silvesterraketen kaum gefährdet.“

Ein paar Regeln gelten auch für die Ballerei. Silvester darf nur von 18 Uhr bis sieben Uhr am Neujahrmorgen geknallt werden. In der Nähe von Kirchen, Altenheimen, Kindergärten und Krankenhäusern ist die Knallerei verboten – ebenso die Verwendung selbstgebastelter Böller. Feuerwerk darf nur im Freien abgebrannt werden, Raketen der Klasse PII dürfen nur an Silvester und nur von Personen über 18 Jahren gezündet werden. Wer sich nicht an diese Verbote und Regeln hält, riskiert seinen Versicherungsschutz.

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