Immobilien : Schönheit vom Schwarzen Meer

Helleborus niger orientalis wurde bereits um 1700 von Botanikern nach Westeuropa geholt

Tassilo Wengel

Christrosen gehören mit ihrer frühen Blüte zu den beliebtesten Stauden des Winters und Vorfrühlings. Allgemein bekannt ist die Schneerose (Helleborus niger), die von November bis April blüht. Daneben findet man vor allem schöne Hybriden im Angebot, bei denen die Orientalische Christrose (Helleborus orientalis) neben anderen Arten für Kreuzungen eine wichtige Rolle spielt.

Helleborus orientalis ist eine der etwa 20 Arten umfassenden Gattung der Nieswurz (Helleborus), die zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehört. Sie ist eine stammlose Art und kommt am Südufer des Schwarzen Meeres vor. Dort wächst sie an den nördlichen Gebirgshängen des Pontischen Gebirges der Türkei, das allmählich zum Schwarzen Meer hin abfällt, und reicht in ihrem natürlichen Vorkommen über das Gebiet um den Ulu Dag bis in den Kaukasus. Ihr Lebensraum zieht sich von der Uferregion bis in 1300 Meter Höhe, wo die Pflanzen auf Wiesen, in lichten Wäldern und Gebüschen, aber auch auf offenen Geröllfeldern wachsen. Man findet sie einzeln oder in kleineren und größeren Gruppen beieinander stehend und je nach Höhenlage zwischen Februar und April in voller Blüte.

Erstmals sammelten der Franzose J. P. Tournefort und der deutsche Arzt Gundelsheimer auf ihrer Orientreise um 1700 Pflanzen dieser Art und brachten sie mit ins westliche Europa. Sie wurden in die Herbarien von Paris und Berlin aufgenommen und als Helleborus niger orientalis beschrieben.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts das Interesse an Pflanzenexpeditionen zunahm, sammelte man auch im Verbreitungsgebiet von Helleborus orientalis viele Pflanzen und bezeichnete sie je nach Herkunft als Helleborus ponticus, H.olympicus, H. cochii, H. abchasicus, H. caucasicus oder mit anderen Namen. Da sich diese „Arten“ vor allem durch Farbvariationen ihrer Blütenblätter unterscheiden, führt man sie in neuerer Literatur alle einheitlich als Helleborus orientalis – ein Begriff, den der französische Botaniker Jean Baptiste de Lamarck bereits 1789 benutzte. Nur einige Unterarten wie Helleborus orientalis ssp. abchasicus aus Abchasien oder Helleborus orientalis ssp. guttatus mit punktierten Blüten sind laut Zander, dem Handwörterbuch der Pflanzennamen, gültig. Allerdings fehlen eingehende neuere Untersuchungen zu dieser Problematik, die vielleicht diese vielfältige Art in einem anderen Licht erscheinen lassen würde.

Die Pflanzen bilden einen kräftigen Wurzelstock und treiben jedes Jahr ein bis zwei neue Blätter von 30 bis 35 Zentimetern Höhe. Sie bestehen aus fünf bis elf einzelnen Blättern, die am Rand dicht gezahnt und auf dem Blattstiel schirmförmig ausgebreitet sind und einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern erreichen. Bis zu einer Höhe von 25 bis 40 Zentimetern entwickelt sich auch der Blütenstängel. Er teilt sich mehrfach und trägt drei bis vier schalenförmige bis leicht glockenförmige Blüten. Sie nicken anfangs, stehen später seitlich bis aufrecht und besitzen einen Durchmesser von bis zu sieben Zentimetern. Ihre Farbe ist sehr variabel und reicht von reinem Weiß über Creme bis Gelb, gelegentlich kommen auch Farbtöne von Apricot bis Rot vor.

Die Vielfalt der Farben und die problemlose Kreuzung von Helleborus orientalis mit anderen stammlosen Arten – außer mit Helleborus niger – führten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer intensiven Züchtungstätigkeit. Das Ergebnis sind zahlreiche Hybriden, die in Gärtnereien und Gartencentern oft nur als Helleborus-Hybriden, manchmal fälschlicherweise auch als Helleborus orientalis angeboten werden. In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser breiten Palette von Pflanzen mit Blüten in den Fraben Cremeweiß, Grünlich, Rosa oder Purpurrot um Pflanzen, die größtenteils zu den Bunten Lenzrosen (Helleborus-Orientalis-Hybriden) zu rechnen sind.

Helleborus orientalis sowie die Helleborus-orientalis-Hybriden gedeihen am besten auf einem licht schattigen Standort, obwohl sie auch gut volle Sonne vertragen. Der Boden sollte durchlässig sein, denn schlecht gelüftete, verdichtete Böden vertragen diese Pflanzen nicht. Ebenfalls ungeeignet sind Sandböden, da diese im Sommer zu sehr austrocknen. Optimal sind nährstoffreiche, lehmige, kalkhaltige Böden. Vor dem Pflanzen empfiehlt es sich, den Boden ausreichend tief zu lockern und mit gut verrottetem Kompost oder anderem humushaltigem Substrat anzureichern. Zusätzlich gibt man dem Boden Kalk bei und verbessert zu sandige Böden mit Lehm. Die Pflanzen sollten viele Jahre am gleichen Standort stehen bleiben, denn sie können am rechten Platz sehr alt und immer schöner werden. Empfindlich sind sie allerdings gegen Verletzungen im Wurzelbereich. Deshalb sollte man sie weder durch Graben noch durch Hacken in der Nähe stören.

Sehr wirkungsvoll ist ihre Verwendung im Bereich von Laubgehölzen, wo die Pflanzen im Frühjahr ausreichend Licht erhalten. Besonders empfehlenswert sind sonnige Gehölzränder vor großen Blütensträuchern.

Das können im Frühling blühende, Laub abwerfende Gehölze wie Scheinhasel (Corylopsis-Arten), Haselnuss (Corylus avellana), Higan-Kirschen (Prunus subhirtella) oder Pontische Alpenrosen (Rhododendron ponticum) sein. Auch Hecken aus Blütensträuchern wie Deutzie (Deutzia), Weigelien (Weigela), Spiersträuchern (Spiraea) oder Zierjohannisbeeren (Ribes sanguineum) eignen sich als Gehölzrand. Immergrüne Laubgehölze wie Alpenrosen (Rhododendron), Feuerdorn (Pyracantha coccinea), Lorbeerkirschen (Prunus laurocerasus) oder andere lassen sich gut als Hintergrund verwenden. Im Gehölzrand sind farbenfrohe Kissenprimeln (Primula vulgaris), Leberblümchen (Hepatica nobilis), Gedenkemein (Omphalodes verna), Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) oder Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum) ideale Partner, die mit Orientalischen Christrosen und ihren Hybriden eine farbenfrohe Gemeinschaft bilden.

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