Immobilien : Schönheiten aus Fernost

Die berauschende Blütenpracht von Strauchpäonien wird von kaum einer anderen Pflanze übertroffen

Waltraud Hennig-Krebs

Eine Attraktion im Gartenjahr ist die Strauchpäonienblüte, die oft bis weit in den Juni hinein dauert. Die zarten Blüten dieser Pfingstrosenart (Paeonia suffruticosa), die einen Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern erreichen können, sind im Zusammenspiel mit den elegant geschnittenen grünen Blättern ein faszinierender Anblick. Je nach Sorte sind die Blüten einfach, halb oder voll gefüllt. Die Farbpalette reicht von einem klaren Weiß über Rosa, Rot und fast Schwarz bis hin zu Gelb in verschiedenen Abstufungen.

Die Wildform der weniger bekannten Schwester der hier zu Lande weit verbreiteten Staudenpäonie (Paeonia lactiflora) und Bauernpfingstrose (Paeonia officinalis) wächst nur in den Gebirgsregionen Chinas. Seit zwei Jahrtausenden wird die verholzende Pflanze kultiviert und intensiv gezüchtet. Sie gehörte zu den wichtigsten Gewächsen in den kaiserlichen Gärten und war über Jahrhunderte die Nationalblume Chinas. Auch heute noch sind dort Gegenstände des täglichen Bedarfs oft mit einer Päonie verziert.

Während chinesische buddhistische Mönche schon vor gut 1500 Jahren Züchtungen der edlen Zierpflanze nach Japan einführten, mussten die Europäer sehr lange auf den Anblick der fernöstlichen Schönheit warten. Denn erst die Welthandelsschifffahrt machte es möglich, Pflanzen aus Asien nach Europa zu bringen. Als Philipp von Siebold im Jahre 1844 wertvolle japanische Zuchtformen nach Holland brachte, fanden diese allerdings kaum Beachtung. Das änderte sich grundlegend, als auf Betreiben des englischen Naturwissenschaftlers Sir Joseph Banks seltene chinesische Exemplare auf die britische Insel gelangten. Sie waren für den königlich-botanischen Garten von Kew bei London bestimmt, fanden aber schnell auch Verbreitung in herrschaftlichen, englischen Gärten und gelangten bis nach Frankreich. Aber erst durch die Weltausstellung 1889 in Paris, wo eine repräsentative Schau von chinesischen Strauchpäonien großes Aufsehen erregte, kam es zu größeren Importen von Ostasien in den Westen. Päonien-Liebhaber in Frankreich, Holland, Deutschland und in den USA begannen nun ebenfalls mit der Züchtung.

Strauchpäonien können bei guter, fachgerechter Pflege und günstigen Wachstumsbedingungen sehr alt werden. Sie wachsen im Laufe der Jahre zu prachtvollen, bis zu zwei Meter hohen Büschen heran und bilden, im Gegensatz zu den Staudenpäonien, deren oberirdische Triebe im Winter absterben, im Spätsommer ihre Blatt- und Blütenknospen am winterharten Holz aus. Das macht sie allerdings nach milden Wintermonaten, in denen sie besonders früh austreiben, anfällig gegenüber Spätfrösten im März und April. Die Blütezeit dauert, je nach Standort und Sorte, bis zu sechs Wochen. In unseren kühleren Breiten beginnt sie oft erst in der zweiten Mai-Hälfte.

Wer sich dazu entschließt, im zeitigen Herbst eine oder mehrere Strauchpäonien zu pflanzen, sollte sich nicht verleiten lassen, Jungpflanzen nur nach Farben auszusuchen. Wichtig sind auch die Blütenform, die Wuchshöhe, das Laub und vor allem die Herkunft der Pflanze. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland Staudengärtnereien, die sich auf den Import von Strauchpäonien spezialisiert haben. Ein prächtiges Exemplar aus China, Japan oder eine amerikanische Lutea-Hybride kann bis zu hundert Euro kosten. Neuere Züchtungen und Raritäten sind noch teurer.

Das wohl informativste Werk zu diesem Thema ist das Buch „Strauch-Pfingstrosen“, das von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft in der Liste der „Top 5 der Gartenbücher“ für das vergangene Jahr aufgeführt wird. Der Band wurde von zwei in Fachkreisen anerkannten Autoren geschrieben: Irmtraud Rieck widmet sich seit gut 25 Jahren in ihrer Freizeit dem Studium von Wildpfingstrosen. Seit der politischen Öffnung Chinas spezialisierte sie sich auf chinesische Arten und Hybriden der Strauchpäonie. Friedrich Hertle besitzt die in Deutschland wohl eindrucksvollste Sammlung von Strauchpfingstrosen in seinem Garten. In Seminaren und Vorträgen gibt er sein reiches Wissen weiter. Spezialisiert hat er sich vor allem auf neue Züchtungen aus Amerika.

Das Buch ist sowohl für Neulinge als auch für Fortgeschrittene geeignet, die sich umfassend mit diesem Thema beschäftigen möchten. Informativ beschrieben werden nicht nur die Verehrung der Pflanze in China und die Kulturgeschichte des Blütenstrauchs, die Autoren stellen auch die bedeutenden Sammler, Forscher und Züchter vor. Ein umfangreiches Hintergrundwissen vermitteln die Kapitel, in denen es um die unterschiedlichen Zuchtrichtungen und die Ergebnisse nicht nur in China und Japan geht, sondern auch um die Erfolge in Europa und in den USA. So erfährt der Leser beispielsweise, dass die Saunders-Hybriden, der jüngste Zweig der Strauchpäonienkultur zu den wüchsigsten, gesündesten und in der Blüte farbenprächtigsten Strauchpäonien gehören. Sie wurden nach dem amerikanischen Chemieprofessor Arthur Percy Saunders (1869-1953) benannt, der im eigenen Garten mit der erfolgreichen Züchtung begann. Angesichts der ungezählten Hybriden und Kulturformen haben sich die Autoren bewusst darauf beschränkt, nur die für den mitteleuropäischen Raum bewährten und im Handel befindlichen 250 Sorten vorzustellen.

Anfänger, die mit dem Erwerb einer Strauchpäonie liebäugeln, finden in den umfangreichen Kapiteln, die die Verwendung im Garten betreffen, sachkundige Ratschläge. Sie erleichtern die Entscheidung für die „richtige“ Strauchpäonie. Doch die Autoren geben nicht nur Beispiele, welche Sorten geeignet sind, sondern informieren eingehend über Standortbedingungen, Pflanzung und Pflege.

Wer diese Tipps das ganze Jahr über befolgt, wird viel Freude an seinen Strauchpäonien haben und möchte sie möglicherweise vermehren. Auch zu diesem Thema gibt es eine fachgerechte, ausführliche Anleitung. Denn in diesem Buch bleibt kaum eine Frage hinsichtlich der Aufzucht und der Pflege des Blütengehölzes unbeantwortet. Ausgesprochen hilfreich sind die Bezugsquellen im In- und Ausland, die im Anhang zu finden sind. Den noch unschlüssigen Hobby-Gärtner werden die 150 faszinierenden Farbfotos davon überzeugen, dass auch in seinen Garten zumindest eine prächtige Strauchpäonie gehört.

ARTEN

Strauchpfingstrose (Paeonia suffruticosa), Staudenpfingstrose (Paeonia lactiflora), Bauernpfingstrose (Paeonia officinales).

KULTUR

Nur die Strauchpäonien bilden ihre Blatt- und Blütenknospen im Spätsomer am winterharten Holz aus.Bei fachgerechter Pflege und günstigen Standortbedingungen werden sie sehr alt.

BLÜTEN

Je nach Sorte einfach, halb oder voll gefüllt. Die Farbpalette reicht von Weiß über Rosa, Rot bis hin zu verschiedenen Gelbtönen.

ANGEBOT

Chinesische, japanische, amerikanische und europäische Züchtungen.

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