Immobilien : Schönheiten des Südens

Auch hierzulande gedeihen Orangen und Zitronen – und das sogar auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett

Waltraud Hennig-Krebs

Zitrusgewächse gehören in Mitteleuropa seit Jahrhunderten zu den begehrten Kübelpflanzen. Sie zierten im Sommer Terrassen oder Gärten von gekrönten Häuptern und reichen Bürgern und verbreiteten einen Hauch von mediterranem Flair. Die begüterten Pflanzenliebhaber stillten so ihr Fernweh nach dem Süden. Um die frostempfindlichen Gewächse vor den Unbilden des Winters zu schützen, wurden bereits im 17. Jahrhundert für sie extra Gebäude errichtet, die so genannten Orangerien. Manche waren so groß, dass die Besitzer während der kalten Jahreszeit darin sogar lustwandeln konnten. Orangerien sind deshalb sozusagen die Vorläufer des Wintergartens.

Die ursprüngliche Heimat der Zitrusgewächse reicht von Ost- bis Südostasien. Von dort brachten in vorchristlicher Zeit die Griechen zuerst die Zitronat-Zitrone (Citrus medica) mit, die vor allem zu medizinischen Zwecken genutzt wurde. Später folgten weitere Arten und um 200 nach Christus fanden bereits Zitronenbäume (Citrus limon) als Zierpflanzen Verwendung. Sie wurden in durchlöcherten Gefäßen kultiviert und als Schmuck römischer Villen und Gärten vorwiegend in Säulengängen aufgestellt.

Nördlich der Alpen kannte man Zitrusfrüchte seit dem frühen Mittelalter. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179) erwähnte die Zitrone in ihren Schriften ebenso wie der Dominikanermönch und Naturforscher Albertus Magnus (1193 - 1280). Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts berichtete der Botaniker Hieronymus Bock in seinem 1539 erschienenen „Kreutterbuch“ über die Anzucht von „Judenöpffel, Citrinaten, Limonen“. In der Blütezeit – zwischen 1600 und 1860 – waren die exotischen Gewächse Ausdruck von Wohlstand, Macht und Eleganz.

Die Zeiten haben sich geändert und mittlerweile gibt es Züchtungen von Zitruspflanzen, die auch auf dem Fensterbrett gedeihen. Zwei sind dafür besonders gut geeignet: die Calamondin-Orange (Citrofortunella mitis) und die Chinotto (Citrus aurantium myritfolia). Bei der Calamondin, die hauptsächlich in Florida und Honduras in großen Mengen herangezogen wird, handelt es sich um eine Kreuzung aus Citrus mit Fortunella species. Sie wächst langsam, blüht aber bereits als junge Pflanze vom Frühjahr bis zum Herbst und setzt viele kleine Orangen an. Die Frucht ist fast vollständig mit Samen gefüllt, enthält aber auch eine winzige Menge von essbarem Fruchtfleisch. Fast wie ein Citrus-Bonsai wirkt die Chinotto durch ihr myrtenähnliches Laub. Die kleinen gelben Bitterorangen sind theoretisch essbar, schmecken allerdings in der Zimmerkultur ziemlich fade.

Zwölf Stunden Licht im Winter

Idealerweise hält man Zitruspflanzen in Kübeln im Wintergarten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon. Da die meisten dieser Sorten im Winter ruhen wollen, benötigen sie während dieser Zeit einen kühlen (fünf bis sieben Grad Celsius) und sehr hellen Standort. Wer weder Wintergarten noch ein helles Treppenhaus zur Verfügung hat, sollte sie in den Keller stellen. Mit einer zusätzlichen Leuchtstoffröhre, gesteuert mit einer Zeitschaltuhr, die zwölf Stunden Licht garantiert, überleben die Exoten die Ruhezeit.

Einsteiger in die mediterrane Welt der Zitruspflanzen sollten es mit der Kumquat (Fortunella margarita) versuchen. Dieses kleine Bäumchen wird in Gartencentern in Töpfen oder Kübeln angeboten, ist ziemlich robust und verträgt auch leichten Frost, vorausgesetzt, er hält nicht tagelang an. Die etwa drei Zentimeter großen, weißen Blüten verströmen einen angenehmen Duft. Die ovalen Früchte in der Größe einer Zwetschge sind essbar. Sie werden mit der Schale gegessen. Wer seiner eigenen Ernte geschmacklich nicht traut, sollte vorher einige beim Gemüsehändler kaufen und kosten.

Für fortgeschrittene Pflanzenliebhaber von Zitruspflanzen ist die Auswahl riesig. Da gibt es tropische Sorten mit süßen oder sauren Früchten für warme Räume, bei denen die Temperaturen nachts nicht unter zwölf Grad sinken dürfen und dekorativ wachsende Züchtungen, die einige Kältegrade aushalten.

Angeboten werden auch einige alte Sorten von Pomeranzen und Zitronatzitronen (Cedraten) aus dem 17. Jahrhundert, die bis zum heutigen Tag erhalten geblieben sind. Sie überlebten in Südfrankreich und Italien in alten Herrengärten und Schlossanlagen. Man findet sie allerdings nur bei spezialisierten Züchtern.

Selbst für Gartenbesitzer, die ihre Pflanzen fest im Erdreich verwurzelt wissen möchten, wurde eine spezielle Sorte gezüchtet: die Dreiblättrige Orange (Poncirus trifoliata) und die Variante „Flying Dragon“. Diese Pflanzen vertragen Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius und sind somit in fast allen Gebieten Deutschlands völlig winterhart.

Was die Pflege betrifft, brauchen alle Zitruspflanzen einen warmen, sonnigen und zugarmen Standort. Wärme und Sonne müssen in einem proportionalen Verhältnis zueinander stehen. Das heißt, je wärmer es ist, desto mehr Licht und Wasser benötigt die Pflanze. Das Gießen muss mit Augenmaß erfolgen. Anzeichen von Wassermangel zeigt die Pflanze, wenn sich deren Blätter einrollen. Wenn man sich nicht sicher ist, ob gewässert werden sollte oder nicht, gibt es einen einfachen Trick. Man bohrt den Zeigefinger etwa fünf Zentimeter ins Substrat. Ist die Erde trocken oder nur noch feucht, muss gegossen werden. Das Gießwasser sollte Zimmertemperatur haben und leicht abgestanden sein.

Im Winterquartier benötigen Zitruspflanzen nur sehr wenig Wasser, allerdings darf der Wurzelballen nicht vollkommen austrocknen. Die Folge wäre der Abwurf der grünen Blätter. Werden die Blätter gelb oder sind gelb geadert, ist Staunässe die Ursache. In solchen Fällen ist das Gießen stark einzuschränken, notfalls muss das Zitrusgewächs in sandiges Substrat verpflanzt werden. Normal dagegen ist der Blattfall im Herbst und beim Neutrieb im Frühjahr.

Das Umsetzen der Pflanzen erfolgt am besten von März bis April in lockere, humose Erde. Gut geeignet ist dafür Einheitserde, der etwas Sand und Lehm beigemischt wird. Um die Wurzeln der Zitruspflanzen zu schonen, muss die Pflanze vorsichtig aus dem Gefäß genommen werden, zumal es sich um Flachwurzler mit relativ wenigen Wurzeln handelt. Sobald der Mai gekommen ist, können Zitrusgewächse ins Freie gestellt werden. Allerdings sollten sie anfangs mit Leinen, alten Gardinen oder Zeitungspapier geschützt und allmählich an die intensiven Sonnenstrahlen gewöhnt werden. Während der Sommermonate ist reichlich zu gießen, stauende Nässe ist zu vermeiden. Von Mai bis August empfiehlt sich die wöchentliche Gabe eines Volldüngers, wobei ein stickstoffbetonter Flüssigdünger empfehlenswert ist.

Die Kerne der Früchte verleiten gelegentlich dazu, die Anzucht selbst auszuprobieren. Dafür braucht man allerdings Geduld. Denn es dauert mindestens acht Jahre, bis die Pflanzen das erste Mal blühen und auch Früchte bilden. Will man es dennoch versuchen, sät man im März oder April einzelne Samenkörner in kleine Töpfe oder mehrere Körner in Kästen mit durchlässigem, humosem Substrat. Bei Temperaturen von 20 Grad Celsius und einer gleichmäßigen Bodenfeuchte keimen die Samen nach etwa zehn Tagen. Sobald sich zwei Blattpaare entwickelt haben, topft man die Pflanzen aus den Kästen in Töpfe mit Einheitserde um. Das Substrat sollte mit etwas Lehm und Sand angereichert werden. An einem hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung wachsen die Jungpflanzen heran und können im darauf folgenden Sommer ins Freie.

Bezugsquelle für winterharte Sorten und Raritäten: Citrusgärtnerei Voss, Moorende 149, 21635 Jor, Telefon: 0 41 62 / 94 25 24, Internet: www.zitrusgaertnerei.de

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