Immobilien : Schon ein Grad weniger zahlt sich aus

Auch ohne dicken Pulli und Pudelmütze anzuziehen, kann man mit Hilfe einiger Regeln im Winter viele Energiekosten sparen

Kai Althoetmar

Durchschnittlich neun Euro je Quadratmeter zahlt ein deutscher Haushalt im Jahr für Warmwasser und Heizung. An kalten Tagen liegen die Heizkosten schnell bei fünf bis zehn Euro. Heizung ausstellen, Fenster immer geschlossen halten, drei Wollpullover überziehen – so spart man zwar Heizkosten; dafür sind Schimmelpilz und feuchte Wände aber programmiert. Wer vor der nächsten Heizrechnung bibbert, kann die Heizkosten mit ein paar einfachen Regeln und Handgriffen deckeln.

„Ein Absenken der Raumtemperatur um ein Grad Celsius spart circa sechs Prozent an Heizkosten“, informiert die Energieagentur Nordrhein-Westfalen in Wuppertal. Nachts genüge schon eine Temperatur von 16 bis 18 Grad; das spare fünf bis zehn Prozent der Heizkosten. Durchgangszimmer wie Dielen müssen tags nicht 20 Grad Celsius warm sein, 15 Grad reichen. In Schlafräumen genügen 16 bis 18 Grad, nur in Wohn- und Kinderzimmern brauche es 20 Grad. Die Umweltstiftung WWF weist darauf hin, dass „Kühlschränke und Spülmaschinen Abwärme produzieren. Daher reicht es aus, in der Küche sparsam zu heizen.“ Die Türen zu weniger beheizten Räumen sollte man schließen. Das kältere Schlafzimmer vom Wohnraum aus mitzuheizen, ist nicht ratsam. Dieses „Überschlagenlassen“ trägt nur feuchte Luft ins Schlafzimmer und fördert Schimmelbildung.

Der Börsianerspruch „Hin und her macht Taschen leer“ gilt auch beim Heizen. Permanentes Hoch- und Runterfahren der Heizung geht ans Portemonnaie. Das Halten einer abgesenkten Durchschnittstemperatur kommt günstiger, als bei Abwesenheit die Heizung ganz auszustellen. Auch an kalten Tagen sollte man die Heizung nicht zu stark herunter drehen, wenn man morgens zur Arbeit fährt. Denn dann muss der ausgekühlte Raum am Abend wieder völlig durchgeheizt werden. Sonst kühlen auch die Wände zu stark aus und die feuchte Raumluft kondensiert. Das Raumklima wird dann nasskalt. Die Temperatur sollte daher möglichst konstant sein.

Damit sich die Wärme ungehindert verbreiten kann, dürfen keine Möbel vor den Heizkörpern stehen und keine Vorhänge sie bedecken. Sie können sonst bis zu 20 Prozent Wärme schlucken. Außerdem können die so genannten Verdunsterröhrchen wegen solcher „Wärmeschlucker“ fehlerhaft arbeiten und einen erhöhten Verbrauch anzeigen. Um die Luftzirkulation zu verbessern, ist es sinnvoll, große Möbel zwei bis fünf Zentimeter von der Außenwand abzurücken. Andernfalls können sich feuchte Ecken bilden.

Rollläden, Fensterläden und Vorhänge sollte man nachts schließen, wenn man in einem Altbau mit älteren, isolierverglasten Fenstern wohnt. Bei neueren Bauten ersetzen die heute üblichen Wärmeschutzverglasungen das konsequente Schließen von Gardinen und Läden in der Nacht.

Wichtig sind auch gute Thermostatventile, die es im Baumarkt oder beim Installateur zu kaufen gibt. Optimal sind programmierbare elektronische Thermostate, die auch bei Abwesenheit nützlich sind. Mit deren Hilfe kann die Temperatur nachts oder während eines Winterurlaubs automatisch abgesenkt werden. Bei der Rückkehr oder am Morgen ist es dann wieder warm.

Sind die Räume überheizt, liegt das oft daran, dass der Drehknopf keine Temperaturskala hat oder sich nur ungenau einstellen lässt. Gute Modelle haben einstellbare Anschläge für Normal- und Absenktemperatur oder lassen sich nachrüsten. Wer aufheizen will, sollte das Ventil nicht erst voll aufdrehen und dann erneut regulieren, „denn man sitzt nicht schneller im Warmen, sondern überheizt den Raum“, schreibt die Zeitschrift „Ökotest“. Besser ist es, direkt die gewünschte Raumtemperatur einzustellen. Der Temperaturregler öffnet dann die Leitung so lange, bis die gewünschte Raumtemperatur erreicht ist.

Ist die Heizung falsch eingestellt, kommt das teuer. Der Bund der Energieverbraucher (BdE) rät, dies zu testen, indem man an einem kalten, bedeckten Tag die Thermostatventile ganz aufdreht und beobachtet, wie weit die Temperatur im Raum steigt. „Steigt sie nur auf 22 Grad Celsius, dann sind Vorregelung und Hydraulik korrekt eingestellt“, so der BdE. Steigt sie höher, zahlt man zu hohe Bereitstellungskosten für die Heizwärme. Die Warmwassertemperatur der Heizung sollte nicht über 60 Grad Celsius liegen. Auch Luft im Heizkörper ist ein Energiefresser. Das Wasser kann dann nicht richtig zirkulieren, die Wärmeenergie kommt nicht an. Eine Entlüftung der Heizung und eine Kontrolle des Wasserdrucks machen sich daher bezahlt.

„Die meisten Heizanlagen sind völlig falsch oder gar nicht eingestellt und verbrauchen deshalb unnötig viel Energie“, schreibt der BdE. Eine Optimierung spare zehn bis 20 Prozent Brennstoffkosten. Dazu müssen die Bauteile einer Heizung optimal aufeinander und auf den Wärmebedarf des Gebäudes abgestimmt werden. „Man begrenzt dabei den Durchfluss von Heizwasser durch die Heizkörper sowie die Förderhöhe der Pumpe auf ein ausreichendes Maß“, heißt es beim Verbraucherverein. Die Temperatur in den Heizungsleitungen wird dann verringert, um überflüssige Wärmeverluste zu vermeiden. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Heizkörperventile voreinstellbar sind. Sind sie es nicht, müssen sie ausgetauscht werden. Oft sei auch der Einbau einer neuen, sparsameren Heizungspumpe empfehlenswert und rentabel, so der Bund der Energieverbraucher.

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