Immobilien : „Schwer im Kommen“

Schöneberg ist weniger aufgeregt als andere Stadtteile, bietet aber eine hohe Wohnqualität.

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Freiluftsaison eröffnet. Passend zum Frühling wurde nach der Winterpause die Fontäne des unter Denkmalschutz stehenden Viktoria-Luise-Brunnens wieder zum Sprudeln gebracht. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn
Freiluftsaison eröffnet. Passend zum Frühling wurde nach der Winterpause die Fontäne des unter Denkmalschutz stehenden...Foto: picture alliance / dpa

Der Winterfeldtmarkt ist Legende. „In der Schöneberger Gay- und Akademikerszene gehört der Gang auf diesen Markt zum guten Ton“, weiß ein auflagenstarker Reiseführer zu berichten. Doch auch Menschen ohne Hochschulabschluss und mit heterosexueller Orientierung genießen es, zwischen Ständen mit Ziegenkäse, frisch gepresstem Grapefruitsaft und Maniok-Chips aus Ecuador die Woche Revue passieren zu lassen.

Es gibt zahlreiche weitere Ecken, die dazu beitragen, dass Schöneberg für urbane Berlin-Kenner eine der begehrtesten Wohnlagen ist. Der Viktoria-Luise- Platz etwa erinnert mit seinen repräsentativen Gründerzeithäusern an die Zeit vor gut hundert Jahren, als die Grundstücksentwickler Salomon und Georg Haberland sich anschickten, das Bayerische Viertel zum Wohnort des gehobenen Bürgertums zu machen. Quirlig geht es in der Akazienstraße mit ihren kleinen, individuellen Geschäften zu, und auch die Crellestraße mit ihrer kreativ-entspannten Atmosphäre gehört zu den Gegenden des Stadtteils, die eine besonders hohe Lebensqualität versprechen.

Und doch sagt André Adami, der als Berliner Niederlassungsleiter des Beratungsunternehmens BulwienGesa den Wohnungsmarkt der Stadt ausgezeichnet kennt: „Schöneberg ist ein Bezirk, der ein bisschen in Vergessenheit geraten ist.“ Das klingt angesichts der Vorzüge des Stadtteils paradox, bezieht sich aber vor allem auf die Sichtweise von Menschen, die neu nach Berlin ziehen. „Für sie“, stellt Adami fest, „steht Schöneberg nicht im Fokus.“ Sie haben dem Experten zufolge nämlich hauptsächlich von Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg gehört – mit der Folge, dass sie dort ihre erste Berliner Wohnung beziehen. „Wenn sie die Stadt dann besser kennen“, beobachtet Adami, „ziehen sie in andere Kieze.“

Zum Beispiel nach Schöneberg – was zur Folge hat, dass auch hier die Mieten deutlich steigen. Den Vogel schießt dabei das Postleitzahlgebiet 10825 um das Rathaus Schöneberg ab: Wie das Beratungsunternehmen CBRE in seinem für die Wohnungsgesellschaft GSW erarbeiteten Wohnmarktreport ermittelt hat, stiegen dort im vergangenen Jahr die Angebotsmieten um nicht weniger als 20 Prozent auf durchschnittlich 8,73 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Bewohner rund um das Rathaus so viel zahlen müssten; der Wohnmarktreport bildet lediglich diejenigen Wohnungen ab, die im Internet oder in Zeitungsanzeigen zur Miete angeboten werden.

Fast so teuer sind die Postleitzahlgebiete 10777 (Viktoria-Luise-Platz) und 10823 (Akazienstraße) mit 8,53 beziehungsweise 8,48 Euro pro Quadratmeter. Aus dem Rahmen fällt lediglich das Postleitzahlgebiet 10783 (Bülowbogen) mit einer durchschnittlichen Angebotsmiete von 6,53 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt, stellen die Autoren des Wohnmarktreports fest, hole der Bezirk Tempelhof-Schöneberg in seinen Innenstadtbereichen bei den Mieten deutlich auf.

„Schöneberg ist gerade schwer im Kommen“, bestätigt Anne Riney, Leiterin des Büros Berlin-Mitte des Maklerunternehmens Engel & Völkers. Das zeigt sich nach ihren Angaben selbst in Gegenden des Bezirks, die lange nicht den besten Ruf hatten – zum Beispiel an der Hauptstraße: „An der Ecke zur Vorbergstraße, wo bis vor kurzem ein Discounter war, hat jetzt ein Bio-Supermarkt aufgemacht“, nennt sie als Beleg dafür. Auch das Neubauprojekt des Unternehmens Bauwert, das in der Vorbergstraße 33 Eigentumswohnungen errichtet (vgl. Beitrag rechts), unterstreiche diesen Aufschwung. Und selbst die Potsdamer Straße verändere sich „schlagartig“ – und zwar zum Positiven.

So erstaunt es denn auch nicht, dass selbst Investoren aus dem Ausland auf das Potenzial Schönebergs aufmerksam geworden sind. Die Immowert aus Wien zum Beispiel kaufte 2010 ein Gründerzeithaus in der Welser Straße 8, nicht weit vom Luise-Viktoria-Platz entfernt. In der Folge sanierte sie es und verkaufte die 29 Eigentumswohnungen für durchschnittlich nicht weniger als 3900 Euro pro Quadratmeter - wofür sie nur wenig länger als sieben Monate brauchte.

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