Sehnsucht nach einem Platz zum Kuscheln : Kamine verbreiten wohlige Wärme.

Wenn es draußen ungemütlich wird, steigt die Sehnsucht nach einem kuscheligen Platz am Kamin. Lodernde Feuer und knackendes Holz verströmen Hüttenromantik – auch in der Großstadt.

Judith Jenner
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Kamin im Wohnzimmer? Erst mal schauen, ob ordentlich gekehrt ist. Foto: vario imagesvario images

Doch für die meisten Wohnungsbesitzer – ob Mieter oder Eigentümer – bleibt ein Kamin in der guten Stube ein Traum.

„Der Mieter kann nach Absprache mit dem Vermieter einen Kamin auf eigene Kosten einbauen. Dann ist er bei Auszug aber grundsätzlich auch zum Rückbau verpflichtet“, sagt Alexander Wiech von der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund. „Es kann jedoch auch sein, dass der Vermieter die Kaminidee so gut findet, dass er zumindest einen Teil der Kosten trägt.“ Kosten für Wartung und Schornsteinfeger trage in der Regel der Kaminnutzer – also der Mieter beziehungsweise Miteigentümer einer Eigentumswohnanlage. Das wird in einer Vereinbarung schriftlich geregelt.

Nachdem das Einverständnis des Vermieters (oder bei Wohnungseigentümern der Eigentümergemeinschaft) eingeholt wurde, ist der Bezirksschornsteinfegermeister der erste Ansprechpartner für das Kaminbauvorhaben. Er überprüft, ob die Voraussetzungen für einen Kamineinbau gegeben sind, zum Beispiel ein eigener Abzug vorhanden und der Schornstein breit genug ist oder ob ein Einbau möglich ist. „Am Abzug darf keine weitere Feuerstelle angeschlossen sein“, sagt Norbert Skrobek, Bezirksschornsteinfegermeister in Kreuzberg. Außerdem müsse der Kamin ausreichend Frischluft bekommen. In einer Vorbescheinigung hält Skrobek die Arbeiten fest, die vor dem Einbau zu erledigen sind. Der Preis für seine Beratung ist in einer Gebührenordnung geregelt und kostet derzeit für Altbauten etwa 60 Euro plus Anfahrt. Der Preis des gesamten Einbaus hängt von den notwendigen Vorarbeiten und Materialkosten ab. Ein grober Richtwert für einen ansehnlichen Kamin: ab etwa 5000 Euro aufwärts.

Den Einbau des Kamins übernimmt ein Ofen- und Luftheizungsbau-Meisterbetrieb. Der plant und baut den Kamin, wenn nötig auch einen Schornstein. Laien hingegen sollten die Finger vom Einbau lassen. „Selbst ein ambitionierter ,Do-it-Yourselfer‘ wäre damit überfordert,zumal der Ofenbauer für den fachgerechten Bau sowie den sicheren Betrieb eine Gewährleistung übernimmt“, sagt Michael Toplak von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft e.V. Auch komplette Kaminöfen sollte besser ein Fachmann anschließen, schon aus versicherungstechnischen Gründen. Der beste Zeitpunkt für den Einbau liegt außerhalb der Heizperiode, im Frühling oder Sommer. Jetzt wäre demnach die richtige Zeit, sich Gedanken darüber zu machen. Bevor der Kamin in Betrieb genommen wird, überprüft der Bezirksschornsteinfeger den Einbau und stellt eine Endbescheinigung aus. Deutlich häufiger als offene Kamine nimmt Norbert Skrobek Kaminkassetten ab. Sie haben den Vorteil, dass sie sich öffnen und schließen lassen. „Ein offener Kamin darf nur betrieben werden, wenn jemand anwesend ist. Und die Brandgefahr ist höher als bei geschlossenen Modellen“, sagt Skrobek. Michael Toplak weist außerdem darauf hin, dass ein offener Kamin kein Heizgerät ist. Kamine seien nicht als Dauerbrandöfen ausgelegt, daher sei unter anderem Steinkohle für ein Feuer ungeeignet. Risse im Putz oder Blasenbildung in der Tapete entstehen nach den Angaben von Versicherungsexperten durch hohe Rauchgastemperaturen und sind abhängig von der Bauart des Kamins. „Er darf nur gelegentlich betrieben werden. Die ständige Rechtsprechung versteht darunter eine Nutzung an maximal acht Tagen pro Monat für jeweils höchstens fünf Stunden pro Nutzungstag“, so Toplak. Der Wirkungsgrad des offenen Kamins ist gering, denn die meiste Heizenergie geht durch den Schornstein.

Um Unfälle zu vermeiden, gelten strenge Brandschutzregeln: Brennbare Möbel und Teppiche müssen mindestens 80 Zentimeter vom offenen Feuer entfernt sein. Der Fußboden vor dem Kamin darf nicht brennbar sein und an der Wand hinter dem Kamin sowie in der Decke dürfen keine elektrischen Leitungen verlaufen. Wird der Kamin an eine tragende Wand gebaut, darf die sich nicht um mehr als 50 Grad erwärmen, andernfalls ist ein Wärmeschutz erforderlich.

Wichtig ist, dass im Kamin nur unbehandeltes, trockenes Holz verfeuert wird. Lackierte Bretter oder gar Hausmüll gehören nicht in den Kamin. Abfall gehört nicht ins Feuer, denn durch schwer brennbare Stoffe entsteht Rauch, der zu Vergiftungen führen kann. Auch Pappe ist ungeeignet, weil sie viel Asche produziert und den Schornstein verrußt. Bevor der Kamin nach dem Sommer wieder in Betrieb genommen wird, sollte der Schornsteinfeger prüfen, ob der Abzug frei ist. Eine Wartung einmal im Jahr ist Pflicht.

Genehmigungsfrei sind „Design-Feuerstellen“, die mit Bioethanol betrieben werden. Schornsteinfeger Skrobek empfiehlt jedoch, die Gebrauchsanleitung ganz genau zu studieren und Vorsicht walten zu lassen. „Durch die Hitze und die Abgase können bei unsachgemäßem Gebrauch Unfälle passieren“, warnt er. In jedem Fall entfällt das Holzschleppen und -stapeln – allerdings auch das schöne Prasseln.

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