Immobilien : Sehnsucht nach Wärme

Unsere Baugruppe muss eine Entscheidung treffen: Wie soll der Kreuzberger Neubau beheizt werden?

Ulrike Heitmüller

Wieder: Kreuzberg, Möckernstraße, die Baulücke. Hier will unsere Baugruppe ihr Mehrfamilienhaus bauen. Das Haus soll neun Wohnungen haben, vier sind inzwischen fest reserviert: So viele Bauherren haben unterschrieben und ihr Eintrittsgeld bezahlt.

Inzwischen hat sich die Baugemeinschaft für einen neuen Energiestandard entschieden. „Wir erfüllen jetzt die Anforderungen für KfW-60“, sagt Initiator Alois Albert. Das bedeutet: Ein Viertel weniger Energieverbrauch. Ursprünglich hatten Architekt und Baugruppe ihr Haus gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEV) geplant. Der EnEV zufolge hätte ihr Haus im Jahr 80 Kilowattstunden Primärenergie pro Quadratmeter Nutzungsfläche verbrauchen dürfen. Nun soll nach KfW-60-Standard gebaut werden, also für einen Energieverbrauch von 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Außerdem muss der Energieverlust um mindestens 30 Prozent unter dem Wert liegen, der laut EnEV erlaubt wäre. Das heißt: gute Dämmung, sparsame Heizung.

Das ist nicht ganz einfach. Gerade in der Innenstadt gibt es Wichtigeres, als wenig zu heizen, findet Architekt Albert. Große Fenster zum Beispiel – zum Energiesparen braucht man kleine. Und das will man gerade am Park natürlich nicht. Trotzdem haben die Gespräche mit dem Statiker und dem Haustechniker ergeben: Der KfW-60-Standard ist machbar. Das ist gut für die Umwelt und das Wohngeld, sagt der Architekt. Das gefällt auch dem Berliner Senat: In Deutschland werden vierzig Prozent der verbrauchten Energie dazu verwendet, Wohnungen zu heizen und Wasser zu wärmen , heißt es in der Schrift der Senatorin für Stadtentwicklung zum Landesenergieprogramm in Berlin, Heizenergie bietet hierzulande also das wichtigste Energiesparpotenzial.

Unsere Baugruppe diskutiert nun, welche Heizung eingebaut wird. Klar war von Anfang an: keine reine Gaszentralheizung. Vielleicht ein Blockheizkraftwerk? Inzwischen gibt es zwei neue Möglichkeiten: Fernwärme oder Geothermie.

Bei Fernwärme nutzt man die Energie, die in einem Kraftwerk quasi als Abfallprodukt anfällt. Denn dort wird eigentlich Strom produziert, nebenher aber auch Wärme. Und mit dieser kann man heizen. „Je mehr Leute bei Fernwärme mitmachen, desto besser wird die Anlage genutzt“, sagt Albert. Das Verfahren hat eine sehr gute umweltmäßige Bewertung und stellt einen guten Anlagewert dar. Praktisch: In Berlin- Mitte steht das nach Angaben der Betreiber modernste Heizkraftwerk Europas, es verbrennt Erdgas, und 90 Prozent der dabei frei werdenden Energie werden genutzt um zu heizen.

Zweite Möglichkeit für unsere Baugruppe: Erdwärme oder Geothermie heißt die Wärme, die im äußeren Teil der Erdkruste gespeichert ist und genutzt werden kann. Sie ist eine langfristig nutzbare regenerative Energiequelle. Albert erklärt die Nutzung für ein Mehrfamilienhaus: Man bohrt ein Loch 99 Meter tief in den Boden, baut ein Ringleitungssystem ein und entzieht der Erde Wärme, indem man in dem System Wasser erwärmt. Ideal für die Baugruppe, denn dort ist Fußbodenheizung geplant. Die braucht nur eine niedrige Heiztemperatur, bei Fußbodenheizung liegt der Standard bei 24 Grad. Das bedeutet fast kostenlose Energie, wenn Erdwärme genutzt wird. Dafür ist die Anlage sehr teuer in der Anschaffung. Und man braucht zur Warmwasserbereitung zusätzlich noch eine Gaszentralheizung.

Einer der Bauherren weiß schon, was er am liebsten hätte. Edgar Endrukaitis ist Umweltexperte: „Erdwärme rechnet sich sehr bald, vielleicht erst in zehn Jahren, aber wahrscheinlich schneller. In den vergangenen Jahren ist der Ölpreis von 30 auf 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Wenn das so weitergeht, dann rentiert sich eine derartige Anlage schon in wenigen Jahren.“

Gegenüber der Heizungsfrage ist die Isolierung der Tiefgarage fast einfach: Die Garage ragt an einer Seite etwa zehn Meter über das Haus hinaus – unterirdisch natürlich. Durch das Gewicht des Hauses wird sie ungleichmäßig belastet. Außerdem muss sie isoliert werden, denn der Grundwasserspiegel in Berlin steigt seit ein paar Jahrzehnten wieder. Also muss die Tiefgarage versiegelt werden. Aber wie? Eine große Bodenplatte unter Haus und Tiefgarage? „Das wäre wie eine superdichte große Wanne, aber für die Statik kompliziert“, sagt Alois Albert. Also muss man wohl beides einzeln versiegeln. Dadurch aber entsteht eine Fuge. Und die muss von Anfang an wirklich gut gearbeitet sein – denn da kommt man nachher nicht mehr dran.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben