Immobilien : Selbstverständlich ökologisch Anlaufstellen und Tipps für umweltbewusste Bauherren

Ralf Köpke

„Wer heute baut“, sagt Dirk Mobers, „kommt an der seit Februar 2002 gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) nicht vorbei.“ Der Mann von der Wupper leitet bei der Energieagentur Nordrhein-Westfalen ( www.ea-nrw.de ) die Abteilung ’BauenundEnergie‘. Das Regelwerk, das die früheren Wärmeschutz- und Heizanlagenverordnungen zusammenfasst, lege für Neubauten den Niedrigenergiehaus-Standard fest. Das heißt, der jährlich Energiebedarf darf einen Verbrauch von 70 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche nicht übersteigen, verständlicher ausgedrückt: sieben Liter Heizöl müssen reichen.

Um diese Obergrenze einzuhalten, empfiehlt Mobers auf die Luftdichtigkeit des Gebäudekörpers zu achten und beim Bau Wärmebrücken zu vermeiden. Für den notwendigen Luftaustausch sollte eine mechanische Lüftungsanlage eingebaut werden. „Denn Haubesitzern fehlt es oft an Zeit, regelmäßig für Frischluft zu sorgen“, weiß Mobers aus seiner Beratungspraxis. Sein Tipp: Wer schon an den Einbau einer Lüftungsanlage denkt, der sollte gleich eine Wärmerückgewinnungsanlage einplanen. Diese zweige aus der Abwärme Energie ab. „Und wer so weit geht, sollte gleich über den Bau eines Passivhauses nachdenken“, so Mobers.

Ähnliches muss swohl auch die LBS Westdeutsche Landesbausparkasse in Münster ( www.lbs.de bietet Beratungen und Tipps und kurze Wege zu Berliner Filialen) im Sinn gehabt haben: Sie hat im westfälischen Lüdinghausen ein Demonstrationshaus in Passivhaustechnik gebaut. Das hat Signalcharakter für die künftige Bausparförderung. So sieht das LBS-Sprecher Heinz Westphal: „Das Passivhaus senkt energetische Betriebskosten auf ein Minimum. Deshalb wird es sich zum Neubau-Standard entwickeln.“

Passivhäuser brauchen eine entsprechende Haustechnik. „In einem energieeffizienten Haus bin ich mit einem überdimensionierten Kessel fehl am Platze“, sagt Energieexperte Mobers aus Wuppertal. Welcher Brennstoff dann eingesetzt wird, hänge immer vom lokalen und regionalen Angebot ab. „Wenn in einer Straße Gas liegt, dann ist ein Gasbrennwertkessel ein Muss, da der energetische Wirkungsgrad am höchsten liegt“, so Mobers. „Das ist Stand der Technik“, sagt auch Hartmut Murschall. Er betreut im Düsseldorfer Wohnungs- und Städtebauministerium das Projekt ’50 Solarsiedlungen NRW‘. Darunter sind auch Projekte, die auf Einzelöfen verzichten und von Nahwärmezentralen versorgt werden – unter Klimaschutzaspekten eine empfehlenswerte Lösung.

Zu den unlängst noch bahnbrechenden, heute üblichen Techniken zählen auch Solaranlagen. So sind allein 2002 bundesweit mehr als 900000 Quadratmeter Kollektorfläche installiert worden. Der Einsatz von Flach- oder Vakuumkollektoren dürfte potenziellen Bauherren um so leichter fallen, da es für diese Ökotechnik nach wie vor Zuschüsse gibt. So unterstützen zahlreiche Stadtwerke, einige Bundesländer und auch der Bund über das „Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien“ ( www.bafa.de ) den Kauf solarthermischer Anlagen.

Fördergelder gibt es auch für Öfen und Kessel, die auf den Brennstoff Holz setzen. Importiert aus der Schweiz und aus Österreich gewinnen auch hier zu Lande Holzpellets, zylindrische Presslinge aus Säge- und Hobelwerkabfällen, an Beliebtheit. Die Pelletsöfen heutiger Generation sind längst nicht mehr mit den bullernden Kanonenöfen von anno Tobak zu vergleichen. Mit einer vollautomatischen Beschickungsanlage bieten sie einen hohen Komfort. Als Handarbeit bleibt ab und zu das Leeren des Aschekastens.

Auch Hans Löffard, der in Köln ein Ingenieurbüro für Bauökologie leitet ( www.holzenergieplus.de ), rät dringend, schon heute bei allen Neubauten regenerative Energieträger einzusetzen: „So billig wie heute werden die fossilen Energieträger wie Öl und Gas nie mehr sein.“ Die absehbaren Preissteigerungen sollte jeder Bauherr bei der ökologischen Grundausstattung seines Haus mitberechnen. „Unter dem Strich wird er dann feststellen, dass ein Ökohaus heute nicht mehr kostet als ein konventionelles Einfamilienhaus“, sagt Löffard.

Deshalb rät der Bauökologe auch zum Einsatz von Holz und Lehm. Neubauten in Holzständerbauweise haben mittlerweile ihren Exoten-Touch verloren. „Und dass Lehm ein natürliches Beschichtungsmittel für die Innenwände ist, wussten schon die alten Ägypter“, so Löffard. Keine Diskussionen gibt es in Expertenkreisen, dass die beliebten Parkettböden unter Umweltgesichtspunkten am besten mit Bienenwachs oder Leinölen gepflegt werden. „Beim Hausbau gibt es heute für fast alles eine ökologische Alternative“, betont Löffard, der jüngst ein Buch mit dem Titel ’Das global recyclingfähige Haus‘ vorgelegt hat. Heute ein zukunftsfähiges Haus zu bauen, sei keine Frage der Kosten, sondern des Bewusstseins.

Der Leitfaden zum ökologisch orientierten Bauen im Netz: www.umweltbundesamt.de

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