Seniorenresidenzen als Anlagetipp : Pflegeimmobilien: 300 000 Betten zu wenig

Bedarf wächst bis 2030 kontinuierlich an.

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Der Bedarf an Pflegeheimen ist bereits jetzt groß. Doch er wird in den kommenden Jahren immer höher werden.
Der Bedarf an Pflegeheimen ist bereits jetzt groß. Doch er wird in den kommenden Jahren immer höher werden.Patrick Pleul/ dpa


Privatanleger blicken in eine vage Zukunft. Unsicherheitsfaktoren sind der Brexit mit seinen noch unklaren Konsequenzen für die Anlagemärkte auf der einen und die Nullzinspolitik auf der anderen Seite . „Wohin nur mit dem Geld?“ – das fragen sich viele. Gleichzeitig schreitet die Singularisierung der Gesellschaft voran, die – demografisch gesehen – immer älter wird. So sind Pflegeimmobilien und Seniorenresidenzen derzeit ein heißer Anlagetipp, der nach wie vor attraktive Renditemöglichkeiten verspricht. Je nach Objekt kann die Rendite zwischen 3,9 und 5,5 Prozent liegen, teilt das unabhängige Portal marktplatz-pflegeimmobilie.de mit.

Die Nische für Pflegeimmobilien wird zwar breiter, machte bisher aber nur einen Anteil von bis zu drei Prozent am gesamten gewerblichen Transaktionsvolumen aus. Laut einer aktuellen Studie des börsennotierten Immobiliendienstleisters Savills und des Beratungsunternehmens D&S Healthcare werden bis 2030 in Deutschland circa 300 000 zusätzliche Plätze in Pflegeheimen benötigt.

Dieser Bedarf ist inzwischen nicht nur von Statistikern erkannt. Der gemeinsamen Studie von Savilles und D&S Healthcare zufolge verzeichnete der Investmentmarkt für Pflegeimmobilien im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Transaktionsvolumen in Höhe von gut 750 Millionen Euro. Das ist mehr, als im gesamten vergangenen Jahr mit Pflegeimmobilien umgesetzt wurde. Die Konsolidierung der Betreiber werde voranschreiten, glauben die Verfasser der Studie.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 800 000 Pflegebetten

Laut Studie habe die französische Korian-Gruppe im Jahr 2015 mit fast 230 Einrichtungen und rund 25 000 Betten 3,1 Prozent Marktanteil erreicht und sei damit zum größten Anbieter aufgestiegen. Der Auslastungsgrad der Pflegeheime variiere dabei sehr stark: Von den Top-10-Anbietern erreichten nur die Johanniter einen Wert von über 95 Prozent. Nur in weniger als der Hälfte aller Standorte, in denen die größten 20 Betreiber tätig sind, steigt die Bevölkerungszahl. Auf Pflegeimmobilien entfielen im ersten Halbjahr 4,2 Prozent des Transaktionsvolumens mit deutschen Gewerbeimmobilien. So hoch war der Anteil noch nie.

Derzeit gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland rund 800 000 Pflegebetten in mehr als 13 000 Einrichtungen.

Lohnunterschiede und unterschiedlich hohe Förderungen bewirken erhebliches Preisgefälle

Die Branche ist durch ein erhebliches Preisgefälle gekennzeichnet. Für einen Pflegeplatz in der Pflegestufe II schwanken die vom selbst zahlenden Bewohner aufzubringenden Entgelte (nach Abzug aller Erstattungen der Pflegekassen) zwischen 1080 Euro pro Monat und 2320 Euro pro Monat, die der teuerste Betreiber der Top 20 verlangte. Die Spanne wird auf die Lohnunterschiede in den einzelnen Regionen und auf die unterschiedlich hohen Förderungen beim Bau zurückgeführt. Anders als in Amerika wird der Markt aber (noch) nicht von einzelnen gewerblichen Betreibern dominiert.

Wie bei jedem Investment gibt es Punkte, die vorab zu beachten sind, um die Risiken einer Investition so gering wie möglich zu halten. Im Gegensatz zu einem Investment in Pflegeimmobilien und Seniorenresidenzen über einen Fonds können Direktanleger zusätzlich zu Rendite und Mietzahlungen ein sogenanntes bevorzugtes Belegungsrecht für sich und nahe Angehörige erhalten. „Wer in eine Pflegeimmobilie investiert, genießt in zweifacher Hinsicht eine Altersvorsorge“, sagt Patrick Holze vom Portal marktplatz-pflegeimmobilie.de. „Zum einen erhält er Einnahmen, zum anderen verkürzt er die Wartezeit auf einen Pflegeheimplatz, wenn dieser notwendig ist.“ Die Einrichtung, deren Lage und den Betreiber sollten Käufer vorab gründlich prüfen.

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