Serie: Berliner Quartiere (4): Mitte : Moderner Luxus in historischer Kulisse

Im Herzen der Stadt regieren die Gegensätze - ein reizvolles Pflaster für Investoren. In Mitte entstehen mehr hochwertige Wohnungen als in jedem anderen Bezirk. Bis zu 11 500 Euro kostet der Quadratmeter.

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„Dorothea’s Place“ in der Dorotheenstraße hinter dem Maxim-Gorki-Theater. Für das edle Wohnensemble mit 13 Einheiten beginnen beginnen gerade die Bauarbeiten.
„Dorothea’s Place“ in der Dorotheenstraße hinter dem Maxim-Gorki-Theater. Für das edle Wohnensemble mit 13 Einheiten beginnen...Promo (Diamonds & Harnisch)

Es könnte das letzte Mal sein, dass sich Weihnachtsbuden auf dem Parkplatz an der westlichen Seite der Friedrichswerderschen Kirche ausbreiten. Das Bauschild zumindest steht schon da: Die Berliner Bauwert Investment Group kündigt den Baubeginn für die „Kronprinzengärten“ an: 11 500 Quadratmeter Wohn-, Atelier- und Geschäftsfläche sollen in mehreren Gebäuden entstehen und – wie es Bauwert-Sprecher Henning Hausmann ausdrückt – „nach Fertigstellung im Jahre 2013 ein grünes Refugium in schönster historischer Lage sein“.

Auch ein teures Refugium wird es sein. Zwar teilt die Bauwert noch keine Preise mit; aber dass es sich um ausgesprochen hochwertige Wohnungen handeln wird, steht angesichts der exklusiven Lage und der strengen Planungsauflagen bereits fest. Damit stehen die „Kronprinzengärten“ jedoch nicht alleine da: Im Altbezirk Mitte werden mehr gehobene Wohnungen gebaut als in jedem anderen Stadtteil. Rund 800 waren es einer Untersuchung des Instituts Bulwien Gesa zufolge Mitte dieses Jahres; weitere tausend sind in Planung.

Allerdings sind keineswegs alle diese Projekte Selbstläufer. Das zeigen wiederum die „Kronprinzengärten“: Die Bauwert ist nämlich bereits der dritte Investor, der sich an dem Vorhaben versucht. Zwei Vorgänger, die das Projekt unter dem Namen „Falkoniergasse“ (so heißt die historische Straße, die wieder entstehen soll) entwickelten, mussten vor der Herausforderung kapitulieren.

Auch östlich der Friedrichswerderschen Kirche tat sich lange nichts. Jetzt aber haben die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der Liegenschaftsfonds Berlin ein 4800 Quadratmeter großes Grundstück zum Verkauf ausgeschrieben. Es handelt sich um die Grünfläche zwischen der Friedrichswerderschen Kirche, der Attrappe der Bauakademie und der vor einigen Jahren rekonstruierten Kommandantur. Bis 1996 stand auf einem Teil des Areals das DDR-Außenministerium.

Bis zum 14. Januar 2011 haben nun Kaufinteressenten die Möglichkeit, ihr Gebot für eine der sieben Parzellen abzugeben. Klassische Häuslebauer können sich die Mühe aber sparen: Der Bodenrichtwert beträgt 2900 Euro pro Quadratmeter, und von den künftigen Bauherren der fünfstöckigen Wohn- und Geschäftshäuser wird die Durchführung eines architektonischen Realisierungswettbewerbs verlangt.

Bessere Chancen haben Eigennutzer in jenem Teil von Mitte, der lange nicht im Brennpunkt der Aufmerksamkeit stand: im Grenzbereich zu Kreuzberg, wo der ehemalige Mauerstreifen noch immer unübersehbar ist. In diesem Monat feierten die Berliner Groth-Gruppe und die niederländische Reggeborgh-Gruppe Richtfest für das Neubauvorhaben „Wohnen am Spittelmarkt“. Zwischen Neuer Grünstraße, Seydelstraße und Elisabeth- Mara-Straße entstehen in sechs Gebäuden 53 Eigentums- und 43 Mietwohnungen. „Das Vermarktungsergebnis übertrifft unsere Erwartungen“, sagt Firmenchef Klaus Groth. Knapp 80 Prozent der Eigentumswohnungen sind zu Preisen zwischen 2400 und 3400 Euro pro Quadratmeter verkauft. Für die Mietwohnungen strebt Groth eine Kaltmiete von zehn bis 13,50 Euro pro Quadratmeter an. Auch sonst wird in der Nähe des einstigen Mauerstreifens fleißig gebaut. In der Dresdener Straße 34–35 nähern sich die „Engelgärten“ der Vollendung: fünf Häuser mit 77 Eigentumswohnungen, von denen gut die Hälfte verkauft ist.

Die "Choriner Höfe" an der Grenze zu Prenzlauer Berg sollen eine Geothermieanlage erhalten.
Die "Choriner Höfe" an der Grenze zu Prenzlauer Berg sollen eine Geothermieanlage erhalten.Promo (Schweger Associated Architects)

Von 2950 bis zu 6500 Euro pro Quadratmeter bewegt sich die Preisspanne in den „Choriner Höfen“, die im Norden von Mitte, an der Grenze zu Prenzlauer Berg, entstehen. „Über 70 Prozent der 130 Wohnungen sind vermarktet“, sagt Karl Zeller, Vertriebsleiter der Investorenpartnerschaft Diamona & Harnisch. Neben den üblichen Annehmlichkeiten moderner Wohnungen verfügen die „Choriner Höfe“ über eine Geothermieanlage, die eine umweltfreundliche Energieversorgung gewährleisten soll.

Noch edler wird es in der Behrenstraße. Gegenüber der Komischen Oper investiert die Frankonia Eurobau AG zusammen mit einem Partner 70 Millionen Euro in das Palais Theising und das Palais Behrens. Das Vorhaben, das Ende 2012 fertiggestellt sein soll, umfasst das denkmalgeschützte Bestandsgebäude an der Ecke Behrenstraße/Glinkastraße und einen Neubau am Standort eines zum Abriss bestimmten Parkhauses. Neben Büros sollen 27 Eigentumswohnungen entstehen. Und obwohl diese rund 6000 Euro pro Quadratmeter kosten, war noch vor dem Baustart rund die Hälfte davon verkauft.

Doch es geht noch teurer. 7460 Euro pro Quadratmeter verlangt das Unternehmen Artprojekt für ein Penthouse in „Dorothea’s Place“, einem kleinen, feinen Neubau mit 13 Wohnungen in der Dorotheenstraße hinter dem Maxim- Gorki-Theater. Nur zwei Einheiten sind nach Angaben des Bauherrn noch zu haben.

Sogar bis zu 11 500 Euro pro Quadratmeter kosten die Apartments, welche die Schweizer Peach Property Group neben dem Berliner Ensemble errichtet. Auch ein Hotel und Büroflächen gehören zum Projekt. Die Schweizer setzen bei der Vermarktung auf die Strahlkraft des Namens des Designers Philippe Starck, der die Wohnungen unter der Marke „yoo berlin“ konzipiert. Unter den Käufern, berichtet Peach-Chef Thomas Wolfensberger, seien viele Ausländer, die in Berlin einen Zweitwohnsitz haben wollten.

Für die Peach Property Group wird es nach dem Willen Wolfensbergers nicht das letzte Projekt in Mitte sein. „Berlin-Mitte hat einen ganz anderen Lebensgeist als etablierte Lagen“, sagt der Schweizer. „Hier können wir einen Tick experimentierfreudiger sein als woanders, da wir auf eine aufgeschlossene, internationale Kundschaft treffen.“

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