Service : In WGs regelt sich beim Auszug nichts von selbst

Vor dem Einzug in eine Wohngemeinschaft sollte man die mietrechtliche Lage kennen. Nur so weiß man, wer gegenüber dem Vermieter haftet.

Thomas Voigt (ddp)

Einst in den späten 60er Jahren von der Studentenbewegung als politisch-alternative Lebensform erfunden, ist das Wohnen in einer Wohngemeinschaft – oder kurz WG – für viele junge Menschen während des Studiums oder der Ausbildung längst eine Selbstverständlichkeit. Und immer mehr Menschen aus der ersten WG-Generation der heute 50- bis 60-Jährigen finden sich nach dem Auszug ihrer Kinder oder einer Trennung vom Partner erneut in WGs zusammen.

Vor dem Einzug in eine Wohngemeinschaft sollte man aber die mietrechtliche Lage kennen, sagt Jens Jeep, Co-Autor des Ratgebers „Das WG-Buch“. „Für Wohngemeinschaften bestehen grundsätzlich zwei Rechtsmodelle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen“, erklärt Gert Brauer, Vorsitzender des Bremer Mieterschutzbunds. Im ersten Fall gibt es einen Hauptmieter und mehrere Untermieter. Hier haftet allein der Hauptmieter gegenüber dem Vermieter für die Miete. An ihn zahlen alle anderen ihren Mietanteil und nur der Hauptmieter kann einzelnen Mitgliedern kündigen. „Diese Lösung ist die einfachste“, erläutert Brauer: „Sie zieht aber mit sich, dass die anderen WG-Mitglieder vom Hauptmieter abhängig sind.“

Im zweiten Fall treten alle Mitglieder der Wohngemeinschaft gegenüber dem Vermieter als Hauptmieter auf. Dann hat jedes Mitglied einen Vertrag mit dem Vermieter, den es aber nicht allein kündigen kann. „Auch der Vermieter kann einem einzelnen Mitglied nicht kündigen, sondern nur der gesamten Wohngemeinschaft, wenn es dafür einen gesetzlich anerkannten Kündigungsgrund gibt“, sagt der Bremer Experte. Der größte Nachteil dieses Modells sei jedoch, dass – sofern es im Mietvertrag nicht ausdrücklich anders vereinbart sei – jedes einzelne Mitglied als Gesamtschuldner für die Miete hafte. Stehen also einzelne Zimmer vorübergehend leer, weil ein Mitglied ausgezogen und ein Nachfolger noch nicht gefunden ist, müssen die anderen mitzahlen. In jedem Fall bildet eine WG im juristischen Sinn eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ (GbR). Vor allem im zweiten Modell mit mehreren Hauptmietern sei also dringend zu empfehlen, dass die einzelnen WG-Mitglieder einen schriftlichem Vertrag schließen. Darin sollte zunächst festgehalten sein, wer welche Miete auf welches Konto zahlt, mit welcher Frist einzelne Mitglieder kündigen können und mit welchem Mehrheitsverhältnis die WG ihrerseits einzelnen Mitgliedern kündigen kann. Ebenso gehören nach Brauers Worten die Modalitäten bei der Vergabe frei werdender Zimmer in den Vertrag sowie eine Regelung darüber, wie lange ein Mitglied auch nach dem Auszug weiter zahlen muss, wenn die WG aufgelöst wird.

Im Untermietmodell müssen die WG-Mitglieder gegenüber dem Hauptmieter kündigen, wenn sie ausziehen wollen, und nur der Hauptmieter kann einen Vertrag mit dem Nachmieter abschließen. Im Hauptmietmodell kann die Kündigung für Mitbewohner nach Brauers Angaben aber noch viel komplizierter werden: „Dort gibt es für einen einzelnen Bewohner keine Möglichkeit, auch gegenüber dem Vermieter juristisch unanfechtbar aus dem Mietvertrag und damit auch aus der Zahlungsverpflichtung herauszukommen.“ Thomas Voigt (ddp)

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