Smart City : Tegel wird Tech Republik

Ins Terminal soll die Beuth-Hochschule ziehen. Drum herum werden Forscher und Unternehmer an der Stadt der Zukunft arbeiten. Platz fürs Wohnen ist am Rande im Kurt-Schumacher-Quartier.

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So könnten die Hangars in der künftigen Urban Tech Republik aussehen.
So könnten die Hangars in der künftigen Urban Tech Republik aussehen.Visualisierung: gbp-Architekten

Vorausgesetzt der Berliner Senat findet die derzeit fehlenden 25 Millionen Euro, wird es 2018 losgehen. Dann wird der Flughafen Tegel zur Berlin TXL Urban Tech Republic – ein Industrie- und Forschungspark für urbane Technologien.

Ursprünglich hatten die Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg in Tegel zwei sechseckige Zentralgebäude für den Flughafen geplant. Gebaut wurde am Ende nur ein Sechseck. Dennoch ist das Hauptgebäude nach wie vor architektonisch modern und soll Herzstück eines zukunftsweisenden Stadtteils werden.

Geplant ist, dass auf 495 Hektar verschiedene Quartiere entwickelt werden, wo Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen an der Stadt der Zukunft arbeiten. Neben der Beuth-Hochschule, die in das TXL-Sechseck einziehen wird, sollen sich nach dem Vorbild von Adlershof in der Urban Tech Republic 800 Unternehmen, Start-ups und Institute ansiedeln, die sich mit Industrie 4.0 und Smart Cities befassen – Technologien, dieStädte zukunftsfähiger und nachhaltiger machen.

Arbeit und Wohnen für Tausende Menschen

Außerdem sollen am östlichen Zipfel das Kurt-Schumacher-Quartier (KSQ) mit Wohnungen entstehen, vor allem bezahlbarer Wohnraum, der in Berlin mehr als dringend benötigt wird. Am Ende sollen dann auf dem ehemaligen Flughafengelände und im angrenzenden KSQ 5000 Menschen ein Zuhause finden, 5000 Studierende die Hörsäle und Seminarräume füllen und 15.000 Menschen Arbeit haben.

Eine Visualisierung von Terminal D, dem zukünftigen Basecamp von Berlin TXL.
Eine Visualisierung von Terminal D, dem zukünftigen Basecamp von Berlin TXL.Visualisierung: GRAFT Gesellschaft von Architekten

Ein ehrgeiziges Ziel. Aber eines, das es lohnt zu verfolgen. „Denn irgendwann wird Adlershof dicht sein“, sagt Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Außerdem werden in Berlin die Büroflächen knapp – etwas, das man so vor wenigen Jahren nicht erwartet hatte.“

Eine positive Entwicklung, die für Berlin als wachsenden Wirtschaftsstandort spricht. Zudem eignet sich das Gelände rund um das TXL-Terminal für Industrie und Produktion in einem urbanen Umfeld. Auch das spricht für den Standort. Insofern signalisieren einige Unternehmen bereits Interesse an einer Ansiedlung, so Pallgen. Aber das ist in Anbetracht der Tatsache, dass unklar ist, wann der Flugbetrieb in Tegel eingestellt wird, noch Zukunftsmusik.

Außerdem hat der Senat im neuen Haushalt das Budget für die Urban Tech Republik TXL halbiert. Das wirft die Pläne zurück.

Zukunftsweisende Bauprojekte

Dass ausgerechnet in Berlin nun dieser Hub für urbane Technologien entstehen soll, kommt nicht von ungefähr. Schon heute ist die deutsche Hauptstadt als innovative Stadt bekannt, deren Start-up-Sektor mittlerweile mehr Kapital anzieht als die Konkurrenz in London.

Außerdem profiliert sich Berlin mit interessanten, teils experimentellen und zukunftsweisenden Bauprojekten und Stadtplanungskonzepten, die zur Attraktivität der Stadt beitragen. Ein Beispiel dafür ist das Holzmarkt-Dorf, das von der Holzmarktgenossenschaft zusammen mit der Genossenschaft für urbane Kreativität am Spreeufer gebaut wird.

Hier entstehen derzeit eine neue Veranstaltungshalle, eine Kita, ein Musikerhaus und ein Restaurant direkt am Spreeufer - vieles davon aus dem innovativen Baustoff Holz. Geplant sind außerdem das „Eckwerk“, ein architektonisch innovatives Gründerzentrum kombiniert mit studentischem Wohnen und professioneller Landwirtschaft auf den Dachflächen. Gepaart mit dem innerstädtischen Bürgerpark des Mörchenpark-Vereins soll hier ein visionäres und nachhaltiges Quartier realisiert werden.

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