Smart Home : Der Kühlschrank als Kommunikator

Smarter Wohnen mit WLAN, Bluetooth und Ethernet wird in Hamburg wahr.

Jürgen Hoffmann
Hinter der Gründerzeitfassade wird das Internet der Dinge Wirklichkeit: Im Hamburger Apartimentum hat jedes Gerät eine eigene Webadresse und kann darüber ferngesteuert werden.
Hinter der Gründerzeitfassade wird das Internet der Dinge Wirklichkeit: Im Hamburger Apartimentum hat jedes Gerät eine eigene...Grafik: Promo

Am Mittelweg/Ecke Badestraße im vornehmen Hamburger Stadtteil Rotherbaum steht nur noch die Fassade eines Gründerzeithauses. Anders aber als beim legendären Potemkinschen Dorf befinden sich hinter der Front des sechsstöckigen Gebäudes an der Außenalster 37 neue, luxuriöse Wohnungen. Die sind zwar noch nicht ganz fertiggestellt, sollen ab Oktober aber vermögende Mieter, vor allem „C-Level-Expats“, also auswärtige Manager, die vorübergehend in Hamburg tätig sind, beherbergen – Mieter auf Zeit.

Das ist eine Besonderheit des „Apartimentum“, wie Bauherr Lars Hinrichs sein Objekt getauft hat: Zu mieten sind die 65- bis 240-Quadratmeter Wohnungen nur für mindestens sechs und höchstens 48 Monate. Hinrichs, der vor sechs Jahren das von ihm gegründete Soziale Netzwerk Xing für 48 Millionen Euro an den Burda-Verlag verkaufte, spekuliert wohl auf weiter steigende Mieten zwischen Mittelweg und Alsterufer. Unbefristete Verträge wären da hinderlich.

Beim Internet-Millionär heißt Miete allerdings „Flatrate“ und wird nicht pro Quadrat-, sondern pro Kubikmeter berechnet. Das macht bei einer großzügigen Wohnungsdeckenhöhe von 3,70 Meter 16 bis 17 Euro pro „Kubikmeter Lebensqualität“ aus. Klingt jedenfalls besser als 40 Euro pro Quadratmeter. Dafür wird für die Flatrate allerdings auch deutlich mehr geboten als nur nackter Wohnraum.

Selbstlernender Thermostat erinnert sich an die Gewohnheiten der Mieter

Eine zweite Besonderheit des Hauses: Bluetooth, Ethernet, WLAN und Multifunktionstaster. Der Fahrstuhl kommt an und die Wohnungstür öffnet sich, wenn der Bewohner sich mit seinem Smartphone nähert, neben jeder Zimmertür ist ein iPad montiert; die DHL-Paketstation im Erdgeschoss schickt eine E-Mail, wenn eine Sendung eingetroffen ist; die Badewanne, in der man auch unter Wasser Musik hören kann, lässt sich ferngesteuert befüllen; der Kühlschrank meldet, wenn das Haltbarkeitsdatum der Milch abgelaufen ist; ein Sensor misst den CO2-Gehalt der Raumluft und lässt bei schlechten Werten die Schreibtischlampe blinken.

Jedes Gerät in der Wohnung hat eine eigene Web- oder IP- Adresse und kann via Web sowie neun verschiedene Apps angesteuert werden. Das Internet der Dinge – im Apartimentum wird es ab Herbst Realität.

Das Smart Home von Lars Hinrichs soll nicht nur komfortabler sein als jedes andere, sondern auch sparsam. So wird beispielsweise ein selbstlernender Thermostat eingebaut, der die Verhaltensmuster der Bewohner erkennt. Ist „Er“ oder „Sie“ am Wochenende nicht zu Hause, wird die Heizung automatisch heruntergefahren.

„Das Apartment soll auf den Bewohner und seine Bedürfnisse reagieren“, erläutert Hinrichs. Und damit nicht genug: Der ambitionierte Unternehmer hat in der Tiefgarage seines futuristischen Wohnhauses für bisher 16 von 32 Stellplätzen „Deutschlands größte Elektroauto-Tankstelle“ eingerichtet. Derlei Installationen sind anscheinend nicht nur ökologischer Anstrich, die Hinrichs seinem Apartimentum verpasst, sondern tatsächlich eine Gewissensangelegenheit des Tesla-Elektroautofahrers: „Mit moderner Haustechnik können wir alle etwas für die Umwelt tun.“

Das Effizienzhaus Plus erzeugt mehr Energie, als es verbraucht

Ökologisch sinnvoll bauen und wohnen will nicht nur Hinrichs. Im Berliner Effizienzhaus Plus, 2011 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in der Fasanenstraße 87 a errichtet, werden verschiedene Technologien im Bereich Energieeffizienz und Hausautomation erprobt. Auch wenn bisher nicht alle Erwartungen erfüllt wurden, eine Erkenntnis ist: Die Stromerträge aus den Photovoltaikanlagen an der Fassade und auf dem Dach übersteigen deutlich die für den Gebäudebetrieb benötigte Energie.

Das liegt auch an modernen Hausgeräten. „Durch sie und intelligente Regelsysteme lassen sich die Energiekosten im Haushalt erheblich senken“, erläutert Rudolf Sonnemann, Geschäftsführer von Stiebel Eltron. „Die Wärmepumpe springt beispielsweise immer dann an und lädt den thermischen Speicher auf, wenn besonders viel Strom im Netz und deshalb gerade günstig ist.“ Die Sonne scheint, der Wind weht – Regler auf!

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