Immobilien : Sondereinsatz Denkmal

Feuerwehrleute trainierten in der Wache in Alt-Lietzow. Dann übernahm der Malteser-Hilfsdienst das Gebäude. Der Umbau zum Seminarcenter erforderte Ideen und Geschick

Gideon Heimann

Neubauten energiesparend zu entwerfen und zu errichten, ist schon nicht ganz so einfach – aber was, wenn es sich um einen Altbau handelt, der saniert werden soll, um ein Gebäude, das sogar unter Denkmalschutz steht? Was kann man tun, wenn nicht nur die Optik innen wie außen weitestgehend erhalten bleiben soll, sondern auch die künftige Nutzung ganz besondere Anforderungen stellt? Nun, am Beispiel eines Teils der ehemaligen Feuerwache in Alt-Lietzow wird erkennbar, dass es mit Hilfe moderner Technik durchaus möglich ist, die Ansprüche miteinander zu vereinbaren.

Kernstück des 1903 errichteten Gebäudes ist ein 110 Quadratmeter großer und zwölf Meter hoher Saal, der ursprünglich von den Feuerwehrleuten fürs Training genutzt wurde. Zudem wurden hier die bei einem Brand genutzten Schläuche zum Trocknen aufgehängt. Ein Teil der Fassade ist mit einer Holzverschalung versehen, die das Simulieren von Gefahren und das Bergen von Verletzten unter Einsatzbedingungen ermöglichte. Als die Architektengemeinschaft Großmann&Vassella 2002 im Auftrag des jetzigen Nutzers, des Malteser-Hilfsdienstes, damit begann, Pläne zum Umbau des Raumes für Veranstaltungen und Seminare zu entwerfen, war er lange Zeit als Materiallager genutzt worden.

Dieser Umbau musste behutsam vonstatten gehen, der Blick auf das mit Kalksandsteinen gefüllte Fachwerk sollte innen wie außen erhalten bleiben, auch die Balken des beeindruckenden Dachstuhls blieben frei sichtbar. Die Wände konnten also weder mit dickem Dämmmaterial, noch mit groß dimensionierten Heizkörpern verstellt werden. Und da der Saal nebst seinen Vorräumen nicht ständig genutzt wird, sondern nur hin und wieder für Veranstaltungen, muss die Heizung schnell reagieren können.

Unmögliche Anforderungen? Nicht für moderne Technik. Allessandro Vassella setzte zwei jeweils etwa einen guten Meter breite Deckenstrahlplatten in den unteren Dachbereich. Die von Fernheizungs-Warmwasser durchflossenen, weiß lackierten Metallkörper ziehen sich fast über die gesamte Länge des Saales, sie strahlen die Energie nach unten ab. Überdies sind sie schräg installiert, damit sie die Raumakustik nicht stören. Die Dachflächen, noch etliche Meter darüber, wurden gut isoliert.

Aber warme Luft steigt doch nach oben, sie sammelt sich unter dem Dach, während es dann unten lange kalt bleibt? Aus diesem Grund ließ der Architekt überdies eine elektronisch gesteuerte, zugfreie Umluftanlage einbauen. Sie zieht oben die warme, verbrauchte Luft ab, führt sie durch einen Wärmetauscher nach draußen, während die darin erhitzte Frischluft dem Saal durch Auslässe in Bodennähe wieder zugeführt wird. Gemeinsam mit den Deckenstrahlern wird der Raum auch bei Kälte in gut einer Stunde auf angenehme Temperatur gebracht.

Im heißen Sommer dient die Anlage der Klimatisierung. Sobald die Außentemperatur nachts unter den Wert innen fällt, pustet sie Frischluft hinein und kühlt den Saal. Die Wände bleiben dann auch tagsüber entsprechend kühler, das Raumklima angenehm.

An den Wänden konnte aus optischen Gründen nichts zur Wärmedämmung getan werden, wobei die Nordseite aus 50 Zentimeter dickem Mauerwerk (Südseite nur zwölf Zentimeter) besteht. Aber wenigstens die Fenster isolieren nun hoch effizient. Es sind die für Berliner Bauten typischen Kastenfenster, die an den Innenflügeln zudem mit Zweischeiben-Isolierglas versehen sind.

Energiesparend ausgelegt wurde auch die Beleuchtungsanlage, es sind überall nur Leuchtstofflampen installiert. Die meisten von ihnen sind eher unauffällig in die Dachbalken integriert. Alles ist mit einer aufwändigen Regelungselektronik gekoppelt, so dass die Lichtmenge nicht nur gedimmt, sondern auch an die Erfordernisse der jeweiligen Veranstaltung angepasst werden kann.

Fast ebenso interessant wie der gelungene Umbau der einstigen Halle ist die Geschichte der gesamten Anlage. Lietzow an der Spree war ja die Keimzelle Charlottenburgs, das dann freilich durch das benachbarte Schloss stärker zu wachsen begann. Johann Arnold Nehring erbaute es im Jahr 1699. 1888 jedenfalls musste ein entsprechend großes Gebäude für die Feuerwehr errichtet werden. So entstand der Hauptbau an der Straße Alt-Lietzow, am ursprünglichen Dorfanger. Ockerfarbene und rote Ziegel wurden dafür verwandt.

1903 jedoch war wieder alles zu klein. Der sich nach Norden erstreckende Hof wurde erweitert, zusätzliche Remisen und Lager entstanden, aber eben auch jenes Gebäude fürs Training. Gleich daran anschließend, zum Lüdtgeweg hin, fügte man noch ein Beamten-Wohnhaus hinzu.

Diesmal jedoch kamen keine gebrannten Tonziegel zum Einsatz, sondern ein neuer Werkstoff: Kalksandstein. Die Idee, Kalk und Sand miteinander zu vermengen und zu Steinen zu pressen, war zwar nicht neu. Doch erst in den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts gelang es, Steine anzufertigen, die auch den Belastungen größerer Häuser standhielten. Kostengünstiger als Tonziegel waren sie ebenfalls, denn sie brauchten nicht tagelang in der Gluthitze gebrannt, sondern nur unter Dampf gesetzt zu werden. Und da in den über 100 Jahren seither zwar viel damit gebaut, aber ebenso viel wieder abgerissen wurde, gilt die Sporthalle der Brandschützer nun als ältestes noch vorhandenes Gebäude deutschlandweit, das mit Kalksandsteinen errichtet wurde.

Vor etwa 20 Jahren brauchte die Berliner Feuerwehr erneut größere Anlagen, jene in Alt-Lietzow wurden frei. Der Malteser-Hilfsdienst übernahm sie und nutzt sie nun für seinen Rettungswagen-Fuhrpark, für Büros, Lehrgänge und karitative Einrichtungen. Im Obergeschoss des Hauptgebäudes befindet sich außerdem der Berliner Amtssitz des Botschafters vom Malteserorden.

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