SONDERTHEMA ENERGIEBEWUSST BAUEN Wie Branchenkenner die Zukunft einschätzen : Nicht nur eine Frage des Preises

Lohnt sich nachhaltiges (Um-)Bauen? Wir haben Immobilien-Profis zum großen Trend befragt

Christian Hunziker

Blickt man auf die Immobilienmesse Expo Real vergangene Woche in München zurück, so wird deutlich: Das Thema Nachhaltigkeit im Gebäudebereich ist derzeit bei den Profis ausgesprochen angesagt. So gab es auf der Messe gleich zwei prestigeträchtige Preise in diesem Zusammenhang zu gewinnen. Deshalb darf sich der portugiesische Einkaufszentren-Spezialist Sonae Sierra, in Berlin durch das Alexa bekannt, über den „Green Thinker Award“ freuen: Sonae Sierra, so die Jury, sei der nachhaltigste Immobilienentwickler in Europa. Der Metro-Konzern wurde mit dem „Prime Property Award“ ausgezeichnet – für sein Istanbuler Einkaufszentrum Meydan, das Erdwärme-Nutzung und eins der größten Gründächer der Welt bietet.

„Endlich ist auch die Immobilienwirtschaft beim Thema Energieeffizienz und Ressourcenschonung angekommen“, konstatiert Stefan Albert von der Geschäftsleitung des Immobiliendienstleisters Aengevelt. Noch aber bilden seiner Einschätzung nach energieeffiziente Gebäude im gewerblichen Umfeld die Ausnahme. Dabei steht für den Fachmann fest, dass „geringere Nebenkosten und die Begrenzung des wirtschaftlichen Risikos explosionsartig steigender Energiekosten“ künftig immer wichtiger werden.

Auch Rainer Eichholz, Chef der Projektentwicklungssparte bei Hochtief, ist überzeugt, dass ökologische Aspekte gerade aus wirtschaftlicher Sicht eine immer entscheidendere Bedeutung bekommen werden. „Große Unternehmen, Banken und Fonds erkennen, dass Nachhaltigkeit ein Wertfaktor ist“, sagt Eichholz.

Die Bedeutung der Ökologie schon länger entdeckt hat die Wohnungswirtschaft. So schloss der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) im vergangenen Jahr ein Klimaschutzabkommen mit dem Senat. Darin verpflichten sich die Vermieter, die CO2-Emissionen ihrer rund 700 000 Wohnungen bis 2010 gegenüber dem Stand von 2006 um 106 000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren.

Natürlich handeln die Wohnungseigentümer nicht nur aus idealistischen Gründen. „Den Wohnungsunternehmen geht es vor allem um die Bekämpfung des Betriebskostenanstiegs und dadurch um eine Verbesserung der Vermietbarkeit ihrer Wohnungen“, sagt BBU-Vorstand Ludwig Burkardt. Dabei ruft er dazu auf, bei den Investitionen auf Effizienz zu achten. Denn: „Jeder investierte Euro muss gegenfinanziert werden.“

Bleibt noch das Problem, dass Eigentümer oft für Umbauten allein zahlen, während Nutzer oder Mieter durch sinkende Betriebskosten profitieren. Zwar darf ein Vermieter, der die Fassade dämmt, jährlich elf Prozent der Kosten auf die Miete umlegen. Aber: „Eigentümer bleiben beispielsweise auf den Kosten sitzen, wenn sie die Energieversorgung des Hauses auf klimafreundliche Quellen umstellen“, moniert Jens-Ulrich Kießling, Präsident des Maklerverbandes IVD. „Denn nur bei sogenannten Modernisierungsmaßnahmen ist es zulässig, dass ein Teil des Aufwands auf die Miete umgelegt wird.“ „Wichtig für Mieter ist, dass unter dem Strich die Warmmiete nicht steigt, sondern sogar sinkt“, sagt dazu Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips. Gleichzeitig kritisiert der Mieterbund „Trägheit und Investitionsunlust bei Eigentümern und Vermietern“ und fordert konkrete gesetzliche Vorgaben, in welchem Umfang die Energieeffizienz von Wohngebäuden erhöht werden soll.

Auf ein verstärktes Engagement der Eigentümer hofft auch die Bauindustrie: Eine Studie der Deutschen Bank kommt zum Schluss, dass der Klimaschutz in Deutschland bis zum Jahr 2030 zusätzliche Bauaufgaben im Umfang von bis zu 340 Milliarden Euro auslösen könnten.

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