Immobilien : Sparen am richtigen Ende

Energiesparhaus, Passivhaus, Drei-Liter-Haus: Was steckt hinter den Etiketten der Anbieter?

Jutta Burmeister

Wenn Gas- und Heizölpreise in Schwindel erregende Höhen klettern, wächst bei vielen Bauherren der Wunsch nach einem energiesparenden Haus. Doch das Angebot ist verwirrend: Fast alle Hersteller werben mit Energiespar-, Passiv- oder 3-Liter-Häusern – obwohl die Heiz- und Verbrauchswerte oft völlig verschieden sind. „Nur wenn der Energiebedarf eines Hauses über mehrere Jahre gemessen wird, sind seriöse Aussagen möglich“, sagt Hans Erhorn, Abteilungsleiter Wärmetechnik am Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart. Die Ergebnisse eines derartigen Forschungsvorhabens zum Energiesparhaus hat das IPB jetzt erstmalig vorgestellt.

Zwei Jahre lang wurden der Verbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung sowie das Verhalten der Bewohner untersucht und bis zu 80 Messwerte erfasst. Angelegt war das Projekt ursprünglich als Wettstreit zwischen elf Energiesparhäusern verschiedener Hersteller . Doch am Ende realisierte nur die Firma Haacke und Haacke GmbH zwei Häuser auf dem Gelände in Celle. „Beide Testhäuser haben die Vorgaben der Energieeinsparverordnung deutlich unterschritten“, zieht Erhorn Bilanz. Im Ergebnis verbrauchte die Heizung im so genannten Stadthaus 33,5 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr an Energie, die Stadtvilla kam auf lediglich 18,5 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Der Wärmebedarf eines konventionellen Hauses ist fünf- bis sechsmal so hoch.

Wird der komplette Energiebedarf des Hauses einschließlich der Warmwasserbereitung und nicht nur die Heizung betrachtet, liegt die Stadtvilla bei 54,6 Kilowattstunden. Damit erfüllt sie die Kriterien eines von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geförderten „Energiesparhauses 60“, das höchstens 60 Kilowattstunden verbrauchen darf. Maximal 40 Kilowattstunden sind dagegen beim „Energiesparhaus 40“ zulässig (siehe Kasten), während die Energieeinsparverordnung, die sich ebenfalls am Gesamtenergiewert eines Hauses orientiert, immerhin von bis zu 108 Kilowattstunden für Neubauten ausgeht.

Durchgesetzt hat sich außerdem die Bezeichnung 3-Liter-Haus. Damit sind Gebäude mit einem Heizenergiebedarf von etwa 30 Kilowattstunden gemeint: Dies entspricht in etwa dem Energiegehalt von drei Litern Heizöl. Die Bezeichnung „Passivhaus“ dagegen wird von Fachleuten ausschließlich für einen besonderen Typ von Energiesparhaus verwendet: Kriterien sind extrem gut gedämmte Bauteile und Fenster, eine luftdichte Gebäudehülle, die Nutzung von Solarenergie sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Herkömmliche Heizkörper gibt es bei Passivhäusern nicht mehr.

Auch die getestete Haacke-Villa verfügt neben Gasbrennwerttherme, Solarthermie und Erdkollektor über eine automatische Lüftungstechnik. Dabei wird die verbrauchte Luft über einen Wärmetauscher geleitet, die Wärme der Abluft an die frische Zuluft übertragen. Vorteile sind hygienische Luftverhältnisse ohne Schadstoffe, Feuchtigkeit oder Pollen und natürlich ein geringerer Energieverbrauch. Nur bei extremen Wetterverhältnissen habe die vorhandene Zusatzheizung in Betrieb genommen werden müssen, so Erhorn. Dennoch sei noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, gibt Haacke-Geschäftsführer Detlef Bühmann zu bedenken. Viele Kunden möchten nämlich nicht auf das Öffnen der Fenster verzichten – was aber während der Heizperiode ratsam sei. Außerdem werde die kontrollierte Lüftung noch allzu oft mit einer Klimaanlage verwechselt.

Überzeugt werden müssen Bauherren außerdem von den etwa 1,5 bis 2 Prozent höheren Baukosten. Zwar lasse sich durch die niedrigen Heizkosten Geld sparen, doch viele Bauherren kalkulierten vor allem mit den Herstellungskosten, weiß Jürgen Friedrichs, Vorstandsmitglied beim Bauherrenschutzbund. Auf jeden Fall sollte vorrangig in den baulichen Wärmeschutz des Hauses investiert werden, rät Bühmann: „Nachrüstungen sind mit sehr hohen Kosten verbunden.“ Die Heizungstechnik dagegen müsse sowieso nach 20 bis 25 Jahren erneuert werden.

Weil die Werte, die ein Passivhaus erreichen soll, nicht verbindlich geregelt sind und Anbieter deshalb ohne Risiko einen bestimmten Standard versprechen können, rät der Verband privater Bauherren, sich im Vertrag unbedingt konkrete Heiz- und Verbrauchswerte garantieren zu lassen. Auch ein so genannter Blower-Door-Test, mit dem die Luftdichtheit der Gebäudehülle geprüft wird, sollte verbindlich geregelt werden. Schließlich ist eine sorgfältige Planung aller Baudetails notwendig: Wenn Holz sich bewegt, Silikon reißt und Schaum porös wird, verschlechtert sich die Dichtigkeit – und damit die Energiebilanz. Umgekehrt kann der Energiebedarf aber auch sinken, weil Massivhäuser erst austrocknen müssen. Nicht zuletzt sollte der Bauherr sorgfältig prüfen, welche Energieart er wählt. Heimische und nachhaltige Brennstoffe wie Holzpellets sind zwar fast CO2-neutral und kostengünstig im Verbrauch. Dafür sei die Anschaffung der Technik aber relativ teuer und das Heizen mit Holz führe zudem zu einer Belastung mit Feinstaub, so Erhorn.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben