Start-ups für Effizienzpreis nominiert : Spielerisch Energie sparen

Zwei Berliner Unternehmen haben neue Lösungen für Energieeffizienz in Gebäuden. Enffi setzt auf den Spieltrieb der Nutzer seiner App, SmartB hat auf einen besonders schlauen Zähler entwickelt.

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Die Visualisierung von Energieverbrauchsdaten gehört zum Service von SmartB.
Die Visualisierung von Energieverbrauchsdaten gehört zum Service von SmartB.Foto: SmartB/Carolin Weinkopf

Zwei Berliner Start-ups, die sich mit Energiesparen in Gebäuden beschäftigen, sind für den Perpetuum-Preis der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) nominiert worden. Das eine Unternehmen hat eine Smartphone-App entwickelt, die dabei hilft, den Energieverbrauch im Privathaushalt zu reduzieren. Das andere analysiert den Stromverbrauch in Gewerbeimmobilien mit einem selbst entwickelten Zähler und einer neuen Software.

Den Spieltrieb beim Sparer wollen die drei Gründer von Enffi wecken. „Ich wohnte in Dänemark mit einigen Kollegen in baugleichen Dienstwohnungen. Beim Vergleich des Energieverbrauchs fiel mir auf, dass die Unterschiede nur auf ein anderes Nutzungsverhalten zurückzuführen sein konnten“, sagt der Ingenieur Chris Menzel. Er hatte eine Zeit am Deutschen Passivhaus Institut gearbeitet und war dadurch für das Thema Energiesparen sensibilisiert.

Jetzt hat Menzel mit dem Pädagogen und Soziologen Max Bohm sowie dem Mathematiker Gerrit Begher eine Smartphone-App für Zuhause entwickelt. Zunächst scannt man mit dem Handy den Zählerstand. Dann tritt der Algorithmus von Enffi auf den Plan. „Er macht verschiedene Wohnsituationen vergleichbar und zeigt die persönliche Effizienz an. Über eine Spielfigur kann man sich Ziele setzen, Freunde herausfordern und individuelle Tipps abholen“, erklärt Menzel.

Mit der App von Enffi braucht man nicht einmal einen neuen digitalen Stromzähler, um seinen Verbrauch zu überwachen. Ein alter Drehstromzähler tut es auch.
Mit der App von Enffi braucht man nicht einmal einen neuen digitalen Stromzähler, um seinen Verbrauch zu überwachen. Ein alter...Foto: Jens Wolf/dpa

Der spielerische Ansatz soll die User motivieren, sich dauerhaft mit dem Thema Energie zu beschäftigen. Energieeffizienz in den sozialen Kontext zu stellen, versucht in den USA das Start-up Bidgely. „Der Vergleich auf sozialer Ebene wirkt sehr motivierend, die Potentiale für den breiten Einsatz dieses Mechanismus sind enorm“, sagt Chris Menzel. Verschiedene Studien würden die Einsparungen durch Verhaltensänderungen auf 5 bis 20 Prozent beziffern – und das ohne Komfortverluste.

Ein Höhepunkt in der kurzen Unternehmensgeschichte war für ihn die Verleihung eines EXIST-Gründerstipendiums aus dem Wirtschaftsministerium, sagt Menzel. So konnten die drei Gründer sich der Entwicklung ihres Produktes in Vollzeit widmen. Neben der Nominierung für den Perpetuum-Preis ist Enffi in den Top 3 für den Energy App of the Year Award und in den Top 10 für den Green-Tec Award. Und das obwohl sie noch kein Produkt am Markt haben, sondern noch in der Beta-Test-Phase sind. Der Marktstart soll im zweiten Quartal 2016 folgen.

Muster im Stromfluss entlarven große Verbraucher

Während Enffi Energiesparen allein mit einer Softwarelösung möglich macht, hat SmartB einen speziellen Zähler entwickelt. Er wird nach dem eigentlichen Zähler in den Gewerbebetrieben aufgesetzt, die Kunden von SmartB sind. Der Strom muss dafür nicht unterbrochen werden.

SmartB kann aus den Mustern im Stromverbrauch eine tiefgehende Analyse des Energieverbrauchs erstellen. Aus den Ein- und Ausschaltsignalen, den Unterschieden im Verbrauch oder sogenannten Oberschwingungen erkennt die nachgeschaltete Software den Energieverbrauch bis hinunter zur Geräteebene und visualisiert ihn.

„Bei der Mustererkennung arbeiten wir weltweit eng mit Experten aus der universitären Forschung zusammen, um das Thema gemeinsam voranzutreiben“, sagt Gründerin Urte Zahn. Sie war zuvor bei IBM im Bereich Außenhandel, Marketing und Energiemanagement tätig.

SmartB leitet sie zusammen mit Marco Blumendorf, der an der TU Berlin im Bereich Smart Environments promovierte. Dahinter steht das Konzept, dass die sichtbare Welt verwoben ist mit Sensoren, Schaltern und Displays, die in alltägliche Objekte eingebettet und durch ein Netzwerk verbunden sind.

Acht weitere Nominierte machen Gebäude energieeffizienter

Die Daten, die SmartB bei den Kunden sammelt, werden dreifach verschlüsselt: auf dem Zähler, bei der Übertragung und auf der Plattform des Unternehmens. Dort werden sie für Kaufleute und Techniker verständlich aufbereitet.

Neben den reinen Kennzahlen liefert die Firma auch Vergleiche mit anderen Unternehmern – Benchmarking heißt das in der Betriebswirtschaft – und sucht nach Einsparpotenzialen. Dazu arbeitet SmartB mit den Energiemanagern in den Unternehmen oder mit externen Energieberatern zusammen. Wie bei Enffi ist das alles nicht Selbstzweck, sondern soll einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.

Finanziert wird SmartB mit Wagniskapital des Bauunternehmens Bilfinger sowie aus Mitteln der KfW. 21 Mitarbeiter hat das Unternehmen bereits, zu den Kunden in Berlin gehört beispielsweise BASF. Einnahmen kommen aus dem Verkauf des Zählers sowie einer Servicegebühr für die Software. Möglicherweise will SmartB später einmal auch Pay-as-you- save-Modelle probieren – die Nutzer zahlen also einen Anteil des Ersparten. Genau so will Enffi später einmal Geld verdienen.

Die anderen acht Nominierten für den Preis sind 3M Window Films (Folientechnologie für Glas), die Deutsche Lichtmiete (Vermietung von LED-Lichtanlagen), EnergyPages (Energieeffizienz in industriellen Prozessen), Grundfos (hydraulischer Abgleich), Jaske & Wolf Verfahrenstechnik (Abwasserwärmenutzung), MSF Vathauer Antriebstechnik (Energy-Recovery-System), Ottensmeier Ingenieure (bidirektionales kaltes Nahwärmenetz) und die Vollack GmbH (Büro-Passivhaus in Baden-Württemberg).

Vergeben wird der Perpetuum-Preis am 24. Februar bei der Jahresauftaktkonferenz der Deneff.

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