Steglitz-Zehlendorf : Gut – und daher nicht günstig

In den begehrten Wohnlagen im Südwesten der Stadt wird kräftig gebaut. Vor allem für Käufer.

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Jörn von der Lieth ist der Stolz anzusehen: Der erste Neubau, den die von ihm geleitete Hilfswerksiedlung seit 15 Jahren errichtet hat, ist fertig. 15 Mietwohnungen sind im Ramsteinweg 23 in Zehlendorf-Süd entstanden. Von den Balkonen schweift der Blick über den großzügigen begrünten Innenhof, und auch die Ausstattung der Zwei- und Zweieinhalbzimmerwohnungen lässt mit Fußbodenheizung und bodentiefen Fenstern wenig zu wünschen übrig. 9,70 Euro pro Quadratmeter beträgt die Miete. „Im Durchschnitt sind die Mieter um die 60 Jahre alt“, sagt Objektbetreuerin Janina Klein. „Aber es gibt auch jüngere Bewohner. Wir achten auf eine gute Durchmischung.“

Dass in Steglitz-Zehlendorf Mietwohnungen entstehen, ist die Ausnahme. Denn in der Regel handelt es sich bei den Neubauvorhaben im Bezirk um Eigentumswohnungen. „Steglitz-Zehlendorf ist das Berliner Synonym für gute Wohnlagen“, hält die Investitionsbank Berlin (IBB) in ihrem jüngsten Wohnungsmarktbericht fest. Bevorzugte Gegenden wie Dahlem, Lichterfelde und Nikolassee gehören zu diesem Bezirk. „Der Südwesten Berlins“, bestätigt Thomas Hocke, Niederlassungsleiter Berlin der Project-Gruppe, „verfügt über eine gute Infrastruktur, eine sehr hohe Kaufkraft und sichere, bürgerliche, gewachsene Mikrolagen, die die Wertstabilität gekaufter Immobilien gewährleisten.“

Die Nürnberger Project-Gruppe gehört zu den aktivsten Projektentwicklern im Bezirk. So errichtet sie momentan zwischen S-Bahnhof Südende und Teltowkanal die Südendterrassen: 22 Eigentumswohnungen für Preise zwischen 3320 und 4760 Euro pro Quadratmeter, von denen gut zwei Drittel verkauft sind. Ebenfalls in Steglitz, in der Albrechtstraße 112a/113, entstehen die Steglitzer Höfe, ein Ensemble mit sechs Häusern und 67 Eigentumswohnungen, die in der Spitze knapp 5000 Euro pro Quadratmeter kosten. Größtes Vorhaben der Nürnberger ist die Alte Gärtnerei in der Sundgauer Straße. Der Verkauf der 111 Wohnungen hat vor wenigen Wochen begonnen, wobei die Preise – der Lage entsprechend – zwischen 4750 und 6120 Euro pro Quadratmeter betragen.

Im Umfeld des U-Bahnhofs Oskar-Helene-Heim nehmen gleich drei Großprojekte Gestalt an: die Umwandlung des ehemaligen US-Hauptquartiers in eine Wohnanlage („The Metropolitan Gardens“), die Bebauung der einstigen Truman Plaza („Fünf Morgen Dahlem Urban Village“) und die Wohnbebauung auf dem Areal des ehemaligen Krankenhauses Oskar-Helene-Heim. Für diesen Oskar-Helene-Park hat jetzt der Vertrieb begonnen; eine 142 Quadratmeter große Erdgeschosswohnung beispielsweise kostet 649 000 Euro.

Endlich los geht es auch bei einem weiteren Großprojekt, dem Cedelia, das Hochtief Projektentwicklung und Kondor Wessels auf dem Grundstück der ehemaligen Von-Steuben-Kaserne im Dahlemer Weg realisieren. Eigentlich wollte man viel früher anfangen, doch planungsrechtliche Schwierigkeiten kamen dazwischen. „Seit Beginn des Verfahrens für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan hat sich die Gesetzgebung bezüglich der Lärmemissionen verschärft“, erläutert Gabriele Stegers, Pressesprecherin von Hochtief Projektentwicklung. Die nötigen Umplanungen dauerten. Nun entstehen 134 Eigentumswohnungen, die zwischen 2700 und 4400 Euro pro Quadratmeter kosten und zu knapp 60 Prozent verkauft sind. Hinzu kommen 146 Mietwohnungen, die ein ungenannter institutioneller Investor im Paket erworben hat. Fertig werden soll Cedelia 2017.

Ebenfalls nicht reibungslos läuft es für das Projekt Paulinum Dahlem des Unternehmens Diamona & Harnisch. Angekündigter Vertriebsstart für die 61 Wohnungen am Reichensteiner Weg war vor gut einem Jahr. Jetzt heißt es auf der Internetseite des Projekts: „Unser Paulinum Dahlem befindet sich in der Überarbeitung.“ Zu den Gründen wollte sich das Unternehmen unter Verweis auf das Baugenehmigungsverfahren nicht äußern. Karl- Georg Wellmann, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Steglitz-Zehlendorf, ist auskunftsfreudiger: Es habe „heftige Proteste der Anwohner bezüglich der architektonischen Gestaltung der Neubauten und Baumassen gegeben“, heißt es auf seiner Homepage. Ihm und dem CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Heilmann sei es gelungen, den Investor zu einer Überarbeitung der Pläne zu bewegen.

Die Baugenehmigung bereits in der Hand hält Diamona & Harnisch hingegen für ein anderes Projekt im Bezirk: das vom Architekten Klaus Theo Brenner entworfene Schlachtensee-Carré. Bis Ende 2015 entstehen nahe dem Schlachtensee 72 Wohnungen zu einem Durchschnittspreis von 4950 Euro pro Quadratmeter. Angesprochen würden vor allem Familien und ältere Paare, denen ihr Haus zu groß geworden sei, heißt es beim Projektentwickler. „Vor allem ältere Menschen tauschen das eigene Haus zunehmend gern gegen eine barrierearme Wohnung“, bestätigt Makler Nikolaus Ziegert, der Inhaber von Ziegert Bank- und Immobilienconsulting. „Auch im Südwesten gibt es einen Trend zur Urbanisierung.“

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