Immobilien : Studie sieht deutsche Immobilien im Zenit Sparkassenverband: Vergleiche mit USA unzulässig

Volumen ausgeschöpft? 
Volumen ausgeschöpft? Foto: Schwäbisch Hall

Wer Merkmale einer Immobilienblase sucht, wird schnell fündig. In München brechen Wohnungspreise Jahr für Jahr Rekorde. In die Mieterstadt Berlin fallen wohlsituierte Aufkäufer aus Skandinavien oder Südeuropa ein und verängstigen Mieter. Der Markt boomt, weil vielen Menschen in der Schuldenkrise ein Haus sicherer erscheint als Aktien oder Anleihen. Doch nun winken erste Experten ab: Der Zenit sei erreicht, der Markt stabilisiere sich, bevor sich eine echte Blase bilde.

„Wir erwarten, dass der Höhepunkt beim Erwerb selbst genutzter Immobilien überschritten ist“, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, in dieser Woche bei der Präsentation der jährlichen Umfrage „Vermögensbarometer“ und fügte hinzu: „Die Lage an den Immobilienmärkten ist nicht mehr so, dass jedes Engagement ein Gutes ist.“ Das hätten auch die Käufer erkannt. Mehr als 2000 Bundesbürger befragt der DSGV jährlich in einer repräsentativen Umfrage, um den finanziellen Status der Verbraucher näher zu beleuchten.

Zwar sind Immobilien weiterhin angesehen. 45 Prozent der befragten Menschen sehen Häuser und Wohnungen als idealen Beitrag zum Aufbau eigenen Vermögens. Dann erst folgen Lebensversicherungen (35 Prozent) und Bausparverträge (28 Prozent). Die Nachfrage könnte trotz dieses guten Images aber sinken. Die Riester-Rente verlor weiter an Beliebtheit. Nur noch 13 Prozent (minus fünf Prozent) finden, sie eigne sich gut für den Vermögensaufbau.

Viele potenzielle Käufer sind schon in den Markt eingestiegen. 48 Prozent der Befragten sagen, sie würden bereits eine selbst genutzte Immobilie zur Vermögenssicherung in Anspruch nehmen. Vor einem Jahr waren es erst 41 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Interessenten: 30 Prozent der Menschen gaben an, einen Hauskauf zu planen. Ein Rückgang von sechs Prozentpunkten.

Diese Zurückhaltung würde Mahner wie den neuen Finanzchef der Allianz, Maximilian Zimmerer, widerlegen. Der warnte in der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Blase wäre nicht von Großanlegern getrieben, sondern eher von Privatanlegern, die Inflation und einen Kollaps des Euro fürchten und in Sachwerte flüchten.“ Niedrige Zinsen führten zu einer Fehlsteuerung von Investments. „Das haben die Immobilienblasen in den USA, Spanien oder Irland gezeigt.“ Der Vergleich sei nicht zulässig, hält der Chefvolkswirt des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Patrick Steinpaß, entgegen.

„In Irland und Spanien stieg das Kreditvolumen für Immobilienkäufe um bis zu 20 Prozent – Jahr für Jahr.“ In Deutschland gebe es Steigerungen von drei bis vier Prozent. Und für die Hauptstadt gelte das schon gar nicht: „Berlin bewegt sich erst allmählich in Richtung Normalität.“ Der Maklerverband IVD mag schon aus eigenem Interesse weder Blase noch Stagnation erkennen. Es gehe um einen „lebendigen Markt“ mit einer „linearen Preisentwicklung“ und Preis- und Mietsteigerungen von drei bis vier Prozent pro Jahr, sagt Jürgen Michael Schick vom Immobilienverband Deutschland.

Auch die Landesbausparkassen sehen trotz aktuell noch hoher Nachfrage eine leicht nachlassende Begeisterung. Das Angebot werde knapper und teurer, so Ivonn Kappel von der Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen. Daher sähen „die Interessenten ihre Kaufabsichten mittelfristig jetzt nicht mehr ganz so euphorisch wie 2011“. dpa

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