Immobilien : Symbol für Beständigkeit: Eiben

Christa Beurton

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche herausgegebene Zusammenstellung besonders sehenswerter Pflanzen, die im Freigelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Freigelände. Eindrucksvoll stehen sie da, die Beeren-Eiben (Taxus baccata) am Wegrand vor dem Schauhauskomplex. Genau vor dem Eingang zum Großen Tropenhaus weichen sie auseinander und geben den Blick frei auf den Italienischen Garten. An einigen der prächtigen alten Pflanzen mit ihren dunkelgrünen Nadeln sind noch Samen, umringt von einem fleischigen roten Mantel zu finden. An anderen fallen rundliche, dicht gepackte Knospen längs der Unterseite der vorjährigen Triebe auf. Es sind männliche Pflanzen, deren Blütenknospen aus basalen Blättchen bestehen, die eine größere Anzahl schildförmiger Staubblätter einhüllen. Bald streckt sich der kleine Kurztrieb und im Februar erkennt man schließlich die Staubblätter mit ihren sechs bis acht hängenden, gelbgefärbten Pollensäcken. Wird der reife Blütenstaub entlassen, ist die Umgebung des Tropenhauses gelblich bepudert. Die winzigen, einzeln am Kurztrieb stehenden, grünlichen Samenanlagen der weiblichen Bäume fangen die Pollenkörner mittels eines klebriger Tropfens ein. Der Samenmantel schwillt langsam an, umringt den Samen und färbt sich im September / Oktober leuchtend scharlachrot. Er lockt Vögel an, die den Samen samt ihrer Umhüllung verspeisen, die Hülle verdauen, den Samen wieder ausscheiden und so verbreiten. Diese so genannten „Beerenzapfen“ und die schildförmigen Staubblätter sind charakteristisch für alle Vertreter der Eibengewächse. Bei den Nuss-Eiben ist der Samen dabei völlig vom grünen, gefleckten oder rotbraunen Samenmantel umwachsen.

Eiben enthalten in fast allen Teilen ein lebensgefährliches Alkaloid-Gemisch, das bei Mensch und Haustier Magen-Darm-Katarrh, Atemlähmung und Herzstillstand hervorrufen kann.

Die langsam wachsende Beeren-Eibe ist im Lauf der Jahrhunderte trotz ihres Ausschlagvermögens selten geworden. Ortsnamen wie Eibenstock, Eibsee, Iburg, Eiberswalde lassen ahnen, dass die Art früher weit verbreitet war. Ihr elastisches, dichtes, schweres Holz wurde schon in vorgeschichtlichen Zeiten genutzt, diente im Mittelalter vor allem zur Herstellung von Waffen (Bögen und Armbrüsten). Spätere Verwendungszwecke waren friedlicherer Natur. Besonders der dekorative rotbraune Kern wurde zum Möbelbau, als Furnierholz, oder zum Blasinstrumentenbau eingesetzt.

Eiben galten alt Symbol für Beständigkeit und ewiges Leben. Als Zeichen der Hoffnung wurden sie auf Friedhöfe gepflanzt, wo sie heute vielerorts durch Modepflanzen wie Lebensbäume und Blaufichten verdrängt sind. In England ist die Eibe geradezu typisch für Friedhöfe und viele Eiben mit hohem Alter (bis 1000 Jahre) sind dort keine Seltenheit. Auch im Botanischen Garten sind die Eiben vor den Gewächshäusern älter als die meisten anderen Bäume im Garten. Diese so genannten Kurfürsten-Eiben wurden 1907 aus dem alten Schöneberger Garten nach Dahlem verpflanzt.

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