Immobilien : Teurer Müll in der Prignitz

Die Preise von Ver- und Entsorgern in Brandenburg liegen weit auseinander

Jutta Burmeister

Wer in Wriezen wohnt, zahlt für die Abfallentsorgung jährlich gut 200 Euro weniger als ein Perleberger. Preisunterschiede von mehreren hundert Prozent zwischen verschiedenen Ver- und Entsorgern sind in Brandenburg keine Seltenheit. In einer Datenbank hat der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) deshalb die Preise von 62 Städten erfasst, für Müllabfuhr, Strom, Straßenreinigung, Fernwärme, Wasser und Gas sowie die Grundsteuerhebesätze. Aufgenommen wurden außerdem die Tarife in Berlin sowie in elf weiteren deutschen Städten. Berlin gehört dabei fast überall zu den billigeren Kommunen (Der Tagesspiegel berichtete). Nur beim Wasser und beim Grundsteuerhebesatz ist die Hauptstadt Spitzenreiter.

„Die Übersicht hilft den Wohnungsunternehmen bei Preisverhandlungen mit den Versorgern“, so BBU-Vorstandsmitglied Ludwig Burkardt. Werden dadurch die Preise gesenkt – wie in Wittenberge oder Cottbus – profitieren auch die Mieter. Bisher seien viele Verbraucher zu duldsam, klagt Burkardt. Die Versorgungsunternehmen könnten deshalb oft unkritisiert hohe Tarife beschließen – auch, weil vielerorts Konkurrenz fehlt.



Müllentsorgung:
Je Kubikmeter sind im Landkreis Prignitz 72,25 Euro zu zahlen, in Rüdersdorf, Strausberg, Wriezen oder Freienwalde jedoch nur 19,41 Euro. Der Brandenburger Durchschnittspreis beträgt 46,79 Euro und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie der Tarif der Berliner Stadtreinigung (21,74 Euro).



Straßenreinigung:
Wegen der komplizierten Tarifstruktur ist ein Vergleich der Kosten nur bedingt möglich. Geht man von einer einheitlichen Frontlänge des Grundstücks von 80 Metern aus, ist in Hennigsdorf (8,16 Euro je Meter im Jahr) das Saubermachen 15 Mal teurer als in Wildau (0,53 Euro). Der Schnitt liegt in Brandenburg bei 2,47 Euro, in Berlin bei 3,71 Euro.

Strom: Zwar fallen die Preisspannen beim Strom geringer aus, doch muss etwa ein Zwei-Personen-Haushalt in Bad Liebenwerda bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2,5 Megawattstunden im Jahr gut 112 Euro mehr aufbringen als einer in Strausberg. In Berlin kostet die Megawattstunde beim Versorger Vattenfall im Tarif Klassik 206,57 Euro, in Brandenburg sind es im Schnitt 226,30 Euro.



Wasser/Abwasser:
An der Spitze steht Luckau mit 7,60 Euro je Kubikmeter – dies sind 50 Prozent mehr als der ohnehin schon hohe Durchschnittspreis in Brandenburg. Am günstigsten ist Vetschau mit 3,46 Euro (Berlin: 5,09 Euro).

Fernwärme: Mit 123,49 Euro ist die Megawattstunde in Hennigsdorf doppelt so teuer wie in Spremberg (61,21 Euro). Der Schnitt liegt bei 95,07 Euro, in Berlin sind – ebenfalls bei Vattenfall – 65,96 Euro zu zahlen.



Gas:
Cottbus ist mit 68,47 Euro je Megawattstunde am teuersten, in Templin werden rund 15 Euro weniger verlangt (Berlin: 55,31 Euro). Im Schnitt liegt der Brandenburger Preis bei 59,94 Euro.



Grundsteuer:
Der Hebesatz ist mit 493 Prozent in Potsdam am höchsten und mit 300 Prozent in Brandenburg, Zehdenick und Kleinmachnow am niedrigsten. An der Spitze steht – auch im Vergleich zu Städten außerhalb Brandenburgs – Berlin mit 810 Prozent.Jutta Burmeister

Die Datenbank kann im Internet eingesehen werden unter www.bbu.de.

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