Immobilien : Tropische Schönheiten

Hakenlilien lieben Wärme und gedeihen bei guter Pflege prächtig in Kübeln oder Trögen

Tassilo Wengel

Zu den prachtvollsten Blumenzwiebelpflanzen gehören Hakenlilien (Crinum). Doch wegen ihrer Größe, den hohen Pflegeansprüchen und den Standortbedingungen findet man die meisten Arten nur in Botanischen Gärten. Dennoch gibt es ein paar Züchtungen und Arten, die auch der Hobby-Gärtner kultivieren kann.

Die Gattung gehört zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und umfasst etwa 100 Arten. Ihre Verbreitung erstreckt sich auf die tropischen und subtropischen Gebiete von Asien über Afrika bis Amerika sowie auf einige bekannte Inseln wie die Seychellen oder Mauritius. Die Pflanzen wachsen vor allem an Ufern von Flüssen oder Seen, aber auch auf trockenen Wiesen, die zu bestimmten Jahreszeiten überschwemmt werden. Aus diesen unterschiedlichen Standorten lassen sich abweichende Kulturansprüche der einzelnen Arten ableiten. Deshalb wurden die Hakenlilien in zwei große Gruppen eingeteilt.

Zur ersten Gruppe gehören vor allem Arten aus den trockeneren südafrikanischen Kapregionen, wo ein Wechsel zwischen Wachstums- und Ruhephasen die Entwicklung der Pflanzen bestimmt. Vom Frühjahr bis zum Herbst können daher die Pflanzen in einem großen Kübel an einem sonnigen Platz im Freien stehen, wo sie reichlich Wasser und regelmäßig jede Woche eine Gabe Volldünger erhalten. Im Winterhalbjahr stellt man sie in einen hellen, kühlen Raum. Bestens geeignet sind dafür Treppenhäuser, kühle Wintergärten oder nicht allzu dunkle Keller. Optimal sind Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad Celsius. Während der Wintermonate hält man die Hakenlilien fast trocken. Sie bekommt nur so viel Wasser, dass sie ihre Blätter behält. Bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius sind geringe Wassergaben etwa alle zwei Wochen ausreichend.

Bei diesen Arten hat sich auch eine Überwinterung im Freien bewährt. Dazu wird die Zwiebel an einem geschützten Standort sehr tief in den durchlässigen Boden gepflanzt. Da die Arten einen recht langen Hals haben, können sie 50 bis 80 Zentimeter tief eingesetzt werden und sind so besser vor Frösten geschützt. Eine Decke aus Laub oder Fichtenreisig sorgt zusätzlich für Schutz. Gelingt die Überwinterung im Freien, kann man mit besonders reichem Flor rechnen.

Aus dieser Kulturgruppe ist die Langblütige Kap-Hakenlilie (Crinum bulbispermum) eine sehr dekorative Art. Sie entwickelt graugrüne peitschenartige Blätter mit leicht gewelltem Rand, die bis zu 90 Zentimeter Länge erreichen können. Von Juli bis August entfalten sich am Ende eines 60 bis 90 Zentimeter hohen Stängels bis zu 20 duftende Blüten. Sie sind in einer Dolde vereint und können reinweiß, aber auch rosa geadert sein.

Ebenso prächtig ist die Natal-Hakenlilie (Crinum moorei), die mit Zwiebeln von einem Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern aufwartet. Über den dünnen, etwa fünf bis zehn Zentimeter breiten riemenförmig gewellten grünen Blättern zeigt sich an einem 60 bis 90 Zentimeter hohen Schaft im Sommer eine Dolde, die sechs bis zehn duftende, rosa gefärbte Einzelblüten ziert. Von dieser Art gibt es auch die weiß blühende Sorte ,Album‘.

Aus den beiden genannten Arten entstand um 1890 die Hybrid-Hakenlilie (Crinum x powellii), die häufiger angeboten wird. Ihre grünen schwertförmigen Blätter können bis zu einem Meter lang werden und fallen mit der Spitze weit nach unten. Von Juli bis September bildet sich der dicke, fleischige Schaft von etwa einem Meter Höhe, an dem sich eine Dolde mit etwa acht leicht nickenden Trichterblüten entfaltet. Die Blüten sind bis 15 Zentimeter lang und die einzelnen Abschnitte vorn zurückgebogen. Im Handel sind weiß, rosa und purpurrosa blühende Sorten erhältlich.

Erst im Spätherbst blüht Crinum macowanii, deren runde Zwiebel einen Durchmesser von bis zu 25 Zentimetern hat. Daraus entwickeln sich bis 90 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite Blätter sowie ein Blütenschaft, der an seinem Ende zehn bis 15 Einzelblüten trägt. Sie bestehen aus einer grünen, gekrümmten Röhre und rosafarbenen, länglich zugespitzten Abschnitten.

In die zweite Gruppe der Hakenlilien gehören Arten aus tropischen Gebieten, die das ganze Jahr über gleichmäßige Wärme benötigen. Sie kultiviert man am besten bei Zimmertemperaturen, die bei 22 und 24 Grad Celsius liegen. Im Sommer können die Pflanzen an einem schattigen Platz im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon stehen. Sobald die Nachttemperaturen im Freien unter 15 Grad Celsius sinken, sollte man sie in ein helles Zimmer räumen. Das ganze Jahr über benötigen sie ausreichend Wasser und während der Hauptwachstumszeit vom Frühjahr bis zum Herbst eine wöchentliche Düngung.

Eine sehr schöne Art dieser Kulturgruppe ist die Weiße Crinum (Crinum procerum, syn. Crinum asiaticum var. procerum), die aus dem tropischen Asien stammt. Von März bis Oktober bildet sie fast ununterbrochen dicke Stängel, an deren Ende sich prachtvolle Blüten entfalten. Sie bestehen aus einer aufrechten Röhre und circa zwölf Zentimeter langen weißen linealischen Blütenabschnitten sowie roten Staubgefäßen.

Für Hakenlilien aus den beiden Kulturgruppen ist es wichtig, dass sie ausreichend „Nahrung“ erhalten. Das bedeutet, dass sie während der Wachstumsphase regelmäßig wöchentlich eine Gabe Volldünger bekommen. Bei guter Pflege wird der Blütenansatz von Jahr zu Jahr prächtiger und die Pflanze immer üppiger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben