Immobilien : Überraschung im Geldkoffer

Verkäufer von Immobilien sollten auf der Hut sein. Eine neue Welle von Betrugsfällen rollt an. Die Täter haben nur an einem Interesse: an Devisengeschäften. Die Opfer bleiben auf Falschgeld sitzen

Kai Althoetmar

Das Geschäft sollte so flott über die Bühne gehen, dass es gar nicht bedenklich stimmte. Ein Käufer hatte Interesse an einem Objekt der Immobilienfirma im baden-württembergischen Münsigen bekundet, weil er Geld aus Ölgeschäften anlegen wolle. Das Geschäft sollte in Amsterdam stattfinden – und das möglichst sofort. Die Immobilienfirma erbat sich jedoch Bedenkzeit, stellte Nachforschungen an und schaltete dann schließlich die Kripo ein. So manches entpuppte sich als faul: Die Identität des Anlegers war nicht zu ermitteln. Die von ihm angegebene E-Mail-Adresse, die Handy- und die Faxnummern hatten drei verschiedene Inhaber an gleich drei Orten in zwei Ländern. Der Fall landete bei der Bund-Länder-Projektgruppe (BLPG) „Rip-Deal“ der Polizei.

„Rip-Deals“, das sind Betrugs-, Raub- oder Diebstahldelikte, bei denen Immobilienverkäufer von dubiosen ausländischen „Kapitalanlegern" ausgenommen werden. Bei der Polizei häufen sich in letzter Zeit Anzeigen gegen diese neue Masche von Kapitalanlagebetrügern. „Es geht hier bundesweit um circa 1600 Fälle“, sagt Werner Hüttner vom Bayerischen Landeskriminalamt. Seit dem Jahr 2000, als die „Rip-Deal“-Betrügereien erstmals als Phänomen registriert wurden, „beläuft sich der bundesweit registrierte Schaden auf etwa 65 Millionen Euro“.

Die Masche geht so: Die Täter täuschen Interesse am Kauf einer Immobilie vor. Sie geben an, einen Teil des Preises bar in Schweizer Franken zahlen zu wollen und locken den Verkäufer zu einem Treffen in ein ausländisches Hotel. Dort ist von dem Immobiliengeschäft keine Rede mehr. Stattdessen bieten sie ein lukratives Devisengeschäft an. Ein erster Köder wird ausgelegt: Ein Tausch „Euro gegen Franken“, bei dem das Opfer einen guten Kurs erzielt. Zur Geldübergabe wird das Opfer in ein Nobelhotel nach Norditalien gelockt, etwa nach Mailand, Turin oder Bergamo.

Einige Banden nutzen andere europäische Metropolen wie Paris, Brüssel oder Amsterdam. Beim zweiten Treffen soll ein großer Geldbetrag getauscht werden. Statt Bargeld erhalten die Opfer dann aber einen Koffer mit Faksimile-Noten. Durchschauen sie den Schwindel, dann rauben die Täter das Geld.

Vor den Betrugsofferten studieren die Täter in Zeitungen und im Internet Annoncen. Telefonisch machen sie den Verkäufern von Immobilien, aber auch von Yachten, Luxusautos, teuren Schmucks oder Antiquitäten recht großzügige Angebote. Auffällig ist auch: „Entgegen den sonst üblichen Gepflogenheiten versuchen die Täter beispielsweise nicht, den Preis zu drücken“, sagt der Berliner Rechtsanwalt Rolf Jürgen Franke.

Meist geben sie sich als Vermittler für einen ausländischen Investor aus, der zum Beispiel nach einer Kapitalanlage in Deutschland sucht. Oft wird bei der Anbahnung auch vorgegeben, es solle Schwarzgeld angelegt werden, weshalb ein Teil des Kaufpreises nun bar gezahlt werden müsse. Meist ist die Rede von Schweizer Franken, die nicht offiziell getauscht werden könnten. Der eigentliche Kaufinteressent, heißt es, könne derzeit nicht nach Deutschland reisen, daher müsse das Geschäft im Ausland abgewickelt werden.

Gelingt es den Betrügern, ein erstes Treffen zu arrangieren, ist dort dann meist gar nicht mehr die Rede vom Kauf einer Immobilie, sondern nur noch vom Devisentausch. Misstrauische Interessenten werden mit einem Ködergeschäft besänftigt, bei dem zum Beispiel 10000 Schweizer Franken getauscht werden. Dieses „Probegeschäft“ wird von den Tätern mit echtem Geld durchgeführt. Der Schweizer Internetdienst „Rattenfaenger.ch“, der vor Kapitalanlagebetrug warnt, schreibt: „Günstige Wechselkurse, eine in Aussicht gestellte großzügige Provision sind weitere Faktoren, die die sonst übliche Zurückhaltung bei fragwürdigen, finanziellen Transaktionen mindern.“ Bis zu 30 Prozent Gewinn werden beim Bartausch versprochen. „Das für den Anbieter an sich schlechte Geschäft wird mit illegaler Herkunft der Devisen begründet.“ Für den späteren viel größeren Betrugsdeal ist damit der Boden bereitet.

Auffällig ist auch, dass die Täter die Immobilie oft selber gar nicht besichtigen wollen. Zuweilen behauptet der Interessent, er hätte sie von außen schon einmal besichtigt. Zu einem Notarvertrag kommt es freilich nie. Das vorgetäuschte Interesse an der Immobilie dient immer nur dazu, mit dem Verkäufer in Kontakt zu treten. Beim zweiten Treffen „verschwinden die Täter entweder, sobald sie das Geld in den Händen haben“, schreibt das Deutsche Generalkonsulat in Mailand, „oder sie übergeben dem Opfer mehrere Bündel Geldscheine, von denen jeweils nur der oberste Geldschein echt ist, die übrigen Scheine auf der Rückseite mit dem Schriftzug ,Faksimile’ bedruckt sind“.

Hektisches Treiben im Hotel begünstigt die Situation für die Täter. Der Schaden beträgt oft mehrere hunderttausend Euro, in Einzelfällen auch Millionen. In Ausnahmefällen seien die Täter auch gewaltbereit, warnt das Konsulat. 2004 wurde ein erstes Opfer, das sich zur Wehr setzte, nach Konsulatsangaben erschossen. Drei weitere Opfer, zwei in Deutschland, eines in Österreich, begingen laut Medienberichten aus Verzweiflung Selbstmord.

Die Täter sind zwar meistens in Italien aktiv, stammen aber überwiegend aus Osteuropa und sind auch in Frankreich ansässig. Meist geben sie sich als Italiener aus. Und nach italienischem Recht machen sie sich mit dem Druck von Falschgeld nicht strafbar, wenn die Noten mit dem Aufdruck „Facsimile - falso“ versehen sind. Nach der Tat hält das Opfer, wenn überhaupt, nur die Telefonnummer eines „Prepaid-Handys“ oder eine E-Mail-Adresse, in Händen.

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