UMGESTALTUNG FRIEDRICHSTRASSE 56 : Der Architekt des Ur-Hauses wettert

Mit dem „grauen Kasten da“ hat Architekt Peter Meyer nichts mehr zu tun, sagt er heute. Zwar hat er in den Achtzigern das Gebäude an der Friedrichstraße 56 entworfen. Aber den jetzt vollzogenen Umbau und die damit verbundene Änderung des Konzepts hin zum hochpreisigen Wohnen sieht er mit Verbitterung. „Die Platte ist nicht schlecht. Das Haus war voll. Die Entmietung wurde nur durch die Privatisierung herbeigeführt. Eine konzeptionelle Stadtentwicklung funktioniert so nicht.“ Das Haus, das einst der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) gehörte, sei Opfer der klammen Berliner Kassen geworden, so sieht es Meyer. Er findet harte Worte für die Verwaltung: „Die Gesellschaft ist Sklave des Senates, der nur noch Werte verhökert. Und die WBM ist der Goldesel des Senats. Man kann mit dieser Variante auch das Hansa-Viertel entmieten. Und in der Friedrichstraße ist es die alte Gesellschaft West, die da einzieht.“

Jenseits derlei Polemik ist unstrittig, dass Stadtviertel in Berlin zunehmend entmischt werden, zu beobachten etwa in Mitte und in Prenzlauer Berg. Stadtsoziologen haben für dieses Phänomen den Begriff der Gentrifizierung geprägt: Innenstadtnahe Kieze werden so aufgewertet, dass sich Teile der ursprünglichen Bewohner die Mieten nicht mehr leisten können. Über die optische Veränderung will Architekt Meyer nicht viele Worte verlieren. Aber einen Satz gibt es, dem wohl auch Centacon und Architekt Holger Sack zustimmen würden: „Über Ästhetik kann man streiten. Und was dieses Haus betrifft, das wird die Geschichte klären.“heid

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