Immobilien : Unbekannte Schöne: die Puschkinie

Thomas Raus

DER ROTE PUNKT

Nachstehend veröffentlichen wir die vom Botanischen Garten für diese Woche ausgewählte, besonders sehenswerte Pflanze, die im Freigelände oder im Gewächshaus mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr.

Freiland . Neben den zahlreichen Krokus-Arten, Schneeglöckchen, Märzenbechern und Blausternen, die in Vorgärten und Parkanlagen Berlins jetzt aus dem Boden drängen, ist ein Zwiebelgewächs doch recht wenig bekannt: Es ist die Puschkinie (Puschkinia scilloides). Im Botanischen Garten blüht sie zurzeit zahlreich im „System der krautigen Pflanzen“, also neben dem Arzneipflanzengarten.

Die Puschkinie ist schon seit rund 150 Jahren als ein robuster Frühjahrsblüher in der europäischen Gartenkultur geschätzt, doch zu einem richtigen „deutschen“ Namen hat sie es dennoch nicht gebracht. Sie trägt vielmehr den Namen des russischen Gelehrten Apollos Apollossowitsch Graf Mussin-Puschkin (1760-1805), der ein begeisterter Pflanzensammler und Mineralienjäger und überdies sehr wohlhabend war. Zum Nutzen der russischen Naturwissenschaften investierte er viel Kapital in sein Hobby, indem er zum Beispiel Forschungsexpeditionen in den Kaukasus ausrüstete und auch selbst leitete. Er starb jedoch bereits mit 45 Jahren, zu früh, um seine Entdeckungen selber auswerten zu können. So wurden viele seiner neu gefundenen Pflanzenarten von seinen Kollegen in Sankt Petersburg beschrieben, und manche davon ihm zu Ehren benannt.

Der Artname scilloides bedeutet „einer Scilla ähnlich“. Schaut man sich die Pflanzen im Botanischen Garten aus der Nähe an, so erkennt man leicht den Unterschied zwischen der Puschkinie und den Blausternen (Scilla-Arten), obschon beide zu den Liliengewächsen zählen.

Puschkinia hat im Zentrum der Blüte eine deutliche, so genannte Nebenkrone, die die Staubblätter nahezu verbirgt. Den nah verwandten Scilla-Arten fehlt diese innere Nebenkrone. Zwischen zwei bis drei grasartigen Grundblättern trägt ein circa zehn Zentimeter hoher Schaft eine einseitswendige Traube aus bis zu zehn blassblauen oder weißen Blüten. Die Blütenblätter zeigen meist einen hübschen, dunkelblauen Mittelstreifen. Die Puschkinie stellt botanisch insofern etwas Besonderes dar, als es sich um eine „monotypische“ Gattung handelt: Das bedeutet eine Gattung mit nur einer Art, jeweils verbreitet im Kaukasus und in der Türkei, ostwärts bis in den Nord-Iran und südwärts bis zum Libanon.

Als absolut winterharte, sich durch Selbstaussaat verbreitende Gartenpflanze blüht die Puschkinie bei uns im März und April. Am Naturstandort im vorderasiatischen Hochgebirge blüht sie am Rande des schmelzenden Schnees – je nach Höhenlage – bis in den Juni hinein.

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