Immobilien : Unüberlegte Kündigung von Krediten ist riskant Ein Wechsel der Bank mit Berufung auf BGH-Urteil ist meist schwierig

NAME

Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil vom 9. April zu den „Haustürgeschäften“ die Rechte der Verbraucher gestärkt. Wer im guten Glauben an Versprechungen eines Verkäufers eine heute unrentable Wohnung erwarb, kann nun aus dem schlechten Geschäft aussteigen. Doch Vorsicht: Ihre Immobilie dürfen die düpierten Erwerber nicht zurückgeben – sie können nur den Kreditvertrag mit der Bank kündigen. Ob ihnen dann aber ein anderes Geldhaus genügend Bares gibt, um den aufgelösten Altkredit für die teure Immobilie zurückzahlen zu können, ist zu bezweifeln.

Denn bei vielen der betroffenen Immobilien handelt es sich um Objekte in den Neuen Ländern. Deren Eigentümer erwarben sie, als der Staat den Kauf mit hohen Steuervorteilen belohnte. Weil dieses Köder zog, boten schon die Verkäufer die Immobilien zu teuer an. Ohne Steuervorteile sind die Objekte heute oft nur noch die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises wert.

Das ist ein Problem, wenn nicht ein entsprechend hoher Teil des alten Kredits abbezahlt ist. Denn die neue Bank wird nur so viel Geld herausgeben, wie sie im Fall der Zahlungsunfähigkeit ihres Schuldners bei einer Versteigerung von dessen Immobilie heute bekommen würde. Ein vermögender Kreditkunde kann ihr zusätzliche Sicherheiten anbieten. Dann wäre Kapital zu schlagen aus dem BGH-Urteil: Denn heute sind die Hypothekenzinsen günstig wie selten zuvor.

Eine unüberlegte Kreditkündigung ist aber auf keinen Fall zu empfehlen. Zumal die Bank dann ihr Geld zurückfordert, ob der Kunde einen anderen Vertrag hat oder nicht. Wer aber „auf die Schnelle“ seine teuer erworbene Immobilie verkaufen muss, wird herbe Einbußen verkraften müssen. Und wahrscheinlich verlangt das Finanzamt die einst erlassenenen Steuern zurück.

Die FMH bietet im Internet unter www.fmh.de einen Fragebogen zu dem Thema an. Max Herbst

Der Autor ist Finanzberater.

0 Kommentare

Neuester Kommentar