Urlaubsdomizil : Investment mit Meerblick

Deutsche Käufer geben mehr Geld für Ferienimmobilien aus – für Eigennutzung und Vermietung, aber auch als Geldanlage.

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Sonnige Aussichten: Platja d’Aro in der Region Katalonien. Zehn Prozent der befragten Deutschen investierten in Spanien und auf den dazugehörigen Inseln.
Sonnige Aussichten: Platja d’Aro in der Region Katalonien. Zehn Prozent der befragten Deutschen investierten in Spanien und auf...Foto: AFP/Josep Lago

Die Deutschen machen am liebsten dort Urlaub, wo sie sich auskennen. Das jedenfalls sagt Tobias Wann vom Onlineferienhausvermieter „HomeAway FeWo-direkt“. Von dieser Heimatverbundenheit profitieren nun schon das vierte Jahr in Folge die Ferienhaus- und Apartmentbesitzer zwischen Nordsee und Alpen. Das ergab die diesjährige Umfrage von Home-Away FeWo-direkt und dem Maklerunternehmen Engel & Völkers.

Im Frühjahr wurden dafür knapp 3000 Eigentümer von Ferienunterkünften nach Kaufkriterien, Finanzierungen, Werteentwicklungen und Vermietungen befragt. Eines der Ergebnisse: „In den vergangenen drei Jahren haben die Deutschen für ein eigenes Feriendomizil deutlich tiefer in die Tasche gegriffen.“ Im Durchschnitt zahlten die Befragten knapp 200 000 Euro für ein Häuschen im Grünen oder eine Wohnung am Meer. Das waren 6,5 Prozent mehr als in den Vorjahren. „Schnäppchen, also Objekte, die weniger als 150 000 Euro kosten, gibt es immer seltener“, erklärt Wann.

Zweitwohnsitze werden immer häufiger auch als Geldanlage gekauft – aus gutem Grund. Kai Enders, Vorstand bei Engel & Völkers: „In den vergangenen zehn Jahren ist der Wert von Ferienimmobilien auf den Nordseeinseln um 33 Prozent, an der Nordseeküste um 32 Prozent und auf den Ostseeinseln um 26 Prozent gestiegen.“ Hinzu komme, dass man heute an den beiden deutschen Meeresküsten mit höheren Mieteinnahmen rechnen könne. Die Vermieter profitieren vom sogenannten Homing: Das Ferienhaus rückt als sozialer Treff in den Mittelpunkt. „Abende mit Freunden statt anonyme Restaurantbesuche, Zeit für die Familie statt Animation am Pool“, so tickt laut Tobias Wann das Gros der Urlauber.

Neben der Finanzkrise, die viele Investoren in Sachwerte treibt, gibt es weitere Gründe für den Run auf deutsche Ferienimmobilien: die einfachere Kaufabwicklung hierzulande, kürzere Wege und problemlosere Vermietung. Für 70 Prozent der Befragten waren das wichtige Argumente. Auch Spanien bleibt ein begehrtes Ziel: Zehn Prozent der Befragten investierten auf der Iberischen Halbinsel und den dazugehörigen Inseln. Österreich ist von neun auf fünf Prozent leicht gesunken, Florida konnte mit sechs Prozent Boden gutmachen. Hier waren Urlaubsdomizile vor 2011 fast gar nicht mehr an Deutsche verkauft worden. Verlierer sind Italien und Frankreich, wo das Interesse aus Deutschland auf zwei beziehungsweise ein Prozent gesunken ist. „Diese Entwicklungen haben etwas mit den Reisegewohnheiten zu tun“, erklärt Wann. Wo man sich schon mehrmals im Urlaub wohlgefühlt hat, halte man auch nach einem Haus Ausschau. Auf Platz sechs der Beliebtheitsskala liegen übrigens Berlin und Umgebung.

„Immer mehr Käufer profitieren doppelt“, meint der Experte. Sie schlafen besser, weil sie ihre Ersparnisse in einen scheinbar sicheren Sachwert investiert haben. Und sie verbringen ihre Freizeit im Feriendomizil mit Familie und Freunden. Als Kaufmotivation gaben 60 Prozent Eigennutzung und Vermietung an. Etwa genauso viele sehen in einem Ferienhaus auch eine Altersvorsorge. Als Geld- und Kapitalanlage betrachten es derzeit etwa 30 Prozent; vor 2011 sah das nur jeder Fünfte so.

Geld mit Ferienhäusern zu verdienen, ist nicht einfach. „Wer seine Immobilie professionell vermieten will, muss dabei wichtige Punkte beachten“, warnt Wann. „Das Meer sollte man an Nord- und Ostsee sehen können.“ Ansonsten sinken die Mieteinnahmen deutlich. Auch die Infrastruktur der Umgebung und die Ausstattung der Immobilie entscheiden über eine gute Auslastung.

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