Immobilien : Verborgene Blütenpracht

Wer sich im nächsten Jahr an Frühlingsblumen freuen will, muss schon bald die Zwiebeln in den Boden bringen

Tassilo Wengel

Noch zeigt der Garten seine sommerliche Pracht. Doch die Tage werden ständig kürzer und spätestens, wenn die letzten Herbstblumen verblüht sind, schaut so mancher Garteneinsteiger auf seine eingelagerten Blumenzwiebeln vom Frühjahr, die bald wieder in den Boden müssen. Eine mühsame Aufgabe, die oft zu enttäuschenden Ergebnissen führt.

Wer nicht Jahr für Jahr Zwiebeln oder Knollen neu setzen möchte, sollte sich Frühlingsblüher kaufen, die sich zum Verwildern eignen. Diesbezügliche Informationen stehen auf der Verpackung. Als „verwildernde Blumenzwiebeln“ werden umgangssprachlich Zwiebeln, Knollen und Rhizome beziehungsweise Wurzelstöcke bezeichnet, die jedes Jahr wieder austreiben und blühen. Im Angebot sind robuste und dauerhafte Arten und Sorten. Ob Narzissen, Krokusse, Schneeglöckchen oder Wildtulpen – einmal in den Boden gebracht, kann man zusehen, wie sich die Blütenpracht von Jahr zu Jahr vermehrt. Gepflanzt wird am geeigneten Standort nicht in Reih und Glied, sondern in einer zufälligen Anordnung. Dazu nimmt man eine größere Anzahl von Zwiebeln, wirft sie hoch und pflanzt sie dort ein, wo sie hinfallen. Wer seinen Rasen mit Blumenzwiebelpflanzen schmücken will, sollte frühe Wildkrokusse bevorzugen. Deren Laub ist bereits vergilbt, wenn das erste Mähen erfolgt.

Gleichgültig ob der Garten klein oder groß ist, für Blumenzwiebeln findet sich immer ein Fleckchen, sei es eine Gartenecke am Teichrand, auf einem Beet mit spät austreibenden Stauden oder unter Sträuchern. Optimal entwickeln sich die Frühlingsblüher an Rändern der Laub abwerfenden Gehölze. Sie erhalten dort vor dem Laubaustrieb ausreichend Licht und können später im Schatten ruhen. Voraussetzung ist ein humoser, lehmiger Boden mit gewisser Feuchtigkeit. Damit sich die Zwiebeln ausbreiten können, dürfen die Flächen am Fuß der Gehölze nicht bearbeitet werden. Wichtig ist es auch, das gefallene Laub im Herbst nicht zu entfernen, sodass ein lockerer Humusboden entsteht. Nur so entwickelt sich ein natürliches Milieu, das Blumenzwiebelarten auch die Ausbreitung durch Samen ermöglicht.

Zu den ersten Frühlingsblumen gehören Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), die je nach Witterung von Februar bis April blühen. Im Laufe der Jahre können sie ansehnliche Flächen mit ihren weißen Blüten schmücken. Im Handel werden Zwiebeln verkauft, die aus Kulturen stammen, da wild wachsende Schneeglöckchen unter Naturschutz stehen.

Gute Partner für Schneeglöckchen sind Winterlinge (Eranthis nivalis). Sie bestechen mit ihren leuchtend gelben Blüten schon sehr zeitig im Jahr. Ist der Winter mild, öffnen sie sich bereits im Februar. Jahr für Jahr vermehrt sich der Winterling durch Aussaat und bildet dann große Teppiche. Voraussetzung ist allerdings, dass die Flächen nicht mit Hacke oder Spaten bearbeitet werden. Die hübschen Kissenprimeln (Primula vulgaris) passen gut in diese Gesellschaft, da sie bereits im zeitigen Frühjahr blühen. Auch der Dalmatiner Krokus (Crocus tommansinianus) kann eine wirkungsvolle Begleitpflanze sein, denn er entfaltet bereits im März seine Blüten von Lila bis Dunkelviolett.

Anspruchslos und wirkungsvoll ist mit seinen weiß-blauen Blüten der Schneestolz (Chionodoxa). Zwei Arten eignen sich gut zum Verwildern im lichten Schatten von Gehölzen. Während Chionodoxa forbesii (syn. Chionodoxa luciliae) mehrere Blüten an einem Stängel trägt, ist es bei Chionodoxa luciliae (syn. Chionodoxa gigantea) nur eine einzige. Für die Ausbreitung sorgen vor allem Ameisen, die die Samen in alle denkbaren Gartenwinkel tragen.

Schöne Partner dazu können Blau- sterne sein. Gut zum Verwildern geeignet ist der heimische Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia). Die Pflanze entfaltet von März bis April etwa 20 Zentimeter hohe Stängel, an denen sich am Ende eine Traube mit bis zu acht blauen Blüten bildet. Es gibt auch Sorten mit weißen (,Alba‘) und rosafarbenen (,Rosea‘) Blüten. Während diese Art lichten Schatten bevorzugt, ist der sibirische Blaustern (Scilla siberica) auch für sonnige Stellen am Gehölzrand gut geeignet. Diese Art trägt von März bis April eine Traube mit ein bis fünf breitglockigen Blüten in leuchtend azurblauer Farbe. Die Pflanze fühlt sich vor allem auf schweren Böden wohl. Dort bildet sie große Flächen, die sich vom Gehölzrand bis in naturnahe Wiesenbereiche oder dünne Rasenflächen ausbreiten können.

Pflanzt man zwischen Blausterne und Schneestolz Wildtulpen, lassen sich zauberhafte Bilder schaffen. Hier bietet sich Tulipa tarda an, eine Wildart aus dem Tienschan. Sie wird zehn bis 15 Zentimeter hoch und entfaltet hellgelbe, sternförmige Blüten mit intensiv gelber Mitte.

Bereits Ende März öffnet der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) seine Blüten. Die Variabilität reicht von Weiß über Rosa und Violett bis Rot in allen Nuancen. Er sät sich leicht aus und kann an zusagenden Standorten recht üppig werden. Besonders wohl fühlt er sich im naturnahen Bereich des Gartens, wo nicht viel gesäubert wird. Schließlich sorgen auch die Traubenhyazinthen (Muscari) mit ihren leuchtend blauen Blüten für frühlingshafte Farbtupfer. Für kleinere Flächen eignet sich besonders Muscari aucheri (auch als Muscari tubergenianum zu finden). Die Pflanzen sind zur Blütezeit im April und Mai etwa 15 Zentimeter hoch und fallen durch ihre hellblauen, duftenden Blüten auf. Da diese Art wenig Brutzwiebeln produziert und sich nicht allzu schnell ausbreitet, bleiben meist nur kleine Tuffs erhalten. Dichte Horste dagegen entwickelt die Traubenhyazinthe Muscari armeniacum. Sie blüht von April bis Mai leuchtend kobaltblau.

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