Immobilien : Verheerende Folgen drohen

RALF SCHÖNBALL

Milliarden-Investitionen im Baubereich sind durch den neuen, von der Regierung geplanten Paragraphen 2b des Einkommenssteuergesetzes gefährdet.Dies ist die Einschätzung von Gregor Kunz, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr.Röver.Der neue Paragraph 2b solle zusammen mit dem Steuergesetz noch vor April in Kraft treten.Die Regierung sei in Eile, weil sie zur Verwirklichung dieser Pläne die "Eichel-Mehrheit" im Bundesrat benötige: Die Mehrheit von SPD und Grüne besteht nur noch auf Zeit, weil die Landtagswahl in Hessen sie zugunsten der Opposition kippte.Für den Steuerexperten hat der geplante Paragraph deshalb verheerende Folgen, weil mit dieser Regelung professionellen Bauträgern und Immobilienentwicklern der Boden unter den Füßen weggezogen werde.

"Das Gesetz bedeutet den Tod aller Immobilien-Investitionen in den Wohnungsbau", sagt Kunz.Betroffen sei ein Volumen von 50 Mrd.DM bei Geschlossenen Immobilienfonds.Hinzu kämen die auf Steuervorteile setzenden Bauträgermodelle.Sogar die Sanierungsprogramme der Öffentlichen Hand sieht Kunz durch den neuen Paragraphen gefährdet: "Weil die Landeskassen leer sind, kooperieren viele Wohnungsbaugesellschaften des Landes mit Fondsgesellschaften, um ihre Bestände zu sanieren", sagt Kunz.

Bedroht vom Gesetzestext seien auch die "Konservierungsmodelle" für hohe Sonderabschreibungen nach Fördergebietsgesetz: Dieses Volumen betrage 20 Mrd.DM.Bei diesen Fonds spielen die hohen, durch den neuen Paragraphen gefährdeten Abschreibungen eine tragende Rolle.Wie aber kommt es, daß der Teufel in derarat grellen Farben an die Wände der Bauinvestoren gezeichnet wird?

Der sogenannte Vorschlag Nordrhein-Westfalen sieht die Einfügung eines Paragraphen 2b in das Einkommenssteuergesetz vor.Dieser Passus regelt, wie die Einnahmen und Verluste des Steuerbürgers zu verrechnen sind.Der Clou: Der Steuerpflichtige darf seine Verluste aus Vermietung und Verpachtung - und darin liegt ein Hauptanreiz für private Kapitalanleger, in Geschlossene Immobilienfonds einzusteigen - nicht länger mit den Gewinnen aus anderen Einkunftsarten verrechnen.Konnte er nach geltendem Recht seine Steuerpflicht auf diesem Wege noch drastisch senken, so soll er künftig diese Verluste "vortragen": Wenn nach mehreren Jahren seine Investition in die Immobilie Früchte trägt, wenn also die Mieten mehr einbringen als für Zinsen und Bewirtschaftung aufzubringen sind, dann kann er seine vorgetragenen Anfangsverluste mit diesen Gewinnen verrechnen.Er braucht also die Gewinne dann nicht zu versteuern.

"Verheerend ist der Vorschlag, weil die nach vielem hin und her im jüngsten Gesetzesentwurf nun doch erhaltene degressive Abschreibung und die erhöhten Abschreibungen für Sanierungsgebiete und denkmalgeschützte Bauten konterkarriert werden", sagt Kunz.Durch die neue Regelung sei das gesamte Geschäft professioneller Bauträger gefährdet, denn sie arbeiteten alle mit privatem Kapital; das sei nur durch die Abschreibungen in die Immobilienwirtschaft zu lotsen.Entfalle dieser Anreiz, sei die Immobilie als Kapitalanlage nicht mehr wettbewerbsfähig mit anderen Anlageformen wie die renditeträchtigeren Aktienfonds.

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