Immobilien : Verkauf landeseigener Grundstücke stark rückläufig Umsatz des Liegenschaftsfonds um 100 Millionen Euro eingebrochen

Bernd Hettlage

Kaufverträge über 416 Grundstücke im Wert von 161 Millionen Euro hat der Liegenschaftsfonds Berlin im Jahr 2002 abgeschlossen. Damit liege man 20 Prozent über den Planungen, so Geschäftsführer Holger Lippmann auf einer Pressekonferenz der landeseigenen Gesellschaft. Er sei außerordentlich zufrieden: „Wir hatten Verkaufserfolge gegen den Trend.“ Im Vergleich zum Vorjahr brachen die Umsätze allerdings regelrecht ein: 2001 hatte es Verträgsabschlüsse im Wert von 260 Millionen Euro gegeben.

Der Liegenschaftsfonds ist ein landeseigenes Unternehmen und vermarktet seit Januar 2001 öffentliche Grundstücke. Seit seiner Gründung überwies der Fonds jedoch erst 251 Millionen Euro an die Landeskassen, weil nicht alle vereinbarten Kaufpreise sofort fällig sind. Derzeit befinden sich noch 3763 Objekte im Portfolio der Gesellschaft. Trotz des Rückgangs bei den Verkäufen im vergangenen Jahr sei der Anteil des Fonds am Berliner Immobiliengeschäft gestiegen: Von 16 Prozent 2001 auf 18 Prozent 2002.

In diesem Jahr will das Unternehmen Erlöse in Höhe von 192 Millionen Euro erwirtschaften. Zu den schönsten Immobilien im Angebot zähle das Senatsgästehaus, das Metropol und eine Insel im Tegeler Hafen. Hinzu kämen „Sonder- und Nischenimmobilien“. In diese Kategorie fallen Polikliniken, Ärztehäuser und nicht mehr genutzte Schwimmbäder.

Als Highlight des letzten Jahres bezeichnete Lippmann den Verkauf des Grundstücks Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße an die Münchner Meag Real Estate GmbH. Deren An- und Verkaufsleiter Franz Ludwig Meißendorfer war auch auf der Pressekonferenz anwesend. Meißendorfer übte leise, jedoch deutliche Kritik an den „besonderen Strukturen“ in Berlin: „In noch schwierigeren Zeiten würden Investoren vielleicht sagen: Danke das war’s.“

Volkmar Strauch als Vertreter des Landes wusste, was Meißendorfer meinte, ohne dass der Investor es genau benannt hätte: Die vielen undurchsichtigen Zuständigkeiten zum Beispiel. Der Staatssekretär für Wirtschaft und Aufsichtsratsmitglied des Fonds meinte jedoch, die Lage habe sich dank des Fonds doch wesentlich verbessert. Strauch: „Früher gab es 56 Liegenschaftsstellen in Berlin“. Investoren hätten selbst herausfinden müssen, wer für sie zuständig war. Das habe man mit dem Liegenschaftsfonds als einzigem zentralen Ansprechpartner geändert.

Weil jedoch das Land Eigentümer des Fonds sei und es in der Politik unterschiedliche Interessen gebe, übte Strauch auch Selbstkritik: „Wir müssen lernen, öffentliche Unternehmen selbstständig agieren zu lassen.“ Zudem müssten Genehmigungsverfahren bei Verkäufen von Landesimmobilien gestrafft werden. Und: „Die Zusammenarbeit zwischen Liegenschaftsfonds und Behörden muss noch besser werden.“

Immerhin gibt es inzwischen auch eine Vorabstimmung des Liegenschaftsfonds mit den zuständigen Dienststellen beim Senat und bei den Bezirken über die zum Verkauf angebotenen Grundstücke, wie Vermarktungsleiterin Susanne Klabe erläuterte: „Wir sind die Pfadfinder für die Investoren." Und damit die sich auch zurecht finden, wenn sie aus den USA kommen und die Homepage des Fonds im Internet besuchen, hat die Gesellschaft seit dem vergangenen Herbst auch eine englischsprachige Webseite im Angebot – keine zwei Jahre nach Aufnahme des Geschäftsbetriebes.

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