Immobilien : Verkaufsalarm in Grunewald

Mit dem Juli endet die Bieterfrist für eines der schönsten Objekte des Berliner Liegenschaftsfonds.

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Feuerwache unter Denkmalschutz zu verkaufen. 1908 wurde auf diesem Gelände mit der Freiwilligen Feuerwehr Grunewald die erste voll motorisierte Feuerwehr Preußens einquartiert. Fotos: Liegenschaftsfonds Berlin Projektgesellschaft/ Claudius Pflug
Feuerwache unter Denkmalschutz zu verkaufen. 1908 wurde auf diesem Gelände mit der Freiwilligen Feuerwehr Grunewald die erste voll...

Det is ne Lage fürs jehobene Wohnen: Eingesessenen Berlinern reicht allein das Stichwort „Grunewald“. Die Zuzügler dürfen erfahren, dass als Anfahrt zu diesem Nobelviertel seinerzeit eigens der Kurfürstendamm zum Prachtboulevard ausgebaut wurde. Der Kanzler hieß damals Otto von Bismarck.

Villengrundstücke im Grunewald aus der Gründerzeit werden heute selten angeboten. Jetzt aber offeriert der Liegenschaftsfonds Berlin ein Objekt mit allem Drum und Dran: eine Stadtvilla mit eigener Feuerwache. Ein Männertraum für jeden, der in Kindertagen nur eine Wahl hatte – Lokführer oder Feuerwehrmann. Es sei das „Schönste, was wir derzeit im Angebot haben“, schwärmt Pressesprecherin Anette Mischler vom Liegenschaftsfonds Berlin.

Die alte Feuerwache in der Wernerstraße hat einiges an Vorzügen zu bieten, die Investoren überzeugen können – das beginnt schon mit der Geschichte. Das Objekt wurde 1895 von Franz Ahrens als das Amtshaus der Kolonie Grunewald geplant und – Berlin war damals „reich und fortschrittlich“ – zur Straße hin im Stil der Neorenaissance gestaltet; es war mit zwölf Metern Breite und 38 Metern Gebäudetiefe alles andere als zimperlich bemessen. Ein Treppenturm flankiert die bestens gestaltete Straßenfront, der Hofgiebel ist mit einem, wie es in der Denkmalakte der Berliner Verwaltung zufrieden heißt, „wohlproportionierten Fachwerk“ gestaltet. Was dem Gebäude auch seinen besonderen Reiz verleiht.

In den ersten Jahren ihres Bestehens wurde die Feuerwehr auch zum Bewässern der neu gepflanzten Straßenbäume eingesetzt. In der Gründerzeit lebten Bankiers, Unternehmer und Künstler in Grunewald, verdiente Ärzte und Politiker. Später kamen Hildegard Knef, Harald Juhnke oder Brigitte Mira hinzu, neuerdings auch Joschka Fischer. Der Nachbarschaft wegen muss sich in der Wernerstraße auch heute niemand genieren. Die Straße ist gerade zwei Autos breit und damit auf natürliche Weise verkehrsberuhigt. Die Häuserzeilen flankieren noch echte Gaslaternen.

Die größte Freude werden Investoren aber an den rechteckig geschnittenen 3553 Quadratmetern haben, die die angebotenen Grundstücke Wernerstraße 1 und 3 ausmachen: Der größte Teil war einst Exerzierfeld der Feuerwehr und liegt heute praktisch frei. Der Bebauungsplan für dieses Stadtgebiet (IX-195) erlaubt drei Vollgeschosse und damit eine dichte bauliche Nutzung – dass eine „hochwertige Wohnungsbauarchitektur erwünscht ist“, versteht sich mitten in Grunewald von allein. Gemischte Nutzung ist ebenfalls zugelassen.

Die Remisen, die sich im Hof an die Amtsvilla anschließen, waren von Anfang an für die Feuerwehr Grunewald vorgesehen. Später wurde dieser Trakt um eine Etage aufgestockt. Ursprünglich standen hier die Spritzenwagen der Freiwilligen Wehr. 1924, also bald nach der Eingemeindung Grunewalds nach Berlin, übernahm die Berufsfeuerwehr aus der Hauptstadt das Kommando – bis 2008. Erst wurden die Löschfahrzeuge abgezogen, 2009 dann auch die verbliebenen Rettungswagen ins Martin-Luther-Krankenhaus verlegt.

Danach glaubte man in Berlin, man könnte eine Botschaft, ein Konsulat oder andere Würdenträger für das Kleinod in Grunewald interessieren – es wurde nichts daraus. Obwohl hier von Afghanistan bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten im Dutzend die Botschaften stehen und auch einige Exzellenzen quasi nebenan residieren.

Der Liegenschaftsfonds Berlin schreibt die Immobilie Wernerstraße 1 und 3 nun freibleibend zum Kauf aus. Nähere Informationen unter www.liegenschaftsfonds.de oder Telefon (030)22 33 67 95 (Monika Glauche). Der Kaufpreis soll im Bieterverfahren ermittelt werden – die Angebote müssen bis 30. Juli 2012 abgegeben sein. Ein „sehr ordentlicher Millionenbetrag“ muss es schon sein, sagt Pressesprecherin Anette Mischler.

Hoffentlich bleibt dem Käufer da noch ein wenig finanzieller Spielraum, um den Männertraum von der eigenen Feuerwache pflegen zu können, mit historischem Gerät und in der Nachfolge berühmter Kommandanten. Die Wehr selbst, wen wundert’s im reichen Grunewald, war technisch stets auf der Höhe, sicherte die Autorennen auf der nahen Avus ab und setzte natürlich auch als erste in Preußen ab 1908 nur noch die hochmodernen benzingetriebenen Motorwagen ein. Die Berliner Berufsfeuerwehr fuhr in diesem Jahre teilweise noch mit Pferdegespannen und Dampfspritzen – Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

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