Immobilien : Versichert gegen Erwerbslosigkeit

Policen versprechen im Notfall Schutz vor der privaten Insolvenz. Doch das schiebt die Probleme nur auf

Kai Althoetmar

Wer baut, macht Schulden. Wird der Bauherr arbeitslos und kann den Kredit nicht mehr bedienen, droht schnell die Zwangsversteigerung. Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit versprechen Schutz vor der Kreditklemme. Doch die Policen haben ihre Tücken.

Wird ein Bauherr arbeitslos, gerät er schnell mit Zins und Tilgung in Verzug. Die Banken kennen am Ende kein Pardon: Einige Monate Zahlungsverzug können die Zwangsversteigerung einläuten. Private Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit gibt es in Deutschland zwar nicht. Aber seit einigen Jahren bieten Versicherungen eine Art private Arbeislosenversicherung für Bauherren an. Der Vertrieb erfolgt oft über die Banken, die die Immobilien finanzieren. Versichert werden Kredite gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Häuslebauers.

Angeboten werden solche Policen oder Erweiterungen der Restschuldversicherung etwa von der R+V, der Gothaer Versicherungen, der Delta Lloyd Gruppe und den Cardif Versicherungen. Rund-um-sorglos-Schutz bieten die Assekuranzen nicht. Auf das Kleingedruckte kommt es an. Die Versicherung zahlt nämlich nur, wenn die Arbeitslosigkeit unverschuldet eintritt, also betriebsbedingt oder durch Insolvenz. Wer selbst kündigt, wegen Fehlverhaltens oder wegen Krankheit gefeuert wird, bekommt keinen Cent.

Um Versicherungsschutz aufzubauen, reicht es nicht, die Raten zu zahlen. Arbeitnehmer müssen vor Versicherungsbeginn unbefristete Arbeitsverträge haben und in der Regel mindestens sechs oder zwölf Monate beim selben Unternehmen beschäftigt sein. Die Delta Lloyd verlangt ein Arbeitsverhältnis mit mindestens 30 Wochenstunden. Selbstständige und Freiberufler können bei einigen Anbietern nicht versichert werden. Jüngere und ältere Versicherungsnehmer erhalten oft schlechtere Bedingungen, da jüngere Leute überdurchschnittlich häufig, ältere Leute überdurchschnittlich lange arbeitslos sind.

Die Delta Lloyd und die R+V versichern niemanden über 55. Zu Beginn gibt es oft eine Wartezeit für Leistungen. Bei der Cardif beträgt die Wartezeit sechs Monate ab Vertragsabschluss. Auch danach lassen sich Anbieter oft Zeit, bis Geld fließt: Bei der Cardif und der R+V beginnen im Versicherungsfall die Auszahlungen erst drei Monate nach Beginn der Arbeitslosigkeit, bei der Delta nach 60 Tagen. Die Leistungsgrenze ist gedeckelt. Bei der Cardif ist eine monatliche Finanzierungsrate von maximal 1500 Euro abgesichert, und dies höchstens 24 Monate lang.

Wer die Kriterien erfüllt, sollte sich nicht überversichern. Nur die Differenz zwischen Nettoeinkommen und Arbeitslosengeld sollte man versichern. Wer im Monat zum Beispiel 400 Euro für Zins und Tilgung aufbringen muss, zahlt an die Versicherung etwa 216 Euro Jahresbeitrag – damit die Versicherung im Fall der Arbeitslosigkeit ein Jahr zahlt. Die R+V bietet auch eine Leistungsdauer von 18 und 24 Monaten an. Da die Police bei der R+V über mindestens fünf Jahre abgeschlossen werden muss, summieren sich die Beiträge auf 1080 Euro. Läuft ein Baudarlehen über 20 Jahre, fallen Versicherungskosten von 4320 Euro an – vorausgesetzt, die Versicherung erhöht die Tarife im Laufe der Jahre nicht.

Wer 400 Euro monatliche Kreditbelastung hat und arbeitslos wird, erhält von der Assekuranz 4800 Euro im Jahr. Doch in der Praxis bleibt nicht jeder, der arbeitslos wird, zwölf Monate arbeitslos, so dass die Rechnung für den Versicherten nicht aufgeht. Andere Arbeitslose finden nicht pünktlich nach zwölf Monaten wieder eine Stelle. Das Kreditproblem kehrt dann zurück: Die Versicherung zahlt nicht mehr, der Arbeitslose kann Zins und Tilgung nicht aufbringen, die Zwangsversteigerung oder der Privatkonkurs drohen erneut. Die Insolvenz wurde nur um zwölf Monate verschoben.

Statistisch tritt der Schadensfall Arbeitslosigkeit oft ein. Die Kölnische Rück schreibt dazu in einer Studie: „So beträgt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Jahres arbeitslos zu werden, für den durchschnittlichen Erwerbstätigen in Deutschland etwa 21 Prozent.“ Die Quote ergibt sich aus der Zahl der Zugänge an Arbeitslosen während eines Jahres, gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Eine Deckung des vollen Risikos, das heißt eine Deckung beliebiger Art und Dauer von Arbeitslosigkeit sei daher nicht praktikabel. Ganz unverblümt heißt es in der Studie zu den Karenzzeiten: „Durch die Einführung einer Karenzzeit von drei Monaten wird ein Großteil der Versicherten de facto keinen Antrag auf Leistung mehr stellen.“

Unterm Strich lohnen sich private Arbeitslosenversicherungen meist nicht. Die Zeitschrift „Finanztest“ gibt zu bedenken, dass Versicherungen gegen Jobverlust viel Geld kosten, auf Dauer aber nicht aus der Geldnot heraushelfen. Arbeitslose sollten sich eher einschränken, in guten Zeiten gelte es zu sparen. Zuweilen drängen die kreditfinanzierenden Banken aber zum Abschluss einer solchen Police. Die Versicherungsansprüche lassen sie sich dann im Voraus abtreten. Zum einen wollen die Banken das Kreditausfallrisiko senken und es dem Bauherrn aufbürden, zum anderen verdienen sie oft auch noch Provisionen mit den Policen. Bauherren sollten daher durchrechnen, ob es billiger ist, einen etwas teureren Kreditzins hinzunehmen oder einen günstigeren, der aber mit einer teuren Versicherung verbunden ist.

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