Immobilien : Viel Grün für wenig Geld

Der eigene Garten kann vielen Zwecken dienen. Dazu muss er aber auch den richtigen Raum bieten. Zehn Entwürfe von Landschaftsarchitekten werden nun ausgestellt. Und keiner kostet mehr als 100 Euro je Quadratmeter

Ralf Schönball

An den Garten denken Bauherren zuallerletzt. Meistens ist dann auch kein Geld mehr da. Dabei können die Außenanlagen vor, neben und hinter dem Haus erheblich zum Wohnkomfort beitragen: auf der Terrasse frühstücken, im Schatten des Kirschbaums den neuesten Franzen lesen oder die Beeren von den Sträuchern an der Grundstücksgrenze ernten. Zehn der zahllosen Spielarten, wie eine Grünanlage oder ein Garten angelegt werden kann, stellt derzeit eine Schau beim Bund Deutscher Architekten vor. Das Besondere an der Ausstellung: Die Landschaftsarchitekten sollten Qualität für wenig Geld vorweisen – für weniger als 100 Euro pro Quadratmeter.

Unter den ausgestellten Gärten ist eine vom Büro „Relais Landschaftsarchitekten“ gestaltete Grünfläche bei einem Eigenheim in Bergisch-Gladbach. Die Anlage war zugewachsen, musste also gerodet und einige Bäume umgepflanzt werden. Dies schuf Platz für einen „Rasenteppich“, der bis an das verglaste Wohnzimmer und die überdachte Terrasse herangeführt wurde. Die weitläufige Fläche rahmten die Architekten dann mit Gehölzen und Stauden ein: Eingepflanzt wurden Himbeeren, Fingerhut, Farne, Gräser und feine Blüten. Die Kosten für die 270 Quadratmeter große Anlage betrugen 24000 Euro.

Eines der Prinzipien bei der Gestaltung von Gärten ist laut Marianne Mommsen vom Büro „Relais“ die Nutzung des unterschiedlichen Wuchses von verschiedenen Pflanzen, um dadurch räumliche Wirkungen zu erzielen. Einfach ausgedrückt: Die Landschaftsarchitektin greift in „den großen Baukasten der Natur“. Vom Rasen, der zwei Zentimeter hoch wächst, bis zum Baum, der 20 Meter groß wird, setzt sie dann die Größen- und Formunterschiede des Bewuchses zur Gestaltung des Gartens ein.

Dabei kooperieren die Landschaftsbildner mit den Architekten, denn die Arbeit beginnt an der Schwelle zwischen Haus und Außenraum: mit der Gestaltung der Terrasse zum Beispiel. Dabei wird grundsätzlich unterschieden zwischen dem halb öffentlichen Vorgarten des Hauses, der das Grundeigentum von der Straße trennt – und wo zum Beispiel der Briefträger Zutritt hat –, und dem privaten Garten hinter dem Haus. Dort halten sich die Bewohner auf, um sich zum Beispiel zu sonnen. Deshalb muss dieser Bereich auch geschützt werden, zum Beispiel vor den Blicken von Nachbarn. Und auch dieses Problem lösen die Landschaftsarchitekten: „Wir finden und gestalten den optimalen Sitzplatz“, sagt Mommsen.

Bei der Wahl der Pflanzen ist das Angebot groß. Deshalb, sagt Landschaftsarchitektin Mommsen, könne sie keine Beispiele typischer Kombinationen geben. Was man einpflanze, das hänge vom Boden ab: Ist er sandig oder eher lehmig? Und auch die Gewohnheiten des Grundeigentümers spielen eine Rolle: „Wie viel Zeit er zur Pflege des Gartens aufwenden will“, sagt Mommsen. Wichtig bei der Auswahl außerdem: Ist der Ort eher schattig oder der prallen Sonne ausgesetzt, und in welchen Farben blühen die Pflanzen?

Wenn die richtigen Antworten auf diese Fragen gefunden sind, dann ist sichergestellt, dass der Garten nicht nach kurzer Zeit wieder zur Wüste wird, weil alles verdorrt. Das unterscheidet nach Auffassung von Harald Fugmann, Geschäftsführer vom Bund deutscher Landschaftsarchitekten Berlin-Brandenburg, eine qualifizierte Gartenplanung vom Hobby-Gärtner. Allerdings weiß auch Fugmann: „Bei den meisten Bauherren kommt der Garten zuallerletzt“ – und dann sei auch oft kaum mehr Geld übrig. Doch ohne sachkundige Hilfe komme es einstweilen dazu, dass die Terrasse nach einigen Monaten absackt oder die Steine an der Garagenzufahrt ein unerwünschtes Wellenmuster bilden, weil der Untergrund nicht fachgerecht befestigt wurde.

Fugmann ist selbst auch an der Ausstellung mit einem Projekt beteiligt: den Außenanlagen im Campus Berlin-Buch, einem Gewerbepark für Technologiefirmen. Die Baukosten betrugen 225000 Euro für eine Fläche von rund 3300 Quadratmetern. Ein wichtiges Merkmal ist hier die Terrasse. Diese wurde mit großen grün-anthrazit schimmernden Platten aus Flammet-Quarzit ausgelegt, einem Granit-Stein. Die Terrasse grenzt an die Mensa und wird durch einen Windfang aus Holzlamellen geschützt. Von dort führen einige Stufen, ebenfalls aus Granitsteinen gefertigt, zum anschließenden Garten. Diese weite offene Wiesenfläche begrenzen einige Zierkirschenbäume. Die neuen Hölzer ergänzen die bereits bestehenden Eichen. Eine besondere Überraschung erleben die Angestellten auf dem Campus im März. Dann blüht die Wiese in kräftigen Farben auf, weil die Landschaftsarchitekten so genannte „Frühjahrsblüher“ gesät haben.

Ein Beispiel aus Berlin schließlich zeigt das Büro Topotek. Sie haben den Hinterhof in der Sophienstraße, wo auch das Büro der Landschaftsarchitekten liegt, begrünt. Auch hier wurde eine Rasenfläche gewählt und diese mit einer Hainbuchenhecke eingerahmt. Dazu wurden Gartenmöbel, teilweise aus Beton, aufgestellt, denn der Innenhof wird in der warmen Jahreszeit gerne genutzt. Außerdem wurde ein skulpturenartiger Entwurf des Büros aus Edelstahl aufgebaut – „weil das einen direkten Bezug zu unserer Arbeit herstellt und einfach billiger war als ein Kunstwerk“, sagt Mitarbeiter Lorenz Dexler. Die Skulptur war ein Entwurf für eine Gartenschau im Schlosspark in Wolfsburg.

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