Vier im Recht : Außer Lesen nichts gewesen

Ein Makler weist mit einem Exposé auf ein Haus hin. Steht ihm allein deshalb eine Provision zu? Katrin Dittert, Fachanwältin, antwortet.

WAS STEHT INS HAUS?

Wir haben kürzlich ein Einfamilienhaus erworben und hatten uns dazu an einen Makler gewandt. Von diesem erhielten wir eine Objektliste ohne weitere Angaben sowie die Mitteilung, dass die Angebote provisionspflichtig seien. Auf weitere Nachfrage erhielten wir ein Exposé, aber ohne den Namen des Verkäufers. Eine mehrfach nachgefragte Besichtigung kam über den Makler nicht zustande. Nach drei Monaten fuhren wir auf eigene Faust zu dem Objekt und trafen den Eigentümer an, der uns das Haus zeigte und es an uns verkaufte. Kann der Makler trotzdem die Provision verlangen?

WAS STEHT IM GESETZ?

Die Provision ist nach § 652 Absatz 1 BGB geschuldet, wenn aufgrund des Nachweises einer Vertragsabschlussgelegenheit oder der Vermittlung des Vertrages das angestrebte Geschäft, hier also der Kaufvertrag, wirksam zustande gekommen ist. Für die stillschweigende Vereinbarung der Maklerprovision genügt es, wenn der Makler die Provisionspflichtigkeit des Angebots und die Höhe der Provision mitgeteilt und der Kunde dann weitere Maklerleistungen in Anspruch genommen, etwa das Exposé abgefordert hat. Ein ausdrücklicher Maklervertrag muss nicht abgeschlossen worden sein. Für den geschuldeten Nachweis reicht es zwar in der Regel nicht aus, nur das Objekt zu benennen. Denn der Kunde soll durch den Nachweis in die Lage versetzt werden, ohne weitere Nachforschungen in konkrete Verhandlungen über den angestrebten Vertrag einzutreten – was regelmäßig die Benennung von Namen und Anschrift eines abschlussbereiten Vertragspartners voraussetzt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist der Nachweis über die Vertragsgelegenheit aber auch ohne Benennung des Verkäufers erbracht, wenn dieser die Immobilie selbst bewohnt und der Kaufinteressent keine eigenen Ermittlungen anstellen muss, um seinen potenziellen Vertragspartner festzustellen. Das Verstreichen von einigen wenigen Monaten zwischen dem Nachweis und dem Vertragsschluss – laut BGH sind drei Monate unproblematisch – lässt die Provisionspflicht nicht entfallen.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Wer die Provisionspflichtigkeit eines Angebotes kennt und Maklerleistungen abfordert und erhält, der schuldet in der Regel auch die im Angebot angegebene Provision. Maklerkunden rechnen häufig nicht damit, dass eine Provisionsforderung auch dann berechtigt ist, wenn der Makler nur das Objekt und einen Ansprechpartner benennt und der Kunde sich um den Kontakt zum Verkäufer, um Besichtigungen, um Einzelheiten des Vertrages usw. selbst kümmert. Wer mehr möchte, zum Beispiel eine Besichtigung oder sonstige Vermittlungstätigkeit, muss dies entsprechend mit dem Makler vereinbaren. In Ihrem Fall reicht es sogar ausnahmsweise aus, dass Ihnen die Person des Verkäufers nicht mitgeteilt wurde, weil dieser selbst in dem Einfamilienhaus gewohnt hat und Sie ohne Weiteres vor Ort ohne den Makler mit ihm Kontakt aufnehmen konnten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben