Vier im Recht : Durch eine Adoption einfach umsteuern

Sollten zur Umgehung der Erbschafts- und Schenkungssteuer die Familienverhältnisse geändert werden?

WAS STEHT INS HAUS?



Mein Mann und ich konnten keine Kinder bekommen. Wir haben aber zu einem Freund der Familie seit circa 30 Jahren eine so innige Beziehung, dass wir ihn schon lange praktisch wie unseren Sohn ansehen. Wir haben ihn in unserem gemeinschaftlichen Testament als Schlusserben eingesetzt. Unser wesentliches Vermögen besteht aus einem Einfamilienhaus, das einen Verkehrswert von circa 600 000 Euro hat. Nach der Erbschaftssteuerreform steht nun fest, dass er circa 174 000 Euro Erbschaftssteuer zahlen müsste. Wir überlegen jetzt, ob wir ihn adoptieren. Wäre dies rechtens?

WAS STEHT IM GESETZ?

Wenn Sie hier von „Schlusserben“ sprechen, so nehme ich an, dass nach Ihrem Testament zunächst der überlebende Ehegatte Alleinerbe werden soll. Erst nach dessen Tod soll Ihr Adoptivsohn Alleinerbe werden (sog. „Berliner Testament“). Nach der Erbschaftssteuerreform werden nun auch Immobilien zum Verkehrswert versteuert. Im Gegenzug wurden allerdings die Freibeträge erhöht und die Steuersätze verändert: Bei Ehegatten beträgt der Freibetrag 500 000 Euro (Eingangssteuersatz 7 %), bei Kindern 400 000 Euro (7 % bis 75 000 Euro und 11 % bis 300 000 Euro) und bei Nichtverwandten 20 000 Euro (30 %). Nach der Adoption würde sich die Steuerlast für Ihren Sohn auf circa 19 000 Euro belaufen. Es entsteht gar keine Steuerlast, wenn das Haus nicht mehr als 200 m² Wohnfläche hat und Ihr Sohn das Haus mindestens 10 Jahre selbst bewohnt. Die Adoption eines Minderjährigen oder eines Erwachsenen hat unterschiedliche Voraussetzungen und Rechtsfolgen. Bei der Minderjährigenadoption erlöschen die ehemaligen Verwandtschaftsverhältnisse und es werden neue begründet. Bei der Volljährigenadoption bleiben die bisherigen Verwandtschaftsverhältnisse bestehen und es entstehen zusätzliche Beziehungen, jedoch nur zum Annehmenden. Die Adoption eines Volljährigen muss sittlich gerechtfertigt sein (zum Beispiel, wenn zwischen dem Kind und Ihnen bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist) und darf nicht missbräuchlich erfolgen.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Es ist damit zu rechnen, dass die Fälle der Volljährigenadoption zunehmen werden und damit aber wohl auch die Fälle des Missbrauchs. Sittlich gerechtfertigt ist die Adoption zum Beispiel dann nicht, wenn bei Adelsnamen die bloße Namensnachfolge gesichert werden soll oder wenn die Adoption ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen getragen wird. Wie bei der bloßen Absicht, Erbschaftssteuer zu sparen. In Ihrem Fall ist dies allerdings nur Nebenzweck und deshalb zulässig. Missbräuchlich war die Adoption im folgenden Fall. Hier wollte ein 86-Jähriger seinen 67-jährigen Steuerberater adoptieren. Das Gericht konnte nicht von der sittlichen Rechtfertigung der Adoption überzeugt werden, sondern lehnte die beantragte Adoption ab. Unter anderem deshalb, weil sich die Beteiligten bei der Anhörung noch siezten.

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