Vier im Recht : Wenn zwei das gleiche tun

Muss man mehreren Maklern Provision zahlen, wenn sie einem dieselbe Wohnung angeboten haben?

WAS STEHT INS HAUS?

Wir sind vor kurzem von Bonn nach Berlin gezogen. Als wir eine Wohnung suchten, haben wir auch bei Maklern nachgefragt. Die Wohnung, in die wir schließlich eingezogen sind, wurde uns gleich von mehreren von ihnen angeboten. Besichtigt haben wir sie mit dem Makler, der uns zuerst das Exposé geschickt hat. Allerdings hatten wir vorher schon mit einem anderen Makler einige Wohnungen angesehen, die uns aber nicht gefielen. Auch dieser Makler bot uns später noch die Wohnung an, die wir gemietet haben. Wir haben darauf aber nicht reagiert. Nun will auch er Provision. Zu Recht?

WAS STEHT IM GESETZ?

Nein. Der zweite Makler hat keinen Anspruch auf Provision. Denn nach Paragraf 653 des Bürgerlichen Gesetzbuchs erhält ein Makler eine Provision nur dann, wenn infolge seiner Tätigkeit ein Hauptvertrag abgeschlossen wird. In Ihrem Fall also dann, wenn Sie den Mietvertrag für die Sie interessierende Wohnung unterzeichnet haben. Um provisionsberechtigt zu sein, muss Ihnen der Makler die Wohnung nicht nur angeboten haben. Außerdem durften Sie von der Möglichkeit, diese Wohnung mieten zu können, vorher nichts wissen. Sprich: Die Leistung des Maklers muss ursächlich dafür sein, dass Sie tatsächlich mieten. Probleme treten immer dann auf, wenn Ihnen eine Wohnung mehrfach angeboten wird. In diesem Fall gilt: Wenn Sie mehrere Makler angeschrieben haben, wird wohl das erste Angebot, das Ihnen ins Haus flatterte, ursächlich für die Anmietung gewesen sein. Wenn Sie nun den Makler, der als Erster angeboten hat, kontaktiert und mit ihm die Wohnung besichtigt haben, dann hat dieser Makler seine Provision verdient. Gegenüber den anderen Maklern können Sie sich auf eine sogenannte Vorkenntnis berufen. Sie können diesen Maklern also mitteilen, dass Sie bereits vorher wussten, dass die betreffende Wohnung zur Vermietung steht. Die Ursache dafür, dass Sie sie gemietet haben, hat also nur der erste Makler gesetzt. Also hat auch nur der erste Makler einen Anspruch auf seine Maklercourtage.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Zeitungsannoncen kosten Geld, außerdem müssen Makler oft mit vielen Interessenten die Wohnung besichtigen, bevor sie ihre Provision verdient haben. Da das Argument „Vorkenntnis“ oft benutzt wird, in der Hoffnung, keine Provision zahlen zu müssen, sollten Sie den Makler, der Ihnen eine Ihnen bereits bekannte Immobilie anbietet, schnell davon informieren. Verpflichtet sind Sie nicht, aber es vermeidet Ärger. Denn wenn Sie beweisen können, dass Sie die Information bereits von einem anderen erhalten und mit dem die Wohnung auch besichtigt haben, schulden Sie nur diesem Makler seine Provision. Um Streit zu vermeiden, sollten Sie also dem weiteren Makler das vom ersten Makler übersandte Exposé überreichen. Durch das Datum kann er dann erkennen, dass Sie die Wohnung schon kannten.

Über Haus und Wohnung wird oft gestritten. Unsere Experten klären jede Woche eine Frage.

Im Wechsel antworten Katrin Dittert, Fachanwältin, Stephen-M. Dworok, Bausachverständiger, Ernst-Michael Ehrenkönig, Notar,
Hartmann Vetter, Berliner Mieterverein

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