Vier im Recht : Wer sich nicht schützt, baut auf Risiko

Haftet der Architekt, wenn im halbfertigen Rohbau plötzlich der Schimmel blüht?

WAS STEHT INS HAUS?



Unser Haus wird gerade errichtet. Wir haben die Bauleistungen an einzelne Firmen vergeben, die von unserem Architekten koordiniert und überwacht werden. Nachdem der Estrich eingebracht und die Wände verputzt waren, kam es zu Schimmelbildungen an Wand- und Deckenflächen des erweiterten Rohbaus. Nun streiten wir mit den beteiligten Firmen und dem Architekten darüber, wer schuld an der Sache ist. Unser Architekt meint, es sei ein normales Bauherrenrisiko, so dass die Schadensbeseitigung von uns zu tragen wäre. Fällt dieser Schaden tatsächlich in unser Risiko?

WAS STEHT IM GESETZ?

Das Bauherrenrisiko ist das Wagnis, das darin besteht, vom ersten Spatenstich bis zur Schlüsselübergabe das Haus überhaupt fertigzustellen und dabei die kalkulierten Kosten etwa einzuhalten. Schäden infolge Witterung, Vandalismus oder Diebstahl können zum Teil versichert werden. Dafür müssen Sie eine Bauwesenversicherung abschließen. Während der Bauphase entstehende Schäden sind häufig auf unzureichende Schutzmaßnahmen teilfertig gestellter Bauleistungen zurückzuführen. Die Haftung dafür trägt in der Regel die ausführende Firma entsprechend den Grundsätzen der VOB und auch der bauleitende Architekt, da er ebenfalls die Sicherung der teilfertig gestellten Leistung als Oberaufsicht zu verantworten hat. Zwischenbauzustände werden häufig in ihrer Schadenswirkung unterschätzt. Unterlassen Baufirma und Architekt zeitweise Maßnahmen zur Entfeuchtung oder gar Beheizung eines im Bau befindlichen Hauses, nachdem nass zu verarbeitende Baustoffe eingebracht werden, können sich bei entsprechenden klimatischen Bedingungen Schimmelpilze rasant vermehren, die dann eine Sanierung erfordern. Solch Schaden ist auf einen ungenügenden Schutz der ausgeführten Bauleistung zurückzuführen. Ob besondere Schutzmaßnahmen erforderlich sind, kann dabei nur vom bauleitenden Architekt erkannt und abgeschätzt werden, da komplexe Zusammenhänge am Gesamtgebäude nicht unbedingt der ausführenden Fachfirma bekannt sein müssen.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Sie bestimmen als Bauherr selbst die Höhe des Risikos. Der Abschluss einer Bauwesenversicherung und die Beauftragung eines unabhängigen Architekten können das Bauherrenrisiko bei Einhaltung des Kostenbudgets minimieren. Stellen Sie Baumaterial zur Verfügung oder führen Eigenleistungen aus, sparen Sie zwar Baukosten ein, erhöhen aber Ihr Risiko, bei Mängeln Haftungsansprüche durchsetzen zu können. Auch die Verwendung auf den ersten Blick kostensparender Baumethoden kann weitere Baunebenleistungen erfordern, um eine fachgerechte Ausführung zu erhalten. Kostengünstige Baumethoden sind damit nicht immer billiger und genauso sicher. Klare und geordnete Verträge mit Planern und ausführenden Firmen auf der Grundlage bewährter Vertragsgrundlagen, wie VOB und HOAI, können das Bauherrenrisiko erheblich senken.

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